Behandlung
ADHS – Fortschritte bei der Therapie von Erwachsenen

Auch Erwachsene können unter ADHS leiden

Auch Erwachsene können unter ADHS leiden (Foto: Image Point Fr | Shutterstock)

Die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird vor allem mit Kindern in Zusammenhang gebracht. Doch häufig besteht diese Störung auch im Erwachsenenalter fort, sodass die frühere Annahme eines Abebbens der Symptomatik in der Pubertät, verworfen werden muss.

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Symptome der ADHS

ADHS geht mit Störungen der Aufmerksamkeit, aber auch einer gesteigerten Impulsivität sowie einer erhöhten Aktivität (einem erhöhten Bewegungsdrang) einher. Ca. 5% der Kinder erfüllen die wesentlichen Kriterien der Diagnose und fallen meistens durch deutliche Probleme im Kontakt zu Gleichaltrigen auf. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, unwichtige Reize auszublenden. Dadurch entsteht schnell ein Überforderungserleben, weil alle Einflüsse in einer Situation ungefiltert verarbeitet werden. Aufgaben können so nicht mehr richtig bearbeitet werden, insbesondere wenn diese eher komplex sind. Es entsteht eine erhöhte Ablenkbarkeit, die das Fokussieren und kontinuierliche Bearbeiten von Aufgaben erschwert. Hinzu kommt eine Überaktivität, etwa das Herumrutschen auf Stühlen und das unkoordinierte Bewegen von Füßen oder Händen (Zappeln). Dies kann sich ebenfalls nur innerlich abspielen, im Sinne einer empfunden starken Unruhe oder eines hohen Rededrangs.

Fortbestehen der Probleme im Erwachsenenalter

Bei etwa 40% der Betroffenen setzt sich die Symptomatik im Erwachsenenalter fort und kann zu Problemen im Beruf sowie im Sozialleben führen. Zudem geht ADHS im Erwachsenenalter mit einem erhöhten Risiko für weitere psychische Störungen einher, etwa mit Sucht oder Substanzmissbrauch sowie affektiven Störungen, die sich vermutlich als Folge der erlebten Hilflosigkeit herausbilden. Das Vorliegen der Diagnose alleine muss nicht unbedingt einen Behandlungsbedarf zur Folge haben. Erst, wenn der Betroffene unter den Symptomen leidet, sich beeinträchtigt fühlt und soziale Probleme (z.B. drohender Verlust des Arbeitsplatzes) sowie psychische Komorbiditäten (z.B. zusätzliche Depression) vorliegen, sollte eine Therapie erfolgen.

Die Behandlung von ADHS

Anders als bei Kindern, die den Zusammenhang zwischen ihrem Verhalten und inneren Zuständen noch nicht erkennen können, werden Erwachsenen in der Therapie genau diese Wirkmechanismen näher gebracht. Den Patienten wird vermittelt, wie die Überaktivierung des zentralen Nervensystems und die mangelnde Filterung von Reizen zu den Symptomen der Störung führen. Diese Psychoedukation ist die Grundlage für die spätere Vermittlung der aufmerksamkeitslenkenden Strategien. Als Methode der Impulskontrolle können dann Achtsamkeitsstrategien erlernt werden. Hierbei sollen die Patienten zu Gefühlen und Gedanken eine distanzierte Position einnehmen, sich gewissermaßen innerlich selbst beobachten, ohne dies zu bewerten. Ebenso wurden Hilfsmitteltrainings an ADHS-Patienten angepasst. So lernen Betroffene, Aufgaben zu strukturieren und zu organisieren (z.B. Hinweistafeln innen neben der Tür aufhängen).

Problematische Verhaltensweisen – beispielsweise impulsive und aggressive Handlungen – werden bezüglich ihrer kurz- und langfristigen Konsequenzen analysiert, um ein Überreagieren in sozialen Situationen zu verhindern. Zudem werden Ressourcen erarbeitet, die dazu beitragen, die Kontrolle über das eigene Verhalten zu erhöhen oder eine zu starke Aktivierung zu reduzieren.

Teile der kindlichen Therapie kommen zum Einsatz

Insgesamt werden in der modernen Therapie der ADHS bei Erwachsenen einige Elemente aus der Behandlung von Kindern übernommen, aber auf Probleme der Adoleszenz (z.B. Berufstätigkeit, Partnerschaft) angewendet. Zudem kommen Elemente der bewussten Verhaltenskontrolle hinzu, die von den Patienten schrittweise erlernt und im Alltag umgesetzt werden sollen. Weiterhin kann eine medikamentöse Therapie die Verhaltensänderungen begleiten.

Links zum Thema ADHS bei Erwachsenen

1 ADHS Spektrum – Knappe Beschreibung der ADHS-Symptomatik aus Patientensicht
2 Christopher Lauer – der Politiker über seine persönliche Erfahrung mit ADHS
3 Dr. Shaw – Verhaltenstherapie bei ADHS im Erwachsenenalter
6 Medizinrecht Blog – Versorgung bei ADHS von Erwachsenen
7 BFEL – Therapie-Konzepte für erwachsene ADHS-Patienten

Sebastian Fiebiger: Leidest Du unter ADHS? Bist Du in ärztlicher Behandlung? Welche Therapie hat man bei Dir eingeleitet? Hat sie geholfen? Schreib uns Deine Erfahrungen, Ergänzungen und Fragen – direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren. Du hilfst damit auch anderen Lesern.

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Kommentieren? 20.06.2016
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