• Home
  • Magazin
  • Men
  • Blog
  • Style
  • Finanzen
  • Gesundheit
  • Reise
  • Stars
  • Lifestyle
  • Sport
  • Tech
  • Wissen
  • Fragen
Ansteckung, Bilder, Symptome, Behandlung & Dauer

Gürtelrose

Gürtelrose an Bauch und Rücken

Das lesen Sie in diesem Artikel: Was man über die Gürtelrose unbedingt wissen muss: Ist sie ansteckend? Welche Symptome sind typisch? Wie wird sie behandelt und wie lange dauert sie? Mit vielen Bildern der verschiedenen Krankheitsstadien.

Gürtelrose

ICD-10: B02
Kategorie: Infektionskrankheiten
Typ: virale Infektionen
Erreger: Varizella-Zoster-Virus (VZV)
Synonyme: Gürtelrose, Wundrose, Herpes Zoster, Zoster, Kopfrose, Gesichtsrose
Englisch: Shingles

Die Gürtelrose (medizinisch: Herpes Zoster) ist eine Infektionskrankheit, die durch Herpesviren ausgelöst wird. Die meist älteren Patienten, die eine Gürtelrose ausbilden, tragen das Varizella-Zoster-Virus meist seit ihrer Kindheit in sich. In der Kindheit verursacht das Virus die sogenannten „Windpocken“.

Zum Ausbruch in Form eines schmerzhaften, streifenförmigen Ausschlags kommt es vor allem bei einer Schwächung des Immunsystems. Das Virus greift zunächst einen Nerv an (daher die Schmerzen), greift dann auf die umliegende Haut über und verursacht den Ausschlag.

Symptome der Gürtelrose

Die typischen Symptome der Gürtelrose
örtliche begrenzter Hautausschlag
Schmerzen (Brennen, Stechen oder dumpf)
leichtes Fieber
Juckreiz
Hautrötung
Blasenbildung auf der Haut
Müdigkeit
Abgeschlagenheit
Krankheitsgefühl
Hautschwellung
Taubheitsgefühl des betroffenen Hautareals
Kribbeln auf der Haut
Berührungsschmerz (häufig ausstrahlend)
Grippesymptome
Kopfschmerzen
Rückenschmerzen

≡ Inhaltsverzeichnis

Eine Gürtelrose macht sich zunächst mit Schmerzen, Brennen oder einem Juckreiz der betroffenen Körperregion bemerkbar. Erst einige Tage später erreicht das Virus die Haut und löst dort den typischen Hautausschlag in Form von roten Flecken aus. Rasch bilden sich Bläschen, deren Inhalt infektiös ist. Viele Patienten berichten in dieser Phase der Erkrankung über ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit grippeähnlichen Symptomen. Nach einigen Tagen brechen die flüssigkeitsgefüllten Bläschen auf und hinterlassen eine derbe Kruste. Nach einigen Wochen löst sich die Kruste ab.

Der Hautauschlag breitet sich oft entlang eines Nervenstrangs aus und nimmt dann die namensgebende Form eines Gürtels an. Am häufigsten sind Rücken, Brust, Hals und Kopf betroffen.

Gürtelrose Bilder

Verbreitung

Die Gürtelrose ist weit verbreitet. Man schätzt die Zahl der jährlichen Erkrankungen hierzulande auf 300.000 – 400.000. Man geht davon aus, dass rund 98 Prozent der deutschen Bevölkerung über 40 Jahre Träger des auslösenden Virus sind. Das Lebenszeitrisiko eines Ausbruchs der Gürtelrose liegt bei etwa 30 Prozent. Rund drei Viertel der Erkrankten sind beim Ausbruch der Gürtelrose älter als 50 Jahre.

Infektionsrate nach Lebensalter mit Varicella-Zoster-Virus:

2 Jahre: ca. 80 Prozent
14 Jahre: ca. 90 Prozent
Erwachsene: ca. 98 Prozent

Ursachen & Risikofaktoren

Die Ursache einer Gürtelrose ist die Infektion mit dem Varicella-Zoster-Virus. Dieses Virus ist auch der Erreger der „Kinderkrankheit“ Windpocken. Fast jeder erwachsene Mensch ist Träger dieses Virus, das sich im Rahmen einer Windpocken-Erkrankung in den Nervenzellkörpern des Rückenmarks ansiedelt und dort lebenslang verbleibt. Während der Latenzphase, die Jahre, Jahrzehnte oder bis ans Lebensende reichen kann, kommt es zu keiner weiteren Vermehrung der Viren. Die Infizierte ist beschwerdefrei.

