Krankheiten
Magenkrebs (Magenkarzinom)

Magenspiegelung

Mit einer Magenspiegelung lässt sich Magenkrebs diagnostizieren (Foto: Beloborod | Shutterstock)

Kategorisierung

Synonyme: Magenkrebs, Magenkarzinom, Magen-Ca, Magen-Neo-Plasma
ICD-10: C16

Magenkrebs (auch Magenkarzinom) ist eine bösartige Erkrankung der Magenschleimhaut. Unbehandelt führt sie zum Tod. Magenkrebs kann die Grenzen des Organs überwinden und Metastasen in anderen inneren Organen und dem Gehirn bilden. Während frühe Stadien des Magenkrebs gut therapierbar sind, ist Magenkrebs, der bereits Fernmetastasen gebildet hat, nur noch palliativ behandelbar. Magenkrebs gehört zu den häufigen Krebserkrankungen – seine Häufigkeit nimmt in den Industrienationen aber seit Jahrzehnten ab.

Verbreitung & Häufigkeit

Magenkrebs tritt gehäuft um das sechste Lebensjahrzehnt auf. Das mittlere Erkrankungsalter beträgt für Männer rund 72 Jahre, für Frauen etwa 75 Jahre.

Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. In den westlichen Industrienationen ist die Zahl der Neuerkrankungen seit Jahren rückläufig. Die Zahl der Neuerkrankungen hat sich in den letzten 100 Jahren nahezu gezehntelt. Wissenschaftler führen das auf die sich ständig bessernde Lebensmittelqualität, Lebensmittelkonservierung und verbesserte Ernährung zurück. Daraus resultiert insbesondere auch eine sinkende Infektionsrate mit Helicobacter pylori.

In Deutschland treten etwa 15.000 Neuerkrankungen pro Jahr auf. Davon sind rund 9.000 Patienten männlichen Geschlechts. (Stand 2015) Weltweit gehen rund 10 Prozent aller Krebsdiagnosen auf Magenkrebs zurück.

Ursachen & Risikofaktoren

Die Ursache für den Magenkrebs – also das Entarten der Schleimhautzellen des Magens – sind bislang trotz intensiver Forschung nicht bekannt. Das gilt übrigens für die meisten Krebserkrankungen. Es gibt allerdings eine Reihe von Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit, an Magenkrebs zu erkranken, erhöhen:

  • Alkoholkonsum
  • Autoimmungastritis
  • Blutgruppe A
  • chronische Magenentzündungen (Gastritis)
  • genetische Vorbelastung (ca. Vervierfachung des Risikos bei Erkrankung eines Verwandten ersten Grades)
  • Befall mit dem Bakterium Helicobacter Pylori
  • Magengeschwüre
  • Polypen des Magens (Polyposis Intestinalis)
  • Rauchen
  • Reflux / chronisches Sodbrennen
  • häufiger Verzehr gegrillter Lebensmittel
  • häufiger Verzehr geräucherter Lebensmittel
  • häufiger Verzehr nitrathaltiger Lebensmittel (nitrathaltiges Gemüse)
  • häufiger Verzehr nitrithaltiger Lebensmittel (Pökelsalz)
  • häufiger Verzehr stark gesalzener Lebensmittel
  • Riesenfaltenmagen (Ménétrier-Syndrom, Morbus Ménétrier)
  • Teilentfernung des Magens
  • Vitamin C Mangel
  • zu heiße Speisen

Auch Kaffee und Schwarzer Tee standen wiederholt in Verdacht, das Risiko für Magenkrebs zu erhöhen. Dafür gibt es bislang allerdings keine wissenschaftlichen Belege. Auch für Stress als Auslöser von Magenkrebs gibt es derzeit keine Belege.

Arten

Adenokarzinom – geht vom Drüsengewebe des Magenschleimhaut aus
Zylinderepithelkarzinom – geht vom Zylinderepithel der Magenschleimhaut aus

Diagnose – Das macht der Arzt

Der Arzt wird zunächst in einem ausführlichen Patientengespräch das Beschwerdebild abfragen. Anschließend wird er den Bauraum abtasten. Zusätzlich kann eine Blutprobe entnommen und auf spezifische Tumormarker untersucht werden.

Sollte ein Verdacht auf Magenkrebs bestehen, wird er i.d.R. eine Magenspiegelung anordnen. Dabei wird ein Schlauch durch Mund und Speiseröhre in den Magen eingeführt, so dass die Magenschleimhaut eingehend inspiziert werden kann. Werden dabei Veränderungen gefunden, kann durch den Schlauch eine Gewebeprobe entnommen (Biopsie) und anschließend histologisch untersucht werden. Sollte eine Magenspiegelung aus medizinischen Gründen nicht möglich sein, kann auch Bildgebung (CT/MRT) zu Einsatz kommen.

Steht der Befund „Magenkrebs“, werden auch alle anderen inneren Organe untersucht, um eine Metastasenbildung ausschließen zu können.

