Symptome und Anzeichen der Milchzuckerunverträglichkeit
Laktoseintoleranz

Bauchschmerzen als Leitsymptome der Laktoseintoleranz

Bauchschmerzen als Leitsymptome der Laktoseintoleranz (Foto: gstockstudio | Bigstock)

Weil die Symptome einer Laktoseintoleranz – also einer Milchzuckerunverträglichkeit – oft sehr unspezifisch sind, tun viele Leute sie als harmlose Bagatellerscheinung ab. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Enzymmangelerkrankung, die im Laufe der Zeit zu immer größeren Verdauungsproblemen führen kann. Deshalb sollte schon bei ersten, gehäuft auftretenden Symptomen, hinter denen eine Laktoseintoleranz stecken könnte, eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Laktoseintoleranz Symptome

Die typischen Anzeichen der Milchzuckerunverträglichkeit
Blähungen
Blähbauch
Bauchschmerzen
Bauchkrämpfe
Darmgeräusche
Bauchschmerzen
Durchfall
Übelkeit
Völlegefühl
schmerzhafter Stuhldrang
Erbrechen
Schmerzen beim Stuhlgang
Verstopfung (Obstipation)
Koliken
breiiger Stuhl
häufiges Aufstoßen
erhöhte Stuhlhäufigkeit
Abgeschlagenheit
Konzentrationsstörungen
Herzklopfen
Muskelschmerzen
Gelenkschmerzen
kalter Schweiß
Nervosität
schnelle Erschöpfbarkeit
Akne
Schlafstörungen
chronische Müdigkeit
innere Unruhe
Schwindel
Kopfschmerzen
Hinweis: Weltweit ist die Laktoseintoleranz zwar mit einer Verbreitung von 75 Prozent ein recht häufiges Problem. In Deutschland sind aber nur 5 bis 15 Prozent der Menschen laktoseintolerant. In Asien und Afrika „leiden“ dagegen über 90 Prozent der Menschen an Laktoseintoleranz.

Laktoseintoleranz Symptome im Detail

Ein mit einem Schuss Milch zubereiteter Kartoffelbrei, dazu Rahmgemüse mit Wiener Würstchen – das ist doch ein gesundes, leckeres und leichtes Mittagessen? Wie kann da nach kurzer Zeit plötzlich der Verdauungsapparat rebellieren? Blähungen und Bauchkrämpfe, Rumoren im Bauch, was soll das bedeuten? Diese Symptome könnten auf eine Laktoseintoleranz hinweisen. Wer zum Beispiel nach dem Genuss eines Eisbechers mit Sahne eine halbe bis zwei Stunden später solche Symptome zeigt oder gar noch über Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall klagt, sollte an eine Milchzuckerunverträglichkeit denken.

Leider treten auch weniger spezifische Beschwerden wie Kopfschmerz oder Schwindel als erste Anzeichen einer Unverträglichkeit gegen Milchzucker auf. Da heißt es dann, die Symptomatik über einen längeren Zeitraum beobachten. Vorsicht auch, wenn nach dem Genuss von Fertiggerichten wie Suppen oder Soßen, solche Symptome und Darmstörungen zu beobachten sind. In Fertiggerichten ist oft viel Milchzucker enthalten, deshalb kommt es beispielsweise gelegentlich nach dem Essen von Gebäck aus dem Supermarkt zu Blähungen und Bauchschmerzen. Je höher der Laktose Gehalt in einem Getränk oder in einer Speise ist, desto stärker sind erfahrungsgemäß danach die Symptome, die auf eine dann wahrscheinlich vorliegende Milchzuckerunverträglichkeit hinweisen.

Typisch für eine Laktoseintoleranz sind vermehrte Darmbewegung, Bauchschmerzen und -krämpfe, Blähungen und in Extremfällen chronischer Durchfall. Die Symptome verschlimmern sich mit gesteigerter Aufnahme von Milchzucker, klingen danach aber schnell wieder ab. Ob auf die Aufnahme von Milchzucker ganz verzichtet werden muss hängt davon ab, wie schwer die Symptome ausgebildet sind oder ob eine Nahrungsumstellung nicht bereits ausreicht. Es ist jedoch meist kein Problem sich laktosefrei zu ernähren, da viele Milchprodukte wie Käse und Yoghurt durch die Weiterverarbeitung nur sehr wenige Mengen Milchzucker enthalten. Lediglich auf Kuhmilch muss verzichtet oder auf laktosefreie -L-Milch ausgewichen werden. Wesentlich schwerwiegender ist eine primäre Laktoseintoleranz, da Säuglinge eine hohe Konzentration an Kalzium und Einfachzucker zur Entwicklung benötigen und später selbst geringe Aufnahmen von Milchzucker bereits zu starken Symptomen führen.