Bislang weiß man noch nicht, was die Hemmung der Viren aufhebt. Aber mit fortschreitendem Lebensalter nimmt die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Ausbruchs der Varicella-Zoster-Infektion in Form einer Gürtelrose zu. Die Viren gelangen dann vom Rückenmark erneut zurück in die Haut und lösen dort die [typischen Symptome] der Gürtelrose aus.

Man geht davon aus, dass die Gürtelrose vor allem dann ausbricht, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Dafür gibt es verschiedene Auslöser:

Risikofaktoren:

Folgende Risikofaktoren erhöhen das Risiko eines Gürtelrose-Ausbruchs:

  • Asthma
  • Chemotherapie
  • Einnahme von Immunsuppressiva
  • geschwächtes Immunsystem (HIV/AIDS, genetischer Immundefekt)
  • hohes Lebensalter
  • Infektionskrankheiten
  • Krebserkrankung
  • körperliche Überlastung
  • Neurodermitis
  • psychischer Stress
  • Rheuma-Medikamente
  • hohe Sonnenexposition, Sonnenbrand
  • Trauma

Infektion / Ansteckung

Das Varicella-Zoster-Virus wird durch Tröpfchen- und Schmierinfektion übertragen. Also dadurch, dass man Töpfchen (bspw. durch Husten) aus der Atemluft Infizierter einatmet oder virushaltige Tröpfchen von Gegenständen aufnimmt und anschließend auf die eigenen Schleimhäute überträgt. (typisch: Augenreiben, Popeln, in den Mund fassen)

Das Virus ist außerhalb des Wirtskörpers nur etwa 10 Minuten überlebensfähig.

Diagnose

Die Diagnose wird meist durch reine Inaugenscheinnahme durch den Arzt gestellt. Der durch Herpes Zoster entstehende Hautausschlag mit Bläschenbildung ist recht charakteristisch und kann i.d.R. gut von anderen Erkrankungen der Haut abgegrenzt werden. Bestehen Zweifel, lässt sich das Virus mittels PCR-Test im Inhalt der Bläschen nachweisen.

Differentialdiagnosen

  • Coxsackievirus
  • Herpes Simplex (Ekzema herpeticatum)
  • Rippenfellentzündung (Schmerzgeschehen)

Behandlung & Therapie

Die Therapie bei Gürtelrose besteht aus der Gabe von antiviralen Medikamenten und einer medikamentösen Schmerztherapie. Ein früher Behandlungsbeginn ist entscheidend für den Therapieerfolg. Das gilt nicht nur für die Virostatika, sondern auch für die Schmerzmittel. Eine frühe Schmerztherapie verringert das Risiko eines Dauerschmerzes nach Abklingen der äußeren Symptome.

Kritische Fälle: Beteiligung von Ohren, Augen, Rückenmark und immungeschwächte Patienten

Bei Fällen, in denen bleibende Gesundheitsschäden drohen – etwa wenn die Augen, die Ohren oder das Rückenmark beteiligt sind – wird man die Virostatika intravenös verabreichen, um die Wirkung zu beschleunigen und von der Aufnahme über das Magen-Darm-System unabhängig zu machen. Das gilt auch Patienten mit einer ausgeprägten Immunschwäche – etwa durch HIV, Diabetes oder eine Tumorerkrankung.

Wirksame Schmerztherapie ist zur Meidung chronischer Schmerzen wichtig

Die Schmerztherapie mit herkömmlichen Schmerzmitteln ist einigen Patienten nicht ausreichend, um das Schmerzniveau auf den Bereich zu drücken, der die Lebensqualität nicht mehr erheblich senkt. In solchen Fällen sollte eine Intensivierung der Schmerztherapie mit Opiaten oder lokal wirkenden Schmerzmitteln besprochen werden, um das Risiko chronischer Schmerzen nach dem Abklingen der Infektion zu senken. „Den Helden spielen“ und den Schmerz zu ertragen, zahlt sich an dieser Stelle nicht aus!

Prognose & Heilungschancen

Die Heilungschancen der Gürtelrose sind sehr gut. Bei den allermeisten Patienten heilt sie folgenlos aus und tritt dann nicht erneut auf. Komplikationen drohen bei Patienten, deren Immunsystem geschwächt ist – bspw. HIV/AIDS-Patienten und Patienten, die Immunsuppressiva einnehmen. Hier kann sich die Infektion von der Haut auf innere Organe ausbreiten und damit lebensgefährliche Komplikationen auslösen.

