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Reizdarm

Reizdarm

Reizdarm – der „nervöse Darm“ (Foto: g-stockstudio | Shutterstock)

Der Begriff Reizdarm oder Reizdarmsyndrom (RDS) – auch „nervöser Darm“ oder „Reizkolon“ genannt – ist keine Krankheit im eigentlich Sinn. Vielmehr umfasst er eine Reihe von Beschwerden, deren Ursache letztlich nicht immer geklärt werden kann. Vom Reizdarm spricht der Mediziner, wenn der Patient unter unterschiedlichsten funktionellen Störungen des Verdauungssystems leidet, für die eine ernste Erkrankung ausgeschlossen werden kann.

Der Reizdarm ist ein bereits seit über 100 Jahren bekanntes, relativ häufig auftretendes Problem. Es wird zuweilen sogar als Volkskrankheit bezeichnet. Mediziner gehen von 15 Millionen Betroffenen allein in Deutschland aus. Es ist zu vermuten, dass die Hälfte aller Patienten, die einen Gastroenterologen aufsuchen, an nicht erklärbaren Verdauungsproblemen leidet.

Bei den Betroffenen kann auch nach umfangreichen Untersuchungen und Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten keine Ursache festgestellt werden. Es ist deshalb auszugehen, dass der Reizdarm zwar sehr unangenehm aber gesundheitlich nicht bedenklich ist. Trotzdem leiden die Patienten oft massiv unter den Beschwerden. Das Auftreten von Depressionen kann dadurch begünstigt werden.

Keine Krebsgefahr: Eine Befürchtung vieler Patienten kann entkräftet werden: Durch die Symptome des Reizdarms wird keine Krebserkrankung begünstigt.

Welche Ursachen hat der Reizdarm?

Wirklich erforscht ist das Reizdarmsyndrom bisher nicht. Die meisten Experten halten fünf unterschiedliche Faktoren für das Auftreten für ursächlich:

  1. Eine geschädigte Darmbarriere lässt Schadstoffe in die Darmwand eindringen. Dadurch entstehen kaum auffällige Entzündungen, die bei Untersuchungen nicht gefunden werden können.
  2. Durch eine ungesunde Ernährung, die zu viel Zucker und Fett enthält, wird die Darmflora gestört.
  3. Stress, vor allem psychischer Art, führt zu erhöhter Darmaktivität.
  4. Ist die Darmflora gestört, wird die Anzahl der wichtigen Darmbakterien, die für die Verdauung sorgen, reduziert.
  5. Medikamente, speziell Antibiotika, greifen massiv in die Darmgesundheit ein.

Welche Symptome treten beim Reizsyndrom auf?

Häufig beschreiben die Patienten veränderte Stuhlgewohnheiten und vermehrte Anfälle von Blähungen. Es treten Durchfälle oder Verstopfungen auf, die nicht durch bestimmte Nahrungsmittel, zu wenig Flüssigkeitsaufnahme, Stress oder mangelnde Bewegung ausgelöst wurden. Hinzu kommen Schmerzen und Unwohlsein im Bauchraum. Seltener klagen die Betroffenen über eine gewisse Empfindlichkeit, wenn der Darm mechanisch berührt wird, beispielsweise durch Bauchmassagen. Auch eine Veränderung von Häufigkeit und Konsistenz des Stuhls kann ein Symptom auf Reizdarm sein.

Ab wann spricht der Arzt vom Reizdarm?

Gelegentliche Darmprobleme werden noch nicht als Reizdarm betrachtet. Leidet der Patient jedoch innerhalb von zwölf Monaten mehr als zwölf Wochen unter Schmerzen, Durchfall, Verstopfung und ähnlichen Symptomen, kann die Diagnose auf Reizdarm lauten. Es müssen außerdem folgende Voraussetzungen gegeben sein: Die Schmerzen werden auch durch Stuhlgang nicht behoben oder sie haben zeitgleich mit der Veränderung der Stuhlganghäufigkeit oder der Konsistenz des Stuhls begonnen.

