Ansteckung, Inkubationszeit & Behandlung
Norovirus

Norovirus

Norovirus (Foto: Africa Studio | Shutterstock)

Das Norovirus ist ein Erreger, der schwere Magen-Darm-Beschwerden auslöst. Das Norovirus ist hochinfektiös und breitet sich vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas, Kindergärten, Hotels, Kreuzfahrtschiffen, Krankenhäusern und Altersheimen schnell aus. Für ältere und immungeschwächte Menschen kann eine Norovirus-Infektion zur Lebensbedrohung werden. Bei ansonsten gesunden Menschen heilt sie meist innerhalb weniger Tage folgenlos aus.

Das Virus

Entdeckung: 1972 in Norwalk
Infektiösität: hoch infektiös selbst bei geringer Viruslast (10-100 Viren)
Hitzeempfindlichkeit: temperaturresistent bis 60 Grad Celsius
Überlebensfähigkeit: Überlebensdauer auf Oberflächen bis zu 24 Stunden
Übertragung: von Mensch zu Mensch

Kategorisierung

ICD-10: A8.1
Synonyme: Norovirus, Norwalk-Virus
Kategorie: Infektionskrankheiten
Unterart: Magen-Darm-Infektionen
Arzt: Hausarzt, Allgemeinmediziner, Internist
Übertragungsweg: Schmierinfektion, Tröpfcheninfektion

Häufigkeit und Verbreitung

Man schätzt, dass etwa jeder dritte akute Brechdurchfall auf das Norovirus zurückgeht – bei Erwachsenen ist sogar jeder zweite. Der Schwerpunkt der Infektionen liegt in den Wintermonaten.

Ansteckung und Übertragung

Das Norovirus wird von Mensch zu Mensch übertragen, wenn Viren aus dem Stuhl oder Erbrochenen eines Infizierten aufgenommen werden. So entstehen bspw. beim Erbrechen feinste Tröpfchen infektiösen Materials, die sich in der Luft und auf Oberflächen verteilen. Auch infektiöses Badewasser ist eine typische Infektionsquelle – gerade in Familien. Gelangt Stuhl – bspw. durch unzureichende Handhygiene – auf Lebensmittel oder Getränke, findet das Virus ebenfalls eine Eintrittspforte.

Da Infizierte bereits während der Inkubationszeit – also bevor sie überhaupt Symptome zeigen – infektiös sind, kommen „Vorsichtsmaßnahmen“ innerhalb von Familien und Gemeinschaften häufig zu spät. Trotzdem sollte auf penible Hand- und Toilettenhygiene geachtet werden.

Auch nach Abklingen der Symptome sind Infizierte noch für einige Tage infektiös.

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit des Norovirus – also die Zeit zwischen der eigentlichen Infektion und dem Auftreten erster Symptome – beträgt häufig nur wenige Stunden und höchstens drei Tage.

Verlauf

Die heftigen Beschwerden (vor allem Erbrechen und Durchfall) halten oft nur wenige Stunden an. (Spanne: 12-72 Stunden) Bei älteren und immungeschwächten Personen können sie auch länger anhalten.

Nicht alle Infizierten entwickeln die volle Symptomatik. Ein erheblicher Anteil bleibt sogar vollständig symptomfrei.

Prognose und Heilungschancen

Die Prognose ist sehr gut. In den allermeisten Fällen heilt ein Norovirus-Infekt innerhalb weniger Tage vollständig und folgenlos aus. Gefährliche Komplikationen drohen bei immungeschwächten Patienten, Patienten mit Vorerkrankungen des Stoffwechsels und des Herz-Kreislauf-Systems sowie bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr.

Kritisch ist der Ausgleich des hohen Flüssigkeitsverlusts durch das Erbrechen und die Durchfälle.

Weniger als 0,1 Prozent der Infizierten sterben an den Folgen der Infektion.