Selten kommt es zu Langzeitfolgen:

  • Entzündung der Nerven: Hörverlust, Geschmacksverlust, Gesichtsmuskellähmung
  • Hirn- und Hirnhautentzündung
  • Keratitis: Entzündung der Hornhaut der Augen. (Erblindung möglich)
  • Narbenbildung der betroffnen Hautregion
  • Pigmentierungsstörung der betroffenen Hautpartie
  • postzosterische Neuralgie: Weiterbestehen von Schmerz- und Missempfindungen nach Therapieende und Abheilen der sichtbaren Hautveränderungen.

Die postzosterische Neuralgie (PZN) trifft etwa 10 Prozent der Gürtelrose-Patienten.

Medikamente

HandelsnameWirkstoffIndikation
AcicAciclovirGürtelrose (Herpes Zoster)
AciclostadAciclovirGürtelrose (Herpes Zoster)
AciclovirAciclovirGürtelrose (Herpes Zoster)
Aciclovir ALAciclovirGürtelrose (Herpes Zoster)
FamvirFamciclovirGürtelrose (Herpes Zoster)
ValtrexValaciclovirGürtelrose (Herpes Zoster)
VirzinAciclovirGürtelrose (Herpes Zoster)
ZostexBrivudinGürtelrose (Herpes Zoster)

Antivirale Medikamente zur Therapie der Gürtelrose werden i.d.R. oral (als Tabletten) verabreicht. In besonders schweren Fällen können sie auch intravenös gegeben werden. Die Medikamente verkürzen die Erkrankungsdauer und senken das Risiko von Folgeschäden.

Impfung

Seit 2013 ist auch in Deutschland ein Impfstoff verfügbar. Er senkt das Risiko einer Erkrankung um etwa die Hälfte. Die Wirksamkeit sinkt mit dem Alter der Geimpften. Bei den über 80-Jährigen beträgt sie nur noch etwa 20 Prozent. Tritt die Erkrankung trotz Impfung auf, verläuft sie i.d.R. milder. Das Risiko für Komplikationen und bleibende Schäden wird deutlich gesenkt.

Impfstoff: Zostavax von MSD Sharp & Dohme (Lebendimpfstoff) – zugelassen ab 50 Jahren

Seit 2018 ist ein neuer Impfstoff gegen Gürtelrose verfügbar. Der Impfstoff ist für Patienten ab 50 Jahren zugelassen und zeigt in allen relevanten Altersgruppen eine hohe Wirksamkeit von über 90 Prozent.

Impfstoff: Shingrix von GlaxoSmithKline (Totimpfstoff) – zugelassen ab 50 Jahren

Windpockenimpfung als Gürtelrose-Schutz

Die gegen Windpocken verfügbare Schutzimpfung bietet auch einen gewissen Schutz gegen die Gürtelrose. Geimpfte Personen haben ein deutlich reduziertes Risiko, später an einer Gürtelrose zu erkranken. Was für den einzelnen Patienten eine tolle Sache ist, zeigt in der Gesamtbevölkerung allerdings auch negative Effekte.

Eine hohe Windpocken-Impfrate sorgt dafür, dass Erwachsene seltener mit dem Virus in Kontakt treten. Man weiß aber aus der Forschung, dass erwachsener Kontakt zu an Windpocken erkrankten Kindern das Gürtelrosen-Risiko senkt. Natürlich nur, wenn der Erwachsene bereits Virusträger ist. Das ist – aufgrund der aktuell hohen Durchseuchungsrate der Bevölkerung – aber sehr wahrscheinlich.

Außerdem ist eine hohe Impfrate nachteilig für die ungeimpften Kinder. Die erkranken nämlich dadurch deutlich später an Windpocken und die Verläufe später Windpocken sind meist erheblich schwerer.

Diesem Zwiespalt haben sich deutsche Forschung um Dr. Johannes Horn vom Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) gewidmet. Das von der Ständigen Impfkommission (STIKO) in Auftrag gegebene Projekt kommt zu folgendem Ergebnis:

„Wir haben festgestellt, dass der diskutierte indirekte Effekt der Windpockenimpfung auf die Gürtelrose zwar kurz- bis mittelfristig eintreten kann, langfristig aber die positiven Effekte überwiegen. So kann es für circa 30 Jahre zu einer Erhöhung der Fälle von Gürtelrose kommen, langfristig werden die Erkrankungszahlen jedoch deutlich fallen“ (Dr. Johannes Horn)

Fragen & Antworten

Ist die Gürtelrose ansteckend?

