Symptome, Vorsorge, Behandlung & Ernährung
Darmkrebs

Darmkrebs - Frühe Erkennung als Lebensretter

Hinter dem Brustkrebs bei den Frauen sowie dem Prostatakrebs bei den Männern rangiert der Darmkrebs in Deutschland bei beiden Geschlechtern auf Platz zwei der häufigsten Krebserkrankungen.

Es wird geschätzt, dass mehr als sechs von hundert deutschen Bürgerinnen und Bürgern in ihrem Leben an einem bösartigen Tumor des Darms erkranken, wobei die sogenannten kolorektalen Karzinome, also bösartige Neubildungen im Dickdarm oder Rektum, den deutlich größten Anteil aller Darmkrebserkrankungen ausmachen. Die gute Nachricht: Rechtzeitig erkannt ist diese Krebsart in vielen Fällen dauerhaft heilbar.

Darmkrebs Symptome

Sich gut fühlen, ist ein typisches Anzeichen für Darmkrebs. – Diese ironische Bemerkung von Medizinern will andeuten, dass Darmkrebs häufig keine beziehungsweise erst im fortgeschrittenen Stadium Symptome auslöst, was eine konsequente Vorsorge so wichtig macht. Mögliche Warnzeichen sind beispielsweise Bauchkrämpfe und Übelkeit, das Fehlen von Appetit oder ein ausgeprägtes Völlegefühl. Ernst zu nehmen sind vor allem Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang – besonders dann, wenn ungewohnte Symptome auftreten. Das gilt nicht nur für das klassische Alarmsignal von Blut im Stuhl, sondern auch für ein ständiges Wechseln von Verstopfung und Durchfall. Auch Stuhldrang, auf den keine Entleerung erfolgt, kann ein Signal sein. Ist ein Darmabschnitt von einem Tumor stark eingeengt, kommt es häufig zu dünnem Stuhl, der auch als Bleistiftstuhl bezeichnet wird. Einen starken, ungewollten Gewichtsverlust sollte man ebenso abklären lassen wie eine diagnostizierte Blutarmut, eine dauerhafte Blässe sowie ein unerklärliches Auftreten von Müdigkeit und verminderter Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum.

Typische Anzeichen für Darmkrebs

  • Blut im Stuhl
  • untypische Verdauungsbeschwerden
  • ständiger Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung
  • wiederkehrende, ungeklärte Bauchschmerzen
  • ständiger Stuhldrang
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Völlegefühl
  • chronische Appetitlosigkeit
  • Abgeschlagenheit, Ernergielosigkeit
  • ständige Müdigkeit
  • schnelle Erschöpfbarkeit
  • ungeklärter Gewichtsverlust
  • Blutarmut, blasse Haut

Was tun, wenn Anzeichen auftreten?

Bei möglichen Anzeichen für eine Darmerkrankung ist in aller Regel der Hausarzt der erste Ansprechpartner, der eine gezielte Diagnostik einleiten beziehungsweise notwendige Überweisungen ausstellen wird. Oft zögern Menschen mit Beschwerden den Gang zum Arzt aus Angst vor einem schlechten Untersuchungsergebnis immer weiter hinaus. Dennoch gibt es zwei gute Gründe für einen zeitnahen Arztbesuch nach dem Auftreten von klassischen Symptomen. Zum einen, weil bei einem tatsächlichen Darmkrebsbefund eine zügige Therapieeinleitung die Heilungschancen deutlich verbessert, zum anderen, um den Betroffenen vom quälenden Gefühl von Angst und Ungewissheit zu befreien. Denn in vielen Fällen gibt es für die einzelnen Symptome eine ganz harmlose Ursache. So ist Blut im Stuhl meist auf Hämorrhoiden zurückzuführen, während der Grund für eine Blutarmut auch ein einfach zu behebender Eisenmangel sein kann. Sollten Bauchschmerzen stressbedingt sein und durch die Angst vor Darmkrebs noch verstärkt werden, ist oft schon der beruhigende Ausschluss einer Krebserkrankung der erste Schritt in Richtung einer nachhaltigen Besserung der Symptome.

Wie entsteht Darmkrebs?