Es gibt einige weitere Anzeichen, die auf einen Reizdarm hinweisen können, aber nicht zwangsläufig müssen. Dazu gehören häufiger oder sehr seltener Stuhlgang (mehr als dreimal am Tag oder weniger als dreimal in der Woche), eine auffällige Veränderung der Beschaffenheit (besonders weich, flüssig, schleimig, sehr hart) oder das Gefühl der unvollständigen Darmentleerung nach dem Stuhlgang.

Wie stellt der Arzt die Diagnose auf Reizdarm?

Die Diagnose wird in Form des Ausschlussverfahrens erstellt. Der Arzt befragt den Patienten genau über die Symptome, das Auftreten und andere Besonderheiten. Anschließend werden – je nach Status – unterschiedliche Untersuchungen vorgenommen, um eine ernste Darmerkrankung auszuschließen. Dafür werden unter anderem Blutbilder, Nierenwerte, Ultraschalluntersuchungen, Magen-Darm-Spiegelungen durchgeführt.

Um Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Laktoseintoleranz oder Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) auszuschließen, führt der Arzt entsprechende Tests durch. Außerdem wird der Patient auf eine Sorbitunverträglichkeit untersucht. Sorbite sind Zuckeraustauschstoffe, die nicht von allen Menschen vertragen werden und zu einem Reizdarm führen können. Diese Stoffe sind in zahlreichen Fertigprodukten enthalten.

Lassen sich Krankheiten, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und andere Ursachen ausschließen, stellt der Arzt die Diagnose Reizdarmsyndrom.

Behandlung

Lässt sich ein Reizdarm behandeln?

Da die Ursachen nur sehr schlecht herauszufinden sind, gibt es keine Behandlung des Reizdarms selbst. Es kann lediglich versucht werden, die Symptome zu lindern. Sind Medikamente für das Auftreten von RDS verantwortlich, löst sich das Problem in der Regel nach Absetzen.

Welche Medikamente werden beim Reizdarmsyndrom eingesetzt?

Bei sehr starken Verstopfungen können Abführmittel, bei Durchfällen entsprechende Medikamente verschrieben werden. Dabei ist allerdings darauf zu achten, dass eine längerfristige Einnahme nicht zu empfehlen ist. Starke Krämpfe werden mit krampflösenden Mitteln gelindert. Einige Mediziner verschreiben gering dosierte Antidepressiva, da diese positiv auf das Nervensystem des Darms einwirken. Besteht der Verdacht, dass die Darmflora gestört ist, kann der Arzt eine Vielzahl von Präparaten einsetzen.

Wie können Patienten die Behandlung unterstützen?

Da der Arzt bei einem Reizdarm nur wenig therapieren kann, ist es an den Betroffenen selbst, die Behandlung aktiv zu unterstützen. Als wichtigste Maßnahme gilt eine Ernährungsumstellung, die eine Verringerung des Verzehrs von Zucker, Fett und Alkohol einschließt. Auch sollten Fertigprodukte seltener auf den Speiseplan kommen, da diese häufig Zusatzstoffe wie Sorbite enthalten.

Blähende Speisen wie Kohl und Hülsenfrüchte sollten weitgehend gemieden werden. Der Betroffene kann Buch über die aufgenommenen Nahrungsmittel führen. Dadurch lässt sich herausfinden, ob es bestimmte Speisen gibt, die er nicht verträgt und die zu Blähungen, Verstopfungen oder Durchfällen führen.

Außerdem ist es sinnvoll, Stress so weit wie möglich zu reduzieren. Gegebenenfalls kann es sinnvoll sein, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, oder Techniken wie Entspannungsübungen zu erlernen.