Differentialdiagnosen

Differentialdiagnosen sind Erkrankungen, die ein ähnliches Beschwerdebild wie Magenkrebs hervorrufen:

Behandlung und Therapie

Operation

Der wichtigste Therapiebestandteil bei Magenkrebs ist die möglichst vollständige Entfernung des Tumors. Während das in frühen Phasen der Erkrankung häufig endoskopisch möglich ist, muss bei fortgeschrittenem Magenkrebs operiert werden. Um möglichst keine Tumorreste zurück zu lassen, wird der Magen entweder zu 80 Prozent (Magenresektion) oder aber vollständig (Gastrektomie) entfernt. Eventuell befallene Lymphknoten werden ebenso operativ entfernt wie Metastasen. Bei einem Befall im oberen Bereich des Magens kann es auch notwendig werden, Teile der Speiseröhre zu entfernen.

Chemotherapie & Bestrahlung

Je nach Befund kann zusätzlich ein Chemotherapeutikum zum Einsatz kommen. Ist aufgrund des fortgeschrittenen Stadiums der Erkrankung keine Operation mehr möglich, können palliativ Chemotherapie und Bestrahlung zum Einsatz kommen, um die auftretenden Beschwerden zu lindern und den Verlauf zu bremsen.

Ersatzmagen

Ist eine Entfernung des Magens notwendig, wird aus einem Teil des Dünndarms ein Ersatzmagen geformt, der die Verbindung zwischen Speiseröhre und Dünndarm wieder herstellt. Mit diesem Ersatzmagen ist ein fast normales Leben möglich. Lediglich Vitamin B12 muss i.d.R. substituiert werden, da das für die Aufnahme zuständige Koenzym – aufgrund des fehlenden Magens – nicht mehr produziert werden kann. Die Vitamin-B12-Substitution erfolgt i.d.R. per Injektion. Auch der Eisengehalt des Blutes sollte regelmäßig überprüft werden, um einem Eisenmangel vorzubeugen.

Antikörpertherapie

Rund 20 Prozent der Tumore haben vermehrt HER2-Rezeptoren auf ihrer Oberfläche. Diese dienen als Bindestellen für Wachstumsfaktoren und fördern damit das Fortschreiten des Tumors. Gegen HER2-positiven Magenkrebs kann ein Antikörper zum Einsatz kommen, der aus der Brustkrebsforschung stammt und das Fortschreiten der Erkrankung bremst.

Immuntherapie

Immuntherapheutische Ansätze, bei denen das Immunsystem für den Tumor sensibilisiert und gegen ihn gerichtet wird, sind Teil intensiver Forschung.

Lebenserwartung, Prognose und Heilungschancen

Wird Magenkrebs im frühen Stadium erkannt, sind die Heilungschancen sehr gut. Man spricht in frühen Stadien von einer 5-Jahre-Überlebensrate von 90-95 Prozent. In fortgeschrittenen Stadien beträgt sie nur noch etwa 15 Prozent. Über alle Magenkrebsfälle hinweg beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate rund 33 Prozent, die 10-Jahres-Überlebensrate rund 30 Prozent.

Ist der Tumor nicht mehr oder nur unvollständig entfernbar, sinkt die Lebenserwartung der Patienten drastisch. Man kann von folgenden Werten ausgehen:

  • ohne Behandlung: 4-6 Monate
  • mit Chemotherapie: 8-12 Monate

Aufgrund der fehlenden spezifischen Frühsymptome wird Magenkrebs oft erst spät diagnostiziert. Frühe Diagnosen sind häufig Zufallsbefunde im Rahmen von Magenspiegelungen.

Vorbeugen

Im Rahmen der Vorbeugung kommt der Meidung der Risikofaktoren besondere Bedeutung zu. Besonderen Stellenwert haben hierbei das Rauchen, der Alkoholkonsum und der Konsum geräucherter und gepökelter Fleischwaren.

Darüber hinaus kann eine obst- und gemüsereiche Ernährung des Magenkrebs-Risiko senken. Man vermutet, dass die Wirkung von Obst und Gemüse vor allem auf die schützende Wirkung von Vitamin C zurückgeht, das vor allem bei fleichreicher Ernährung die Entstehung krebserregender Stoffe hemmt.

Es gibt für Magenkrebs keine Früherkennungsuntersuchung. Daher ist es wichtig, auch bei unspezifischen Symptomen einen Arzt aufzusuchen, der dann ggf. eine Magenspiegelung veranlassen kann.

Prominente Magenkrebs-Patienten

Bekannte Personen, die an Magenkrebs erkrankt sind:

  • John Wayne, Schauspieler, 1907 – 1979
  • Ulrich Mühe, Schauspieler, 1953 – 2007

Quellen & Updates

1Hoher Fleischkonsum erhöht das Risiko für Magenkrebs

Ergänzungen und Patientenerfahrungen

Sebastian Fiebiger: Bist Du an Magenkrebs erkrankt oder auf andere Weise mit dieser Krankheit in Verbindung gekommen? Dann schreib uns von Deinen Erfahrungen. Du hilfst damit auch anderen Betroffenen.

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