Darmpolypen

Darmpolypen – Die gutartigen Vorstufen von Darmkrebs (Foto: Juan Gaertner | Shutterstock)

Im Gegensatz zu einigen anderen bösartigen Erkrankungen ist die Entstehungsursache von kolorektalen Karzinomen bereits gut erforscht: Etwa neun von zehn Darmkrebserkrankungen entwickeln sich aus ursprünglich gutartigen Darmpolypen, die viele Menschen in ihrem Darm tragen und die bei Darmbespiegelungen ein nicht seltener Befund sind. Die Entwicklung vom Polypen zum Karzinom kann dabei fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen. Grundlage der Zellentartung, die einen Krebstumor dann letztendlich entstehen lässt, sind genetische Mutationen in den Zellen der Darmschleimhaut, die die Zellen sich nicht nur unkontrolliert teilen lassen, sondern vor allem auch bewirken, dass die Geschwulst invasiv, also in das umliegende Gewebe hinein wächst. Die Mutationen können vererbt sein, weswegen bei Darmkrebserkrankungen in der Familie eine besonders konsequente Vorsorge sinnvoll ist. Doch auch Umweltfaktoren wie eine ungesunde Ernährung mit vielen chemischen Zusatzstoffen oder die schädlichen Wirkungen des Nikotins können die Entstehung von Darmkrebs begünstigen.

Heilungschancen

StadiumRate*Beschreibung
0ca. 100%Kleiner Tumor in den oberen Schichten der Darmschleimhaut.
1ca. 90%Noch kleiner Tumor ohne Metastasen und Lymphknotenbefall. Auf Darmwand begrenzt.
270 - 85%Der Tumor hat alle Schichten der Darmswand befallen, ist eventuell schon in benachbartes Gewebe vorgedrungen. Die Lymphknoten sind aber nicht befallen.
350 - 80%In diesem Stadium sind auch die umliegenden Lymphknoten (Wächterlymphknoten) befallen.
45 - 10%Der Krebs hat in diesem Stadium bereits Metastasen in anderen Organen gebildet.

* 5-Jahres-Überlebensrate: Statistische Messgröße, um Heilungserfolge zu erfassen. Überlebt ein Patient die ersten fünf Jahre nach Diagnosestellung gilt er im Rahmen statistischer Erfassung als geheilt.

Natürlich ist eine Krebserkrankung aufgrund ihres fortschreitenden Verlaufs grundsätzlich eine bedrohliche Erkrankung. Dennoch verbessert die frühzeitige Erkennung gerade bei Darmkrebs die Prognose erheblich. Die Gefährlichkeit der kolorektalen Karzinome in ausgeprägterem Stadium liegt vor allem in zwei Gründen: Einerseits führt das unkontrollierte und invasive Wachstum der Krebstumoren zu einer Zerstörung des umliegenden Gewebes und bringt aufgrund der stetigen Zunahme der Tumormasse auch das Risiko eines lebensgefährlichen Darmverschlusses mit sich. Andererseits wächst mit zunehmender Erkrankungsdauer auch das Risiko der Bildung von Metastasen: Das bedeutet, dass sich einzelnen Karzinomzellen aus dem Zellverband des Tumors lösen und über die Blutbahn oder das Lymphsystem in den Körper – zum Beispiel in die Leber und die Lunge – streuen können.

Behandlung

Bei einem diagnostizierten Darmkrebsbefund hängt die Wahl der Therapie vor allem vom Stadium der Erkrankung, aber auch von der Stelle, an der der Darm befallen ist, ab. Die größte Erfahrung bei der Behandlung dieser Krebsart ist in speziellen Darmzentren vorhanden, wo Fachärzte verschiedener Richtung die Therapie interdisziplinär gestalten. In den meisten Fällen werden der Tumor und auch einzelne Metastasen chirurgisch entfernt, wobei man darauf achtet, die Geschwulst möglichst mit einem Sicherheitsabstand von gesundem Gewebe zu operieren und auch umliegende, möglicherweise befallene Lymphknoten zu entnehmen. Je nach Erkrankungsstadium wird der operative Eingriff durch eine Chemotherapie ergänzt. Befindet sich der Tumor im Rektum, wird häufig die Radiochemotherapie, eine Kombination von Strahlen und Chemotherapeutika, eingesetzt. Bei einem geringen Ansprechen auf die Behandlungen ist auch eine Therapie mit Antikörpern möglich. Ergänzende Maßnahmen zur Stärkung der psychischen Verfassung und des Immunsystems sind die Betreuung durch einen Psychoonkologen sowie – immer in Absprache mit den behandelnden Ärzten – alternative Methoden wie die Hyperthermie oder die Verabreichung von Mistel- oder Selenpräparaten.