Ja, aber die Ansteckungsgefahr ist sehr gering. Infektiös ist nur der Inhalt der Hautbläschen. Der Kontakt damit sollte also gemieden werden. Gefährdet sind aber ohnehin nur Personen, die noch nicht mit dem Varicella-Zoster-Virus infiziert sind – also noch keine Windpocken durchgemacht haben. Infizieren sie sich erstmal, manifestiert sich die Infektion in der typischen Windpocken-Symptomatik – auch wenn die Betroffenen bereits erwachsen sind.

Die Durchseuchungsrate der Bevölkerung mit dem Varicella-Zoster-Virus ist so hoch, dass Ansteckungen durch eine Gürtelrose im Erwachsenenalter kaum eine Rolle spielen.

Wie lange besteht die Ansteckungsgefahr?

Ist eine Person an Gürtelrose erkrankt, hält die Ansteckungsgefahr vom ersten Auftreten von Hautbläschen bis zu deren Abheilen vor. In der Regel beträgt die Zeitspanne der Infektiosität etwa eine Woche.

Was tun wenn Symptome auftreten?

Wer den Verdacht hat, unter einer Gürtelrose zu leiden, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Der Allgemeinmediziner oder der Hautarzt sind hierfür die richtigen Ansprechpartner.

Die Gürtelrose sollte frühzeitig behandelt werden, um das Risiko bleibender Nervenschäden zu reduzieren. Im Bereich der Sinnesorgane ist besondere Vorsicht geboten. Eine Gürtelrose in der Nähe der Augen kann zur Erblindung führen. Auch in Ohrnähe sind gefährliche Komplikationen möglich. (Verlust des Hörsinns / Gleichgewichtsstörungen)

Behandelt wird mit antiviralen Medikamenten. Symptomatisch wird oft zusätzlich ein Schmerzmedikament verabreicht.

So dringend ist die Behandlung:

Wie dringend die frühe Behandlung durch einen Arzt ist, beschreibt Hautarzt Professor Gerd Gross von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft in der Apotheken Umschau: Der Experte rät dazu beim Auftreten von Symptomen am Wochenende nicht bis Montag zu warten, sondern sofort ins Krankenhaus zu fahren und mit der Therapie zu beginnen. Die gewonnenen Stunden oder Tage können dafür sorgen, dass dem Patienten jahrelange Dauerschmerzen (Post-Zoster-Neuralgie) erspart bleiben.

Wie lange dauert die Erkrankung?

Mit drei bis vier Wochen muss man rechnen, bis die Gürtelrose vollständig abgeheilt ist. Tritt die sogenannte postherpetische Neuralgie (PZN) auf, können die Schmerzen noch Monate nach dem Abheilen der äußeren Entzündung anhalten.

Wo tritt der typische Ausschlag der Gürtelrose auf?

LokalisationBezeichnung
BlutsystemZoster Disseminatus
Gehörgang und OhrmuschelnZoster Oticus
GenitalienZoster Genitalis
Gesicht und AugenZoster Ophtalmicus
NervensystemZoster Generalisatus
RückenmarkZoster Myelitis

Bei etwa der Hälfte der Patienten tritt die Gürtelrose am Oberkörper auf. Bei einem Fünftel ist der Kopfbereich betroffen. Auch an den Beinen kann der typische Bläschenbefall auftreten.

Saisonalität: Gibt es eine typische Jahreszeit für die Gürtelrose?

Die Gürtelrose tritt gehäuft im Sommer auf. Mediziner führen das auf Stressfaktoren zurück, die sich gegen das Immunsystem richten und es schwächen. So geht man davon aus, dass die verstärkte Sonnenbestrahlung der Haut umfangreiche Reparaturmaßnahmen in Gang setzen, die das Immunsystem beschäftigen.

Dazu kommen häufig Reisestress, körperliche Belastung durch Hitze, Schlafmangel sowie Ozon und andere Luftschadstoffe, die für die Sommermonate typisch sind.

Wie lassen sich Schmerzen durch die Gürtelrose verhindern?

