Ursachen, Behandlung und Ertasten
Hodenkrebs

Hodenkrebs ist heute gut behandelbar

Hodenkrebs ist heute gut behandelbar (Foto: Africa Studio | Shutterstock)

Hodenkrebs ist eine bösartige Tumorerkrankung des männlichen Hodens. Das Hodenkarzinom ist mit nur rund 4.000 Fällen pro Jahr in Deutschland eine eher seltene Krebserkrankung. Im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen trifft sie vor allem junge Männer zwischen 20 und 40 Jahren. Als Risikofaktoren gelten Hodenhochstand, durchgemachte Hodenentzündungen und eine überdurchschnittliche Körpergröße.

Kategorisierung:

Hodenkrebs
Synonyme: Hodenkarzinom, Hodenseminom, Keimzelltumor
Kategorie: Krebserkrankungen
ICD-10: C61.1 und C62.9 (Hodenseminom)

Verbreitung

Hodenkrebs gehört mit einem Anteil von rund 1,6 Prozent an allen Krebs-Neuerkrankungen zu den eher seltenen Krebsarten. Rund 4.000 Hodenkrebs-Diagnosen werden in Deutschland jährlich gestellt. Im Gegensatz zu den meisten Krebserkrankungen, deren Erkrankungshäufigkeit im Alter stark ansteigt, trifft Hodenkrebs vor allem junge Männer unter 40 Jahren. In der Altersgruppe zwischen 20 und Jahren ist Hodenkrebs die häufigste Krebserkrankung. Zwischen 20 und 30 Prozent aller Krebsdiagnosen in diesem Altersfenster sind Hodenkrebs-Diagnosen.

Die Erkrankungsrate steigt in den westlichen Ländern seit Jahren kontinuierlich an. Die Ursache für den Anstieg ist noch nicht identifiziert, wird aber in der veränderten Lebensweise vermutet.

Durchschnittsalter bei Erkrankung

Das Durchschnittsalter bei Neuerkrankungen liegt für die Seminome bei etwa 37 Jahren und für die Nicht-Seminome bei etwa 27 Jahren.

Typen

  • Seminome (ca. 65 Prozent der Erkrankungen) – bilden sich aus unreifen Keimzellen oder Spermatozyten
  • Nicht-Seminome (ca. 35 Prozent)

Ursachen & Risikofaktoren

Die Ursachen von Hodenkrebs sind – trotz intensiver Forschung – noch nicht klar definierbar. Es gibt aber bestimmte Risikofaktoren, die die Entstehung von Hodenkrebs zu begünstigen scheinen:

  • Entzündungen des Hodens
  • familiäre Vorbelastung
  • Frühpubertät
  • genetische Faktoren
  • Hodenhochstand in der Kindheit
  • Pflanzenschutzmittel-Exposition
  • Schwermetall-Exposition
  • überdurchschnittliche Körpergröße

Auch bestimmte Verhaltensweisen – wie das Tragen zu enger Hosen, Reiten oder häufiges Radfahren – stehen immer wieder in Verdacht, das Risiko für eine Hodenkrebs-Erkrankung zu erhöhen. Wissenschaftliche Belege gibt es dafür bislang aber nicht.

Das Hodenkrebs-Risiko bei Patienten mit Hodenhochstand ist um das 10-fache erhöht – selbst dann, wenn dieser schon im Kindesalter operativ behoben wurde. Wurde der Hodenhochstand nicht behoben, gilt heute die Empfehlung, den hochstehenden Hoden prophylaktisch zu entfernen.

Eine Häufung von Hodenkrebs-Fällen hat man in Dänemark beobachtet. Die Ursache dafür konnte bislang nicht ermittelt werden.

Hodenkrebs

Hodenkrebs – Schematische Darstellung (Abb. joshya | Shutterstock)

Behandlung & Therapie

Ist die Diagnose Hodenkrebs durch eine Biopsie und anschließende Histologie sichergestellt, wird der betroffene Hoden i.d.R. entfernt. Diese Operation nennt man Orchidektomie. Im Rahmen dieser wird auch der zweite Hoden biopsiert, um einen Krebsbefall ausschließen zu können. Die Operation dauert rund eine Stunde und wird stationär durchgeführt. Der Patient kann – wenn keine Komplikationen vorliegen – das Krankenhaus bereits nach wenigen Tagen wieder verlassen.

