Erfolge und Grenzen der TherapieAlzheimer und Delirium: Kognitives Training bei Demenz

Wie kognitives Training positive Effekte bei Delirium und Alzheimer haben kann und wo die Grenzen der Therapie liegen.

Kognitives Training bei Demenz

Kognitives Training bei Demenz (Foto: Alexander Raths | Shutterstock)

Mit zunehmender Lebenserwartung treten auch typische Alterskrankheiten häufiger auf, da immer mehr Menschen ein höheres Alter erreichen und das wiederum die Wahrscheinlichkeit für spezifische Symptome erhöht. Neben Diabetes und Bluthochdruck zählen die Demenzen zu diesen charakteristischen Störungsbildern, mit denen Ältere zu kämpfen haben. Kognitive Trainings sind eine Maßnahme, mit denen der zunehmende geistige Abbau verlangsamt werden soll.

Arten von Demenz

Demenzen werden häufig über bestimmte neuropsychologische Testverfahren ermittelt. Hier werden Patienten in verschiedenen Aufgaben geprüft. Typischerweise wird etwa die Orientierung (z.B. das Wissen um den aktuellen Wochentag oder die ungefähre Tageszeit sowie die Kenntnis wesentlicher personenbezogener Informationen) erfasst. Auch die Merkfähigkeit wird getestet, beispielsweise indem Patienten bestimmte Begriffe wiedergeben sollen. Zudem werden die Konzentration und Aspekte der Verarbeitungsgeschwindigkeit überprüft.

Je nachdem, in welchem Bereich sich Defizite zeigen, wie stark diese ausgeprägt sind und wie komplex die Ausfallerscheinungen sind, können Rückschlüsse auf verschiedene Arten der Demenz gezogen werden. Treten die Einschränkungen etwa vor allem im Bereich des Gedächtnisses auf und ist auch das Wiedererkennen gestört, d.h. können Patienten nicht einmal mehr sagen, ob ihnen ein Begriff oder Bild bekannt vorkommt, dann kann die Alzheimer-Demenz als Ursache angenommen werden. Sind gerade die Konzentration und die Verarbeitungsgeschwindigkeit betroffen, kann eine vaskuläre Demenz vorliegen, die sich etwa als Folge von Hirninfarkten ausbildet. Oftmals besteht aber auch eine unechte Demenz. Dies kann etwa bedeuten, das zwar Gedächtniseinschränkungen vorhanden sind, dass diese aber Begleiterscheinungen einer Altersdepression sind oder dass ein Delirium besteht, also ein zeitlich begrenzter und reversibler Verwirrtheitszustand, wie er beispielsweise nach Operationen oder größeren Veränderungen auftreten kann.

Kognitives Training bei demenziellen Einschränkungen von Gedächtnis und Aufmerksamkeit

Das kognitive Training ist neuesten Erkenntnissen nach in seiner Wirksamkeit bei einer wirklichen Demenz oftmals beschränkt. Die neurodegenerativen Veränderungen, also das Absterben von Nervenzellen, kann dadurch nicht rückgängig gemacht werden. Ein Delirium kann damit jedoch effektiv bekämpft werden, um ein normales Fähigkeitsniveau zurückzuerlangen. Im Anfangsstadium der Demenz können ebenso einige Erfolge erzielt werden. Zudem haben die Trainings eine wesentliche motivationale Komponente; sie schaffen positive Erlebnisse und machen Betroffene daher auch ein Stück weit zufriedener.

Inhalte der Trainings sind etwa einfache Wortspiele, das Erraten von Begriffen, das Merken und Ergänzen von Bildern oder das Finden von bestimmten Symbolen auf einer Abbildung. Diese Übungen können sogar in einer Gruppe durchgeführt werden und mit sportlichen Elementen verbunden werden, etwa das Zuwerfen eines Balles oder Luftballons. Beide Techniken – das kognitive Training und die körperliche Bewegung – sollen die Neuroplastizität fördern. Also die Neubildung von Verbindungen zwischen Nervenzellen, die auch im Alter noch stattfinden kann. Zwar werden die Einschränkungen durch die Demenz dadurch nicht vollständig ausgeglichen, aber leichte Fortschritte lassen sich mit dem Verfahren durchaus erzielen. Über- und Unterforderung sollten auf jeden Fall vermieden werden.

demenz-training

In netter Atmosphäre ist die Motivation höher (Foto: Robert Kneschke | Shutterstock)

Motivation fördern, Ablehnung akzeptieren

Auch wenn das kognitive Training Verbesserungen der geistigen Leistungsfähigkeit hervorrufen kann und die Stimmung durch Erfolgserlebnisse stabilisieren soll, fällt es manchen Betroffenen schwer, sich auf das Üben einzulassen. Einige fühlen sich vielleicht an die Schule erinnert, mit der sie negative Ereignisse verbinden. Ablehnung sollte daher ernst genommen werden; die Teilnahme ist freiwillig. Die Motivation kann hingegen gesteigert werden, indem das Training in einen vertrauten und positiven Kontext eingebunden wird (z.B. in eine Kaffee-Runde).

Dipl.-W.Inf. Sebastian Fiebiger
Medizinjournalist

Machst Du kognitives Training? Warum? Hat es den gewünschten Effekt? Schreib uns Deine Erfahrungen, Ergänzungen und Fragen – direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren. Du hilfst damit auch anderen Betroffenen.

Kommentieren? Wichtige Hinweise
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
5,00 von 1-52 Stimmen
Loading...

Weitere Artikel zum Thema:
Kommentare:
Diskutieren, Fragen & Erfahrungsaustausch:
Zu diesem Beitrag gibt es noch keine Kommentare. Schreib einen!
Dein Kommentar:
« Nebenwirkungen der Psychotherapie
» Online-Psychotherapie – Chancen, Probleme und Angebote