Diagnose

Das Norovirus lässt sich mit einem PCR-Test direkt im Stuhl des Patienten nachweisen. Oft unterbleibt diese Untersuchung jedoch und die Diagnose wird einfach anhand des Beschwerdebildes und der Ausbreitung im Umfeld des Patienten gestellt.

Viele Patienten sehen – aufgrund des kurzen Verlaufs – auch keinen Arzt.

Eine durch den Nachweis des Erregers gesicherte Diagnose ist meldepflichtig. Eine Verdachtsdiagnose ist nur dann meldepflichtig, wenn der Infizierte in einer Gemeinschaftseinrichtung lebt oder arbeitet bzw. in der Gastronomie tätig ist. Auch eine Häufung von zwei oder mehr Erkrankungen ist meldepflichtig.

Differentialdiagnosen

Es gibt Erkrankungen, die in ihrem Beschwerdebild der Norovirus-Infektion ähneln oder gleichen:

  • Magen-Darminfekte durch andere Viren (bspw. das Rotavirus)
  • Magen-Darminfekte durch Bakterien (bspw. Salmonellen, E. Coli / EHEC, Compylobacter)
  • Parasitenbefall (bspw. Lamblien)

Behandlung und Therapie

Gegen das Norovirus sind weder ein Impfstoff noch ein spezifisches antivirales Medikament verfügbar. Die Therapie besteht daher vorwiegend aus dem Ausgleich des durch das Erbrechen und den Durchfall entstehenden Flüssigkeitsverlustes. Zusätzlich wird den Patienten Bettruhe verordnet. Die wird – im Gegensatz zu vielen anderen Erkrankungen – i.d.R. aufgrund der heftigen Symptomatik auch ohne Nachdruck gehalten.

Zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes kann Wasser oder Tee getrunken werden. In der Apotheke gibt es auch Elektrolyt-Lösungen, die neben dem Flüssigkeitsverlust auch den Verlust an Elektrolyten ausgleichen.

Ist ein Ausgleich durch Trinken nicht möglich – bspw. weil der Patient stark geschwächt ist – kommen Infusionen zum Einsatz. Dazu ist eine stationäre Aufnahme in einem Klinikum erforderlich.

Ob ein Patient in ein Klinikum eingewiesen werden muss, wird der Arzt i.d.R. auf Basis des aktuellen Allgemeinzustandes, etwaiger Vorerkrankungen und der genauen Symptomatik treffen. Sie die Durchfälle bspw. blutig oder eitrig, führt um einen Klinikaufenthalt meist kein Weg darum. Gleiches gilt für sehr hohes Fieber.

Hausmittel

Auch bei der Eigenbehandlung gilt: möglichst viel Flüssigkeit aufzunehmen. Optimal ist dafür eine Zucker-Salz- bzw. Elektrolyt-Lösung, die es in der Apotheke gibt.

Ob ein Nahrungsverzicht sinnvoll ist, ist umstritten. Auf jeden Fall sollte für die Dauer der Beschwerden auf Milchprodukte und fette Speisen verzichtet werden.

Vorbeugung

Jenseits der Hygiene gibt es keine spezifischen Vorbeugungsmaßnahmen gegen eine Infektion durch das Norovirus.

Wer sich in einem belasteten Umfeld bewegt, sollte darauf achten, dass Wäsche stets mit 90/95 Grad gewaschen wird und zur Desinfektion der Hände ein spezielles Desinfektionsmittel verwenden. Das Norovirus ist nämlich resistent gegen viele gängige Handdesinfektionen.

Fragen und Antworten

Ist man gegen das Norovirus immun, wenn man die Infektion durchgestanden hat?

Grundsätzlich nein. Man hat zwar festgestellt, dass einige Menschen unmittelbar nach einer durchlebten Infektion resistent gegen das Virus sind. Für die allermeisten Menschen trifft das aber nicht zu.

Es gibt zudem viele Varianten des Norovirus. So dass ohnehin eine Infektion mit einem anderen Subtyp möglich ist.

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