Suche nach Metastasen

Nach der Entfernung des Hodens gilt es zu prüfen, ob der Hodenkrebs bereits in andere Organe – etwa des Bauchraumes – gestreut hat. Auch Metastasen (Tochtergeschwüre) im Gehirn sind ggf. auszuschließen. Zur Suche nach Metastasen kommen bildgebende Verfahren wie MRT, CT und Szintigrafie zum Einsatz.

Operative Entfernung von Metastasen und Lymphknoten

Das Stadium der Erkrankung entscheidet über die weitere Therapie. Metastasen werden – soweit möglich – ebenfalls operativ entfernt. Meist werden auch Lymphknoten im Umkreis um den Tumor prophylaktisch entfernt.

Chemotherapie und Bestrahlung

Die weitere Behandlung hängt von der Art des Tumors ab. Seminome sprechen gut auf die Strahlentherapie an, weshalb in vielen Fällen vorsorglich der Bauchraum bestrahlt wird. Bei Nicht-Seminomen hat sich die Strahlentherapie nicht bewährt. Bei beiden Tumorarten kommen moderne Chemotherapeutika zum Einsatz.

In frühen Stadien wird häufig nur operiert und anschließend engmaschig überwacht.

Lebenserwartung, Heilung & Prognose

Hodenkrebs gehört zu den gut behandelbaren Krebserkrankungen. Die Heilungsraten sind – vor allem in den frühen Stadien – sehr gut. Moderne Chemotherapien haben aber selbst dann noch gute Erfolgsquoten, wenn die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist und sich Fernmetastasen gebildet haben.

Bei Seminomen beträgt die Heilungsrate zwischen 80 und 100 Prozent – bei Nicht-Seminomen je nach Stadium zwischen 50 und 100 Prozent.

Aus 2008 gibt es eine Erhebung der IARC (International Agency for Research on Cancer) derzufolge 210 Männer in diesem Jahr an Hodenkrebs gestorben sind. Das macht nur etwa zwei Tausendstel aller männlichen Krebstoten aus.

Sterbens- und Überlebensraten

5-Jahres-Überlebensrate: 96 Prozent
10-Jahres-Überlebensrate: 95 Prozent
Sterberate: 0,0004 Prozent (Gesamtbevölkerung)
Erkrankungsrate: 0,01 Prozent (Gesamtbevölkerung)

Medikamente / Chemotherapie

In der Regel kommt heute die Wirkstoffkombination PEB zum Einsatz:

P = Cisplatin
E = Etoposid
B = Bleomycin

Bleomycin kann durch Ifosfamid ersetzt werden, um die Lungenfunktion – etwa bei Berufssportlern – zu schonen, die durch Bleomycin negativ beeinträchtigt wird.

Nebenwirkungen der Chemotherapie:

  • Appetitverlust
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Gefühlsstörungen in den Gliedmaßen
  • Haarausfall
  • Hautveränderungen
  • Höhrminderung
  • Störungen des Geschmackssinns
  • verminderte Blutgerinnung
  • verminderte körperliche Leistungsfähigkeit
  • verminderte Lungenfunktion
  • verminderte Nierenfunktion
  • Verlust der Zeugungsfähigkeit
  • Übelkeit

Folgen

Wurde im Rahmen einer Operation ein Hoden entfernt, hat das kaum Auswirkungen auf die Lebensqualität. Eine Hormonersatztherapie wird i.d.R. erst dann nötig, wenn beide Hoden entfernt werden mussten. Das ist nur bei etwa fünf Prozent der Hodenkrebs-Patienten der Fall.

Wichtig ist, dass der Patient alle Nachsorgetermine einhält, um im Fall von auftretenden Rezidiven schnell reagieren zu können. Diese sind bei Hodenkrebs allerdings relativ selten. Im Rahmen der Nachsorge wird der verbliebene Hoden per Ultraschall untersucht, die Tumormarker im Blut erhoben und ggf. mittels Bildgebung der Bauchraum, die Lunge und das Hirn auf Metastasen untersucht.