Feste Mahlzeiten sind empfehlenswert. Die einzelnen Portionen sollten nicht zu groß sein. Das gilt vor allem für Mahlzeiten, die abends eingenommen werden. Das Essen sollte in Ruhe verzehrt und sehr gut gekaut werden. Sehr hilfreich kann es sein, die Flüssigkeitszufuhr zu erhöhen. Optimal liegt sie bei eineinhalb bis zwei Litern pro Tag. Menschen, die an Herzkrankheiten oder Nierenproblemen leiden, sollten allerdings zuvor den Arzt befragen.

Welche Hausmittel helfen bei Reizdarm?

In akuten Fällen können Betroffene auf Hausmittel zurückgreifen. Bei Blähungen oder Verstopfungen wird Wärme oftmals als angenehm empfunden. Eine nicht zu heiße Wärmflasche ist hier das beste Hausmittel. Beruhigend und stresslösend wirken Wannenbäder mit ätherischen Ölen. Es gibt eine Reihe von Kräutertees, die bei Darmbeschwerden unterstützend wirken. Dazu gehören Kümmel, Anis, Fenchel und Melisse. Die Tees können in akuten Fällen getrunken werden. Sie helfen aber auch vorbeugend gut. Blähende Speisen lassen sich durch die Zugabe von Kümmel, Pfeffer und Anis bekömmlicher machen.

Bei Verstopfung helfen Ballaststoffe, die vor allem in Obst und Gemüse, aber auch in Körnerprodukten enthalten sind.

Bei Blähungen und Verstopfungen hat sich Ingwer bewährt. Dafür wird ein Stück Ingwerwurzel zerteilt und für einige Minuten in kochendes Wasser gelegt. Das Wasser wird anschließend noch warm getrunken. Die Zugabe von Zucker oder Honig ist nur ratsam, wenn der Patient diese Nahrungsmittel gut verträgt.

Ist die Darmflora beispielsweise durch die Einnahme von Medikamenten gestört, sollte der Patient Joghurt in den Speiseplan aufnehmen.

Welche Heilungschancen hat der Patient?

Lage des Darms im menschlichen Körper

Lage des Darms im menschlichen Körper (Abb. Nerthuz | Shutterstock)

Werden die Auslöser des Reizdarms nicht gefunden, bestehen kaum Heilungschancen. Der Patient kann nur durch ein verändertes Essverhalten und Stressabbau eine Linderung der Symptome bewirken.

Viele Betroffenen fühlen sich allein dadurch besser, dass die Diagnose „Reizdarm“ vorliegt. Da es sich nicht um eine schwerwiegende Krankheit handelt, wirkt allein das Wissen um die Ungefährlichkeit beruhigend.

Warum ist bei einer Ernährungsumstellung eine Beratung wichtig?

Verzichtet der Patient auf bestimmte Nahrungsmittel, weil sie bei ihm das Reizsyndrom auszulösen scheinen, sollte er sich eingehend beraten lassen. Es können dadurch wichtige Nährstoffe fehlen, so dass Mangelerscheinungen auftreten.

Wie kann ein Tagebuch bei RDS helfen?

Für viele Betroffene hat sich das Führen eines Tagebuchs als sinnvolle unterstützende Maßnahme erwiesen. Eingetragen wird jeden Tag, wie sich der Patient gefühlt hat, ob er unter Schmerzen oder Verdauungsproblemen gelitten hat. Wird außerdem vermerkt, wann welche Nahrungsmittel verzehrt wurden, lässt sich oftmals herausfinden, ob Nahrungsunverträglichkeiten zum Reizdarmsyndrom geführt haben.

Sebastian Fiebiger: Leidest Du am Reizdarm? Oder bist Du auf andere Weise mit dem „nervösen Darm“ in Verbindung gekommen? Dann schreib uns von Deinen Erfahrungen. Du hilfst damit auch anderen Betroffenen.

Was uns besonders interessiert: Wie hat sich die Erkrankung bemerkbar gemacht? Welche Untersuchungen hat der Arzt vorgenommen? Wirst Du bereits therapiert? Wenn ja, wie? Zeigt die Behandlung Erfolg? Welche Tipps hast Du für andere Patienten?

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