Therapie, Hausmittel und Naturheilkunde
Gicht Behandlung

Gicht-Therapie: Ein erhöhter Harnsäurespiegel lässt sich in Blut und Harn nachweisen

Gicht-Therapie: Ein erhöhter Harnsäurespiegel lässt sich in Blut und Harn nachweisen (Foto: Jarun Ontakrai | Shutterstock)

Behandlung und Therapie

Ein akuter Gichtanfall wird mit entzündungshemmenden Medikamenten – wie Kortison – behandelt. Zusätzlich kommen i.d.R. Schmerzmittel zum Einsatz. Auch das Kühlen der betroffenen Gelenke kann den Patienten Linderung verschaffen.

Die nachhaltige Therapie der Gicht besteht in einer Ernährungsumstellung und / oder der Verordnung von Medikamenten, die den Harnsäurespiegel senken. (Urikostatika) Der Patient wird angehalten, sich purin-arm zu ernähren.

Behandlungsziel: Senkung des Harnsäurewerts in Blut auf einen Wert innerhalb des Normbereichs.

Wichtig: Eine Gicht gehört immer in ärztliche Behandlung. Wer lediglich die Symptome behandelt, riskiert eine Chronifizierung der Erkrankung. Es drohen bleibende Gelenk- und Organschäden. Das gilt auch dann, wenn Gichtanfälle von längeren beschwerdefreien Phasen begleitet werden. Hinter der Gicht können sich auch andere dringend behandlungsbedürftige Erkrankungen (bspw. der Nieren) verbergen. Kristallisiert die Harnsäure in den Nieren aus, können sich Nierensteine bilden und die Niere sukzessive zerstören. Auch eine stark erhöhte Harnsäurekonzentration in der Niere kann zu plötzlichem Nierenversagen führen.

Medikamente

1. Urikostatika

Urikostatika verbessern das Ungleichgewicht im Harnsäure-Stoffwechsel auf Seiten der Entstehung. Sie hemmen die Bildung von Harnsäure.

2. Urikosurika

Urikosurika erhöhen die Harnsäureausscheidung über die Nieren und tragen damit zur Wiederherstellung der Harnsäure-Balance bei.

In den meisten Fällen werden die Urikostatika den Urikosurika vorgezogen, da Urikosurika bei bereits vorgeschädigten Nieren problematisch sind.

Hausmittel, Naturheilkunde und Homöopathie

Das im Fall einer unbehandelten Gicht ernsthafte Gesundheitsfolgen drohen, die bis zum Tod des Patienten (bspw. durch akutes Nierenversagen) führen können, muss unbedingt eine ärztliche Behandlung erfolgen. Hausmittel, naturheilkundliche Behandlungen und homöopathische Mittel können allenfalls therapiebegleitend zum Einsatz kommen und sollten mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden:

Hausmittel

  • Alkoholverzicht
  • ausreichende Trinkmenge sicherstellen
  • betroffene Gelenke kühlen
  • Ruhigstellung der betroffenen Gelenke
  • Verzicht auf purinreiche Kost

Wichtig: Keine Diät halten! Das kann die Gicht verschlimmern.

Naturheilkundliche Anwendungen

Blutengel – eine Behandlung mit Blutegeln soll der Entzündung und den Schmerzen entgegen wirken. Für die behauptete Wirkung ist der Stoff Hirudin verantwortlich, den die Egel absondern und der entzündungshemmend und schmerzstillend wirkt.

Cantharidenpflaster – ein Pflaster mit einer Salbe aus dem Mehl der „spanischen Fliege“, das entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken soll. Diese Behandlung stammt aus dem arabischen Raum und kann direkt am betroffenen Gelenk eingesetzt werden.

Bäder – das Baden der betroffenen Gelenke (bspw. Fußbad) soll einen „ausleitenden“ Effekt haben.

Vitamin C und Folsäure – sollen das Ablagern der Harnsäurekristalle in den Gelenken hemmen.

Heilpflanzen

  • Brennesel
  • Herbstzeitlose -> Wirkstoff Colchicin (verschreibungspflichtig)
  • Löwenzahn

Homöopathie

Bei Gicht kommen folgende homöopathische Mittel zum Einsatz:

  • Apis Mellifica
  • Belladonna
  • Bryonia

Prognose

Der Gicht lässt sich heute gut therapieren. Der Behandlungserfolg setzt aber einen möglichst frühen Therapiebeginn voraus. Liegen bereits signifikante Gelenk- und Organschäden vor, sind diese selten vollständig reversibel.