Patienten, die sich aus ästhetischen Gründen am fehlenden Hoden stören, können mit einer Hodenprothese versorgt werden. Die besteht aus einem Silikonkissen, das in Größe und Form dem verbliebenen Hoden angepasst werden kann. Die Hodenprothese ist funktionslos, stellt aber den haptischen Eindruck vor der Operation wieder her.

Vorsorge

Für Hodenkrebs gibt es im Moment kein ärztliches Screening. Männer sind daher auf eine Selbstuntersuchung angewiesen, die Erwachsenen halbjährlich empfohlen wird. Dabei wird der Hoden in entspannter Haltung – beim Baden oder Duschen – vorsichtig auf Auffälligkeiten abgetastet. Dabei sollte jeder Hoden einzeln abgetastet und auf folgende Auffälligkeiten geachtet werden:

  • Größenveränderungen
  • Schwellungen oder Verhärtungen
  • Unterschiede zwischen beiden Hoden

Bei auftretenden Auffälligkeiten, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Gleiches gilt, wenn eines oder mehrere der typischen Hodenkrebs-Symtpome auftreten. Der Urologe ist der richtige Ansprechpartner für Erkrankungen des Hodens.

Fragen und Antworten

Kann ich auch mit Hodenkrebs noch Kinder bekommen?

In den meisten Fällen lautet die Antwort auf diese Frage: Ja! Zwar wird die Spermaqualität durch die Behandlungen im Rahmen einer Hodenkrebs-Therapie gemindert. In der Regel sind die Patienten aber innerhalb von zwei Jahren nach der Behandlung wieder zeugungsfähig.

Da es dennoch zu einer dauerhaften Schädigung des samenbildenden Systems kommen kann, sollten Männer mit Kinderwunsch vorsorgen. Sperma lässt sich vor der Behandlung des Tumors konservieren und bei einer Samenbank für eine künftige Kinderwunsch-Behandlung einlagern.

In den ersten zwei Jahren nach der Tumorbehandlung sollte verhütet werden, da die eingesetzten Therapiemittel des Erbgut temporär verändern können und somit das Risiko für Fehlgeburten und Fehlbildungen des Babys erhöhen. Während der Chemotherapie sollte mit Kondomen verhütet werden, da die Chemotherapeutika die empfindlichen Schleimhäute der Partnerin schädigen können.

Sollte ich mir vor der Operation eine zweite Meinung einholen?

Untersuchungen haben ergeben, dass eine Zweitmeinung bei Hodenkrebs zu einer deutlich verbesserten Therapie und damit auch zu größeren Behandlungserfolgen führt. Mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe wurde daher ein Netzwerk für die schnelle Einholung von Zweitmeinungen eingerichtet.1

Der behandelnde Arzt kann dort die diagnostischen Unterlagen einreichen und damit die Meinung eines spezialisierten Kollegen einholen. Das wird heute schon bei etwas einem Viertel der Hodenkrebs-Fälle gemacht.

Prominente Hodenkrebspatienten

Es gibt einige bekannte Persönlichkeiten, die sich öffentlich zu ihrer Hodenkrebs-Erkrankung bekannt haben:

  • Ivan Basso (Profi-Radrennfahrer)
  • Lance Armstrong (Profi-Radrennfahrer)
  • Marco Russ (Prof-Fußballer)

Sebastian Fiebiger: Bist Du an Hodenkrebs erkrankt oder hast Du auf andere Weise Kontakt mit dieser Krankheit? Schreib uns Deine Erfahrungen und Gedanken. Wir freuen uns über Erfahrungsberichte – Du hilfst damit vor allem auch anderen Betroffenen.

Du weißt etwas über den Hodenkrebs, das hier fehlt und dringend ergänzt werden sollte? Dann schreib uns! Das geht direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren und funktioniert auch ganz ohne lästige Anmeldung.

Links und Quellen

1 Zweitmeinungsprojekt der Deutschen Hodentumor Studiengruppe (GTCSG)

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