Neue Demenztests und IntelligenztestsDemenztest: Moderne Verfahren zur Messung der geistigen Leistungsfähigkeit

Welche neuen Verfahren zur Bestimmung der geistigen Leistungsfähigkeit es gibt, worin sie sich unterscheiden und wie sie sich kombinieren lassen?

Die Bestimmung der geistigen Leistungsfähigkeit gewinnt im Alter an Bedeutung

Die Bestimmung der geistigen Leistungsfähigkeit gewinnt im Alter an Bedeutung (Foto: Alexander Raths | Shutterstock)

Die geistige Leistungsfähigkeit kann in die Aufmerksamkeit, die Konzentration, die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit sowie die Merkfähigkeit untergliedert werden. Auch die Intelligenz kann gesondert betrachtet werden. Als ideal hat es sich dabei erwiesen, verschiedene Verfahren miteinander zu kombinieren, um ein umfassendes Bild über die Kognition – also die geistigen Kompetenzen – zu erlangen.

Die Relevanz der Einschätzung kognitiver Funktionen

In vielen Bereichen kann die Messung der kognitiven Leistungsfähigkeit im klinischen Alltag relevant sein. So fallen etwa mitunter Patienten auf, die Informationen nicht korrekt zu verarbeiten scheinen, Probleme mit dem Gedächtnis haben, mehrfache Erklärungen benötigen oder verlangsamt reagieren. Gerade bei älteren Patienten steht dabei die Frage im Raum, ob pathologische Einschränkungen im Sinne einer Demenz vorliegen könnten. Die Erfassung von Merkfähigkeit und Konzentration kann ebenso bei der Diangnose psychischer Störungen relevant sein, da entsprechende Einschränkungen Begleiterscheinungen einer Schizophrenie oder Depression sein können. In der Rehabilitation wird eine Einschätzung der geistigen Leistungen zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit herangezogen. Zudem müssen veränderbare kognitive Defizite und persistierende, also bleibende Einschränkungen unterschieden werden. Eine genaue Prüfung vorhandener Defizite trägt also dazu bei, Möglichkeiten der Veränderung und Verbesserung zu finden.

Die Anwendung von Demenztests

Demenztests, wie der Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder der DemTect sowie das Rapid Dementia Screening (RDS), kommen häufig bei älteren Personen zum Einsatz. Die Tests beinhalten beispielsweise einfache Rechenaufgaben oder das Merken von Wortlisten sowie das Abzeichnen einfacher Formen. Auch wenn diese meist vergleichsweise simpel sind, so bieten gerade der DemTect und dessen Kurzform, der RDS, ebenso Aufgaben, die selbst bei jüngeren Personen angewendet werden können. Enthalten ist unter anderem eine Wortliste mit 10 Begriffen, die im Gedächtnis aufrechterhalten werden sollen. Personen, die jünger als 60 Jahre sind, können sich durchschnittlich sieben Begriffe merken; alle 10 Wörter schaffen nur sehr wenige. Daher ist das Verfahren durchaus dafür einsetzbar, um bei Jüngeren Einschränkungen der Merkfähigkeit sowie anderer kognitiver Bereiche einzuschätzen. Beide Tests besitzen zudem Normen (also Vergleichsmaßstäbe), die auch für Klienten unterhalb der eigentlich vorgesehenen Altersgruppe nutzbar sind.

Intelligenztests in der klinischen Anwendung

Neben Demenztests können ebenso Verfahren zur Messung der Intelligenz zum Einsatz kommen. Diese erfassen häufig das Erkennen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Typische Aufgaben beinhalten das Finden eines Fehlers innerhalb einer Zahlen- oder Buchstabenreihe sowie das Fortsetzen einer Abfolge mit dem passenden Symbol. Dazu muss jeweils die Gesetzmäßigkeit erkannt werden, nach der die einzelnen Reihen aufgebaut werden. Zusätzlich können Aufgaben zur Analyse von Problemsituationen oder zum Finden möglichst vieler Optionen enthalten sein. Die Tests können zum Einsatz kommen, um zu beurteilen, welche grundsätzlichen Kompetenzen bei einem Patienten vorhanden sind, auch wenn diese momentan vielleicht durch eine Erkrankung oder Störung überlagert sind. Besonders das Leistungsprüfsystem nach Horn (LPS) wird gern verwendet. Dieses stammt zwar aus den 1980er Jahren und ist daher für ein Intelligenzverfahren vergleichsweise alt, es ist jedoch sehr schnell und ökonomisch einsetzbar. Bereits ein etwa fünfminütiger Test kann als Teilaufgabe des LPS zur Abschätzung der Intelligenz verwendet werden. Neuere Verfahren sind meist deutlich länger und auch nicht so einfach in Teilaufgaben untergliederbar. Zwar ist das Ergebnis bei dem nur fünfminütigen Test mit einer gewissen Unschärfe behaftet, aber für klinische Anwendungen ist das Verfahren dennoch ausreichend genau.

Eine Kombination mehrerer Testverfahren ist sinnvoll

Eine Kombination mehrerer Testverfahren ist sinnvoll (Foto: Wichy | Shutterstock)

Ein kombiniertes Vorgehen

Zur Abschätzung der geistigen Leistungsfähigkeit eignet sich am besten die Kombination mehrere Verfahren. Dies entspricht dem aktuellen klinischen Standard. So sollte die Messung der Gedächtnisfunktion etwa mit verbalem Material (Wortlisten) sowie Zahlen und visuellen Items (Bildern) erfolgen. Neben der reinen Wiedergabe (Rehearsal) kann auch das Wiedererkennen (Rekognition) geprüft werden. Denn für einige Störungen (z.B. eine Depression) ist es typisch, dass Gelerntes nicht mehr korrekt wiedergegeben, aber dennoch wiedererkannt wird. Schwächen in einzelnen Bereichen (z.B. beim Merken von Zahlen) können auf spezifische Probleme hinweisen, die nicht mit dem Gedächtnis allgemein, sondern eher dem Zahlenverständnis zu tun haben (z.B. Rechenschwäche).

Sebastian Fiebiger: Hast Du schon mal einen Intelligenz- oder Demenztest gemacht? Wie fiel das Ergebnis aus? Hat sich der Arzt genug Zeit für die Auswertung genommen? Wurde Dir erklärt, was das Ergebnis bedeutet? Schreib uns Deine Erfahrungen, Ergänzungen und Fragen – direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren. Du hilfst damit auch anderen Betroffenen.

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