Krankheit, Ursachen, Verbreitung und Diagnose
Gicht

Gelenkschwellungen bei Gicht

Typische Gelenkschwellungen bei fortgeschrittener Gicht (Foto: joloei | Shutterstock)

Die Gicht (auch Gichtarthritis) ist eine Stoffwechselkrankheit, bei der sich Harnsäurekristalle in den Gelenken und deren Umfeld ablagern und Organe krankhaft verändern können. Die Harnsäurekristalle (Urate) entstehen durch eine zu hohe Konzentration von Harnsäure. Dieser liegt ein Ungleichgewicht zwischen Harnsäureproduktion und Harnsäureausscheidung zugrunde. Die Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen aus der Nahrung. Ausgeschieden wird sie zu rund zwei Dritteln über die Nieren – das restliche Drittel wird über den Stuhl ausgeschieden.

Verbreitung und Häufigkeit

Das Lebenszeitrisiko für die Entwicklung einer Gicht beträgt für Männer etwa 3 Prozent – für Frauen liegt es unterhalb der Marke von einem Prozent. Für die Gesamtbevölkerung liegt es etwa bei einem Prozent. Frauen sind deshalb seltener betroffen, weil das weibliche Sexualhormon Östrogen die Harnsäureausscheidung der Nieren steigert. Dieser Effekt schwindet mit den Wechseljahren und der sinkenden Hormonproduktion im Alter.

Altershäufung: Männer erkranken gehäuft im Alter zwischen 40 und 60 Jahren – Frauen im sechsten Lebensjahrzehnt.

Die Ursache der Gicht – ein erhöhter Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) – lässt sich bei etwa 20 bis 25 Prozent der deutschen Bevölkerung nachweisen. Man führt die hohe Rate vor allem auf die westliche Lebensweise mit Überernährung, Bewegungsmangel, hohem Fleischkonsum und Übergewicht zurück.

Ursachen

Die Gicht führt zur Ablagerung von Harnsäure-Kristallen in den Gelenken

Die Gicht führt zur Ablagerung von Harnsäure-Kristallen in den Gelenken (Abb.: Alila Medical Media | Shutterstock)

Die Ursache für eine Gicht ist immer ein zu hoher Harnsäurespiegel. Der kann wiederum verschiedene Ursachen haben.

Der primären Hyperurikämie liegt ein genetischer Defekt zugrunde. Je nach Defekt kommt es zu einer übersteigerten Harnsäureproduktion oder aber – und das ist der mit rund 99% Prozent der Fälle häufigere Fall – zu einer verminderten Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren.

Bei der sekundären Hyperurikämie geht der erhöhte Harnsäurespiegel auf eine andere Grunderkrankung zurück. So leiden bspw. viele Patienten mit einer Leukämie unter Gicht. Auch Patienten mit Nierenfunktionsstörungen tragen ein hohes Gicht-Risiko.

Rund 95 Prozent der Gicht-Patienten leiden unter einer primären Hyperurikämie.

Risikofaktoren

  • Adipositas
  • Alkoholkonsum
  • Anämie
  • Arteriosklerose
  • Bleibelastung
  • Bluthochdruck
  • Chemotherapie im Rahmen einer Krebserkrankung
  • chronische Infektionen
  • dauerhafter Schmerzmittelkonsum
  • Diabetes
  • Diäten (Abbau von Muskelmasse)
  • Fasten
  • familiäre Vorbelastung
  • fleischreiche Ernährung
  • hohe körperliche Belastung
  • hoher Softdrink-Konsum
  • Immunsuppressiva
  • Leukämie
  • Parkinson-Medikamente
  • purinreiche Kost
  • Störungen des Fettstoffwechsels
  • Strahlentherapie im Rahmen einer Krebserkrankung
  • Stress
  • Übergewicht
  • übermäßige Beanspruchung der Muskulatur

Verlauf und Stadien

Füsse eines Gicht-Patienten

Füsse eines Gicht-Patienten (Foto: joloei | Shutterstock)

Stadien der Gicht:

StadiumBezeichnungBeschreibung
IHyperurikämieDer Harnsäurespiegel ist zwar erhöht. Der Patient zeigt aber darüber hinaus keine Symptome. Die Gelenke sind nicht entzündet
IIaktuter GichtanfallDer erste Gichtanfall zeigt sich in der typischen Symptomatik und betrifft zunächst vor allem das Zehen- oder Fußgelenk.
IIIsymptomfreie PhaseZwischen Gichtanfällen liegen längere Phasen völliger Beschwerdefreiheit.
IVchronische GichtWiederkehrende Gichtanfälle mit sich verkürzenden Latenzphasen bis zum Dauerschmerz und fehlendem Abklingen der Symptome.

Krankheitsfolgen und Folgeerkrankungen

Unbehandelt drohen folgende Krankheitsfolgen und Folgeerkrankungen:

  • Dauerschmerz
  • geschädigte oder zerstörter Gelenke
  • geschädigte oder zerstörte Nieren (Schrumpfniere, Nierenversagen)
  • Nierensteine

Ergänzungen und Patientenerfahrungen:

Sebastian Fiebiger: Leidest Du unter Gicht oder hast Du auf andere Weise Kontakt mit dieser Krankheit? Wir freuen uns auf Deinen Erfahrungsbericht! Du hilfst damit auch anderen Lesern.

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Kommentieren? 17.02.2017
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