Vor allem die Gichtniere ist eine Folgeerkrankung, der besondere Aufmerksamkeit gebührt. Bei einer unbehandelten Gicht lagern sich in diesem Organ Harnsäurekristalle an und lösen chronische Entzündungen aus. Diese können zu einer Schrumpfniere und letztlich zum vollständigen Untergang des Organs führen.

Der Harnsäurespiegel reagiert schnell auf Ernährungsanpassung. Schon innerhalb von ein bis zwei Wochen ist eine deutliche Senkung des Serumspiegels zu erreichen. Der Abbau von bereits bestehenden Harnkristall-Ablagerungen im Gewebe kann aber Monate oder sogar Jahre dauern.

Vorbeugung

Die Gicht-Prophylaxe besteht vor allem in der Meidung der [Riskofaktoren]. Insbesondere sollte der Fleischkonsum reduziert werden, etwaiges Übergewicht abgebaut werden, auf eine ausreichende Trinkmenge geachtet werden. Als optimale Gicht-Prophylaxe gilt eine Trinkmenge von ca. 2 Litern. Darüber hinaus ist keine positive Wirkung zu beobachten.

Diagnose: Was macht der Arzt?

Der Arzt wird zunächst ein ausführliches Patientengespräch (Anamnese) führen, um das Beschwerdebild zu erheben und die Lebensgewohnheiten zu beleuchten. In den meisten Fällen kann die Gicht schon durch Vorliegen der typischen Symptomatik diagnostiziert werden. Der Arzt wird vor allem das betroffene Gelenk inspizieren.

Sichergestellt wird die Diagnose durch eine Blutentnahme und anschließende labortechnische Analyse. Der Arzt kann auch das Gelenk punktieren und die abgeleitete Gelenkflüssigkeit untersuchen. Bei einer akuten Gicht finden sich darin Harnsäurekristalle.

Blutwerte

Im Rahmen der labortechnischen Blutanalyse wird vor allem der Harnsäurespiegel erhoben. Der ist bei einer bestehenden Gicht i.d.R. erhöht. Auch die Blutsenkungsgeschwindigkeit ist meist beschleunigt. Eine Erhöhung der Leukozytenzahl wird ebenfalls regelmäßig bei Gicht-Patienten beobachtet.

Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG): erhöht
Harnsäurespiegel: erhöht
Leukozyten (weiße Blutkörperchen): erhöht

Die Referenzwerte für den Harnsäurespiegel im Blut unterscheiden sich zwischen den Geschlechtern. Männer haben üblicherweise einen höheren Harnsäureanteil:

Männer: 3,6 – 8,2 mg/dl entspricht 214-363 µmol/l
Frauen: 2,3 – 6,1 mg/dl entspricht 137-488 µmol/l

Harnwerte

Im Urin kann ebenfalls der Harnsäurespiegel Aufschluss geben. Der Referenzwert liegt bei bis zu 800 Milligramm bzw. 4,76 mmol. Zusätzlich lässt sich der ph-Wert erheben. Bei Gicht-Patienten ist der Urin i.d.R. sauer.

Harnsäure: erhöht
ph-Wert: sehr niedrig = saurer Urin

Hinweis: Der Normbereich von Laborwerten kann von Labor zu Labor leicht variieren. Auf der Laboranalyse in i.d.R. der Normbereich angegeben.

Bildgebung

Zusätzlich können bildgebende Verfahren (Ultraschall, Röntgen, MRT) nötig sein, um Folgeschäden der Gicht – etwa Nierensteine, eine Gichtniere oder andere Organschäden – auszuschließen.

Differentialdiagnosen

Es gibt einige Krankheiten, die sich in ähnlichen Symptomen wie die Gicht manifestieren und mit ihr verwechselt werden können:

  • Arthritis
  • bakterielle Gelenkentzündung
  • chronische Polyarthritis
  • Heberden-Arthrose
  • Hydroxylapatitkrankheit
  • Pseudogicht (Chondrokalzinose)
  • Thrombophlebitis (Thrombose und Entzündung oberflächlicher Venen)
  • Wundrose (Erysipel) / Phlegmone

Ergänzungen und Patientenerfahrungen:

Sebastian Fiebiger: Leidest Du unter Gicht und wirst bereits therapiert? Wie sieht Deine Behandlung aus? Kannst Du schon über erste Erfolge berichten? Hast Du Tipps für andere Patienten? Schreib uns! Das geht direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren und funktioniert auch ganz ohne lästige Anmeldung.

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