Vorsorge

Darmkrebs

Darmkrebs (Foto: Juan Gaertner | Shutterstock)

Da gerade der in der Regel langsam wachsende Darmkrebs bei Früherkennung gut behandelbar ist, kann das regelmäßige Wahrnehmen der Vorsorgeuntersuchungen Leben retten. Die sicherste Methode ist dabei die Darmspiegelung (Koloskopie), die auch kleine Polypen entdecken kann und die ab dem 55. Lebensjahr im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen steht. Weitere Vorsorgemöglichkeiten ist der ab dem 50. Lebensjahr bezahlte Test auf verborgenes Blut im Stuhl. Da dieser – zum Beispiel nach dem Verzehr eines blutigen Steaks – jedoch auch falsch positiv reagieren kann, wurden sensiblere Verfahren – die sogenannten immunologischen Stuhltests – entwickelt. Auch der Tumormarker Calprotectin wird zur Früherkennung eingesetzt.

Ernährung

Der Entstehung von Polypen als möglichem Entstehungsort von Krebs kann nicht wirksam vorbeugt werden. Dennoch kann jeder Mensch über einen gesunden Lebensstil, vor allem dem Verzicht auf Nikotin sowie eine regelmäßige Bewegung und einen ausreichende Trinkmenge, sein Immunsystem stärken und damit die Wahrscheinlichkeit einer Entartung senken. Einen besonderen Stellenwert hat hier die gesunde Ernährung: Eine ausgewogene, mediterran orientierte Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Getreide und hochwertigen Ölen wie Olivenöl schafft eine gesunde Basis bei der Vorbeugung von kolorektalen Karzinomen und anderen Darmerkrankungen.

Quellen

S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom

Langversion 2.0 – November 2017 | AWMF-Registernummer: 021/007OL
Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Deutsche Krebshilfe
URL: leitlinienprogramm-onkologie.de

Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland

Herausgeber: Robert-Koch-Institut
Autoren: Benjamin Barnes, Joachim Bertz, Nina Buttmann-Schweiger, Julia Fiebig, Susanne Jordan, Klaus Kraywinkel, Hildegard Niemann, Enno Nowossadeck, Christina Poethko-Müller, Franziska Prütz, Petra Rattay, Ina Schönfeld, Anne Starker, Antje Wienecke, Ute Wolf, Stefanie Castell, Yvonne Deleré, Desiree Grabow, Peter Kaatsch, Jan Multmeier, Claudia Spix, Bernhard Tenckhoff
URL: krebsdaten.de

Patientenerfahrungen

Dipl.-W.Inf. Sebastian Fiebiger
Medizinjournalist

Hast Du schon eine Darmkrebs-Vorsorge in Anspruch genommen? Hattest Du dabei Schmerzen? Warum wurde die Untersuchung durchgeführt? Oder bist Du bereits an Darmkrebs erkrankt? Wie wird er bei Dir behandelt? Schlägt die Behandlung an? Schreib und Deine Erfahrungen, Ergänzungen und Fragen – direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren. Du hilfst damit auch anderen Erkrankungen.

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  • 🕝 Anonymous

    Ich habe im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung eine Darmspiegelung durchführen lassen. Zunächst wurde ein Vorgespräch durchgeführt, in dem ich als Risikopatient eingestuft wurde. Mir wurde Infomaterial, Ernährungstipps und ein Abführmittel mitgegeben.

    Dieses Abführmittel nahm ich am Vortag abends ein, nachdem ich über den Tag verteilt bereits sehr viel getrunken hatte. Dreieinhalb Stunden später setzte die abführende Wirkung ein, aber Übelkeit und Kopfschmerzen hatten sich unmittelbar danach schon eingestellt.

    Am nächsten Morgen reagierte ich mit Erbrechen auf die zweite Gabe Abführmittel. Ich wollte die Koloskopie jedoch unbedingt durchführen lassen und reinigte den Darm schließlich durch mehrere Einläufe.

    In der Praxis verzichtete ich aufgrund rasender Kopfschmerzen und Übelkeit auf die Sedierung. Die eigentliche Darmspiegelung war zwar nicht gerade angenehm, aber keineswegs schmerzhaft. Der Arzt hatte mir zugesagt, sofort zu unterbrechen und ein Schmerzmittel zu geben, wenn ich das wünsche. Dies war jedoch nicht nötig. Bei jeder Geburt ertragen Mütter ein Vielfaches an tatsächlichen Schmerzen!

    Die eigentliche Untersuchung war also nicht problematisch, die Vorbereitung aber schon!

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Foto: Darmkrebs - Frühe Erkennung als Lebensretter (Foto: CLIPAREA l Custom media | Shutterstock)