Neuropathische Schmerzen sind die bedeutendste Langzeitfolge der Gürtelrose. Die stechenden, bohrenden Dauer- oder Berührungsschmerzen halten oft noch Monate oder sogar Jahre nach Abheilen der Hautveränderung an und setzen die Patienten unter einen hohen Leidensdruck.

Die Behandlung mit antiviralen Medikamenten (Virustatika) senkt zwar das Risiko für diese Folgeerscheinung, kann es aber nicht vollständig eliminieren. Auch mit Virustatika-Behandlung entwickeln rund 20 Prozent der über 50-Jährigen, 50 Prozent der über 60-Jährigen und 75 Prozent der über 70-Jährigen eine Postzoster-Neuralgie.

Wirksam verhindern lässt sich das Schmerzgeschehen, das zu einer erheblichen Minderung der Lebensqualität führen kann, nur mit der inzwischen verfügbaren Schutzimpfung gegen die Gürtelrose. Die Impfung wird Personen ab dem 50. Lebensjahr empfohlen.

Warum bleiben Herpes-Viren so lange im Körper?

Herpes-Viren, die für Krankheiten wie die Gürtelrose und das Pfeiffersche Drüsenfieber auslösend sind, haben erstaunliche Fähigkeiten. Das gesunde Immunsystem ist zwar in der Lage, sie an der Vermehrung und Ausbreitung zu hindern, sie können sich aber jahrzehntelang im menschlichen Körper verstecken.

Beim Verstecken helfen ihnen sogenannte Immun-Evasine, deren genaue Funktionsweise lange Zeit unbekannt war. Eine Arbeitsgruppe des deutschen Forschers Dr. Sebastian Springer – Professor für Biochemie und Zellbiologie an der Jacobs University Bremen – hat inzwischen allerdings Licht in das Dunkel gebracht.

Befallen Herpesviren eine Zelle, gelangen bestimmte Proteine (MHC-I) an die Oberfläche der befallenen Zelle und markieren sie so für das Immunsystem. Herpesviren (MCMV) verhindern aber den Transport des „Warnproteins“ an die Zelloberfläche. Dazu bedienen sie sich des Immun-Evasins gp40.

„Man kann es sich so vorstellen, dass sich der gp40-Faktor mit einer Hand an einem festen Haltepunkt im Zellinneren festhält und mit der anderen Hand das MHC-I-Protein greift. Dadurch kann dieses seinen Weg an die Zelloberfläche nicht mehr gehen.“ erklärt Dr. Springer die Arbeitsweise von gp40.

News & Updates

Schmerzlinderung durch Chili & Capsaicin

Der scharfe Bestandteil von Chili (Capsaicin) kann die Nervenfunktion vorübergehend lahmlegen. Diese Wirkung macht man sich in Salben zur Schmerzlinderung der Gürtelrose zu nutze.

Impfstoff

Die europäische Union hat den ersten Impfstoff gegen Gürtelrose zugelassen. Eine Studie an knapp 39.000 Teilnehmern im Alter von über 60 Jahren ergab eine Schutzwirkung von über 50 Prozent.

Neuer Impfstoff mit höherer Wirksamkeit

Seit Mai 2018 ist ein neuer Impfstoff für Menschen ab 50 Jahren zugelassen. Die Schutzimpfung gegen Gürtelrose konnte in klinischen Studien eine hohe Wirksamkeit belegen. Die Studien mit mehr als 38.000 Teilnehmern ergaben eine Wirksamkeit von über 90 Prozent. Die Wirksamkeit hielt über den Studienzeitraum (bislang vier Jahre) an und wird fortlaufend analysiert.

Es gibt – Stand Juli 2018 – für die Impfung noch keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO). Krankenkassen müssen daher die Kosten der Impfung nicht übernehmen. Einige Kassen tun das allerdings freiwillig.

Als häufigste Nebenwirkungen der Schutzimpfung nennt der Hersteller GlaxoSmithKline Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle sowie Muskelschmerzen, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Die meisten dieser Impfreaktionen verschwanden jedoch innerhalb weniger Tage.

Hintergrund: Etwa 99,5 Prozent der Menschen über 50 Jahren sind mit dem Windpocken-Virus Varizella-Zoster infiziert, das auch die Gürtelrose auslöst. Das Virus wird nach dem Auftreten von Windpocken durch das Immunsystem „in Schach gehalten“. Im Alter – mit nachlassender Aktivität des Immunsystems – kann sich das Virus jedoch erneut ausbreiten und die Gürtelrose auslösen. Rund zwei Drittel der Gürtelrose-Patienten sind über 50 Jahre alt.