Strukturformel der Laktose

Strukturformel der Laktose (Abb. logos2012 | Bigstock)

Laktoseintoleranz

Bei einer Laktoseintoleranz ist der Körper nicht in der Lage, den von Säugetieren stammenden Milchzucker direkt in verwertbare Stoffe, wie Galaktose und Glukose zu spalten, sondern erst im Dickdarm über die Darmschleimhäute und Fäulnisbakterien vergoren und damit dem Kreislauf zugeführt.

Je nach Art und Ausprägung wird die Laktoseintoleranz zwischen „primär“ und „sekundär“ unterschieden, wobei die Primäre Laktoseintoleranz eine schwere Stoffwechselerkrankung darstellt, während die sekundäre nur einen natürlichen Verlust der Laktatbildung hervorruft.

Ausbildung des Enzyms Laktat

Bei Säuglingen wird der langkettige Doppelzucker aus der Milch in kürzere Einzelzucker aufgespalten, um den Körper mit ausreichend Energie zu versorgen. Dafür benötigt er das Enzym Laktat, dessen Produktion auf natürliche Weise mit der Gewöhnung an feste Nahrung zurückgeschraubt wird. Danach kann Milchzucker zwar noch über den Dickdarm vergoren werden, führt aber zu starker Gasbildung. Erst durch die langjährige agrarwirtschaftliche Nutzung der Kuhmilch wurde ein bestimmtes Gen so adaptiert, dass auch bis ins hohe Alter noch genügend Laktat produziert wird. Dies ist vor allem in Europa und bei der hellhäutigen Bevölkerung Amerikas der Fall. In den restlichen Teilen der Erde, vor allem in Asien, ist Laktosetoleranz bis heute eine Ausnahme.

Laktoseintoleranz diagnostizieren

Wer öfter über Verdauungsprobleme nach dem Genuss von Nahrungsmitteln mit offensichtlichem oder verstecktem höheren Laktosegehalt klagt, sollte die Ursache seiner Bauchbeschwerden oder anderer vorstehend geschilderter Symptome von einem Arzt abklären lassen. Mit einem Milchzucker Belastungstest oder einem H2-Atem-Test kann der Mediziner feststellen, ob die aufgetretenen Symptome tatsächlich auf eine Laktoseintoleranz zurückzuführen sind oder eine andere Unverträglichkeit vorliegt. Da es auch eine sogenannte sekundäre Laktoseintoleranz gibt, entstanden durch eine andere zugrunde liegende Erkrankung, können sich Symptome auch überschneiden oder sogar zusätzliche Symptome durch die entstehenden Mangelerscheinungen (z.B. Kalium-, Kalzium- oder Eisenmangel wegen wiederholten Durchfällen) auftreten.

Laktosehaltige Lebensmittel

LebensmittelLaktosegehalt
Milch4,7 g / 100 g
Frischkäse4,4 g / 100 g
Joghurt3,2 g / 100 g
Quark3,2 g / 100 g
Ayran1,5 g / 100 g
Sahne3,3 g / 100 g
Cappucchino2,3 g / 100 g
Vollmilchschokolade6,5 g / 100 g
Latte Macchiato4,4 g / 100 g
Schokopudding3,0 g / 100 g
Milchreis2,8 g / 100 g
Tiramisu11,4 g / 100 g
Kefir5 g / 100 g
Butter0,7 g / 100 g
Toast0,6 g / 100 g
Kondensmilch10 g / 100 g
Schmand3,5 g / 100 g
Feta0,5 g / 100 g
Mascarpone2,5 g / 100 g
Mozzarella1,5 g / 100 g
Croissant1,5 g / 100 g
Grießbrei2,2 g / 100 g
Buttermilch3,7 g / 100 g
Kakao4,0 g / 100 g

(alle Angaben sind Circa-Angaben)

Muss bei Laktoseintoleranz in jedem Fall eine Diät angestrebt werden?

Klare Antwort, Nein! Selbst bei der sekundären Laktoseintoleranz sind im Normalfall noch genügend Enzyme vorhanden, um mit den in Milchprodukten enthaltenen geringen Mengen an Milchzucker umzugehen. Zudem gibt es Kapseln und Tabletten, die das Enzym Laktat beinhalten und den Mangel ausgleichen. So ist es auch für laktoseintolerante Menschen möglich, normale Kuhmilch zu trinken, Frischkäse oder Quark zu essen. Eine Diät ist nur dann nötig, wenn eine schwere Symptomatik vorliegt oder eine primäre Laktoseintoleranz besteht.

Patientenerfahrungen?

Dipl.-W.Inf. Sebastian Fiebiger
Medizinjournalist

Leidest Du unter Laktoseintoleranz oder hast Du den Verdacht, dass dem so ist? Was hast Du schon unternommen? Warst Du beim Arzt? Welche Untersuchungen hat der veranlasst? Wie war das Ergebnis? Welche Symptome treten bei Dir auf? Schreib uns Deine Erfahrungen, Ergänzungen und Fragen – direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren. Du hilfst damit auch anderen Betroffenen.

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