Zusammenfassung

Die Gürtelrose ist eine Infektionskrankheit, deren Erreger im Rahmen der Kinderkrankheit Windpocken in den menschlichen Körper gelangt. Dort verbleibt er lebenslang bis die Infektion im Erwachsenenalter erneut ausbrechen und sich als Gürtelrose manifestieren kann.

Sie zeigt sich dann in dem typischen Ausschlag mit zunächst roten Flecken, aus denen sich im weiteren Verlauf Bläschen mit einer hoch infektiösen Flüssigkeit bilden. Später brechen die Bläschen auf und verkrusten.

Literatur und Quellen

Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen

Autoren: Dr. med. Susanne Andrae, Dr. med. Peter Avelini, Melanie Berg M.A., Dr. med. Ingo Blank, Dr. med. Annelie Burk, Anette Dierolf, Prof. Dr. med Gerhard Dockter, Chiara Dold, Momo Evers M.A., Roland Fath, Hennrike Fixl, Sigrid Flüeck, Dr. Berthold Gehrke, Martina Gießen-Schneidel, Univ.-Prof. Dr. med. Norbert Graf, Dr. med. Renate Häfner, Dr. med. Raoul M. Hecker, Prof. Dr. med. Wolfram Henn, Prof. Dr. med. Christian Jassoy, Cornelia Kampe, Univ. Prof. Dr. med. Reinold Kerbl, Dr. med. Thomas Meißner, Prof. Dr. med. Reinhard Roos, Helmut Schneider, Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Schwarzkopf, Silja Schwencke, Katarina Sebekova, Xaver Skibbe, Prof. Dr. med. Dr. h.c. Jürgen Sökeland, Dr. Karin Steinhage, Regina Toth, Dr. med. Dominik von Hayek, Dr. med. Peter M. Wehmeier, Dr. med. Felicitas Witte, Prof. Dr. med. Siegfried Zabransky, Dr. med. Dietmar Zinßer
Verlag: Georg Thieme Verlag KG
Erscheinungsjahr: 2006
ISBN: 978-3-13-142961-2, 3-13-142961-5
Seiten: 397, 398 (Herpes Zoster / Gürtelrose)

Neuropathische Schmerzen nach „Gürtelrose“ – Prävention nur durch Impfung möglich

Publikation: hautnah, 2015, Vol.14(1), pp.7-7
Erwähnte Experten: Prim. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar
ISSN: 1866-2250
E-ISSN: 2192-6484
DOI: 10.1007/s12326-015-0158-0

Gürtelrose: Verbunden für’s Leben

Autor: Univ.-Prof. Dr. Rainer Kunstfeld
Publikation: CME, 2015, Vol.12(1), pp.20-20
Verlag: Springer-Verlag
ISSN: 1614-371X
DOI: 10.1007/s11298-015-1128-9

Studien

Herpes Zoster erhöht das Rsiiko für Schlafanfall und Herzinfarkt

Autoren: Min-Chul Kim, Sung-Cheol Yun, Han-Bin Lee, Pil Hyung Lee, Seung-Whan Lee, Sang-Ho Choi, Yang Soo Kim, Jun Hee Woo, Sung-Han Kim und Sun U. Kwon
Quelle: Journal of the American College of Cardiology / DOI: 10.1016/j.jacc.2017.05.015

Herpes Zoster Risiko bei Patienten mit Vorerkrankungen

Erkenntnis: Patienten mit Diabetes Mellitus, Niereninsuffizienz und verschiedenen Krebsarten haben ein erhöhtes Risiko, an Gürtelrose zu erkranken. (1.8 – 8.4 fach erhöht)
Autoren: A. Hata, M. Kuniyoshi, Y. Ohkusa
Quelle: Infection December 2011, Volume 39, Issue 6, pp 537–544 DOI: 10.1007/s15010-011-0162-0

Aktuelle und zukünftige Auswirkungen der Varizella- und Herpes-Zoster-Impfung in Deutschland – Erkenntnisse aus einem mathematischen Modell in einem Land mit universeller Varicella-Impfung

Autoren: Dr. Johannes Horn , Prof. Dr. André Karch , Oliver Damm , DR. M.E.E. Mirjam E Kretzschmar , Dr. Anette Siedler , Dr. Bernhard Ultsch , Dr. rer. nat., Dipl.-Math. Felix Weidemann , PD Dr. Ole Wichmann, Prof. Dr. Hartmut Hengel, Prof. Dr. Wolfgang Greiner , Prof. Dr. Rafael T Mikolajczyk
DOI: 10.1080/21645515.2015.1135279
URL: http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/21645515.2015.1135279

Experten

Im Artikel erwähnte Forscher und Experten:

  • Prof. Dr. Sebastian Springer – Jacobs University Bremen
  • Prof. Dr. Gerd Gross – Deutsche – Dermatologische Gesellschaft
  • Dr. Johannes Horn – Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung

Patientenerfahrungen & Ergänzungen

Autor Dipl.-W.Inf. Sebastian Fiebiger MedizinjournalistDipl.-W.Inf. Sebastian Fiebiger
Medizinjournalist

Leidest Du unter Gürtelrose oder hast Du auf andere Weise Bekanntschaft mit dieser Erkrankung gemacht? Dann schreib uns Deine Erfahrungen! Du hilfst damit auch anderen Lesern.

Weißt Du etwas über die Gürtelrose, das hier fehlt? Du hilfst uns und anderen Lesern, wenn Du Deine Ergänzungen unter diesem Artikel in die Kommentare postest. Das funktioniert auch ganz ohne lästige Anmeldung.

4 Kommentare 05.04.2019 Wichtige Hinweise
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
4,74 von 1-523 Stimmen
Loading...

Weitere Artikel zum Thema:
Kommentare:
Diskutieren, Fragen & Erfahrungsaustausch:
Zu diesem Beitrag gibt es schon 4 Kommentare. Diskutiere mit!
  • 🕝 Kaede Shirakawa

    Die Herpes-Zoster-Viere ist auf dem Wege der Schmierinfektion, direkter Kontakt mit dem Bläschensekret, ansteckend. Selbst nach dem Abklingen der Erkrankung verbleiben die Vieren angedockt an den Ganglien (Nervenknoten) im Körper. Durch verschmieren des Sekretes auf gesunde Hautpartien kann es erneut zu Ansteckungen kommen. Die Vieren lagern sich immer nur entlang eines Nervenstrangs an. Also auch Menschen, die bereits Windpocken oder Gürtelrose hatten, können sich erneut anstecken. Die Krankheitsverläufe sind dann nicht so intensiv und weniger schmerzhaft.

  • 🕝 Anonymous

    Habe 2000, genau zum Millennium eine Kopfgürtelrose gehabt, 8 Tage am Tropf im Krankenhaus gelegen, nun nach fast 20 Jahren leide ich seit gut 10 Wochen wieder unter
    ein unangenehmes Jucken auf der Kopfhaut und manchmal auch am oberen Körperbereich. War beim Hautarzt der mir eine Lösung “ Beta Galen“ verschrieben hat,und „Prednisolon Al “ was aber keine Linderung bringt. Der Arzt an Hand seiner Unterlagen fest stellte, das ich
    genau vor fünf Jahren mit den gleichen Symptomen bei ihm war.
    Habe auch Beulen am Hinterkopf die oftmals sehr jucken.
    Was kann ich tun um die Sache im Griff zu bekommen?
    Bin 80 Jahre, was können sie mir raten?

  • 🕝 Anonymous

    Ich hatte vor 8 Wochen eine Gürtelrose. Nun hatte ich 4 Wochen keinen Ausschlag und bekam gegen die Schmerzen morphium Tropfen.
    Nun kamen stärkere Schmerzen und nach 3 Tagen erneut Ausschlag an der gleichen Stelle. Nun wurde blut abgenommen und es kam raus das keine Viren nachgewiesen werden können.

    Kann das sein weil die erste Infektion mit zostex behandelt wurde das daher das blut ok ist? Welche Erkrankung soll das sonst sein?

  • 🕝 Anonymous

    Bekomme seit einiger Zeit zwischen Taille und Gesäß 1 Eurostück grosse Bläschen die jucken und brennen und mit Flüssigkeit gefüllt sind. Dazu Schmerzen von der Hüfte bis in die Oberschenkel. Kann das eine wiederkehrende Gürtelrose sein?

Dein Kommentar:
« Nasenspray süchtig – Was tun gegen die Abhängigkeit?
» Norovirus

Foto: Gürtelrose an Bauch und Rücken (Foto: Anukool Manoton | Shutterstock)