Symptome, Inkubationszeit, Diagnose und Behandlung
Scharlach

Scharlach

Scharlach gehört in ärztliche Behandlung (Foto: Monkey Business Images | Shutterstock)

Scharlach

ICD-10: A38
Synonyme: Scharlach, Scarlatina, Scarlet fever
Kategorie: Infektionskrankheiten
Erreger: Bakterium (Streptococcus Pyogenes)
Einordnung: Kinderkrankheiten
Verbreitung: vor allem Kindergarten- und Schulkinder

Inhaltsverzeichnis

Scharlach gehört zu den sogenannten „Kinderkrankheiten“. Medizinisch verbirgt sich dahinter eine Mandelentzündung (Angina), die durch Streptokokken vom Typ Streptococcus pyogenes ausgelöst wird. Dieser Erreger gehört serologisch zu den Typ A Steptokokken. Streptococcus pyogenes bildet Giftstoffe (erythogenes Toxin A oder C), die das typische Krankheitsbild von Scharlach auslösen, das sich von der „normalen“ Streptokokken-Angina vor allem durch den typischen Hautausschlag unterscheidet.

Scharlach Symptome

Die typischen Anzeichen einer Scharlach-Infektion
Zunge zunächst weiß belegt, dann himbeerrot
Ausschlag (hellrot, stecknadelkopf-groß, leicht erhaben, rau)
entzündeter Hals und Rachen
geschwollene Halslymphknoten
Fieber
Husten
Herzrasen
Halsschmerzen
Schluckbeschwerden
Mundgeruch
geschwollene Mandeln
Blässe, vor allem um den Mund herum
Erbrechen
Schüttelfrost
Kopf- und Gliederschmerzen
Schnupfen
Ohrenschmerzen
Appetitverlust
Kinder verweigert Essen und Trinken
Übelkeit

Bereits kurz nach der Ansteckung können erste unspezifische Symptome wie Fieber, Halsschmerzen, Schüttelfrost, Schluckbeschwerden oder Erbrechen auftreten.

Meist werden die ersten Symptome mit Schwellungen der Schleimhäute, Mandeln oder Rachen begleitet. Zudem kann die Zunge mit weißen Eiterpunkten belegt sein und ein dadurch entstehender Mundgeruch auftreten. Der typische weiße Belag der Zunge verschwindet meist schnell wieder und wird abgelöst durch eine rote glänzende Zunge, die als Himbeer- oder Erdbeerzunge bezeichnet wird. Zudem können bei Scharlach Erkrankungen die typischen Grippe-Symptome und Ohrenentzündungen auftreten.

Nach den ersten Anzeichen des Scharlach, treten bereits nach zwei bis drei Tagen typische Ausschläge auf. Diese Hautreizungen entstehen durch die Toxine des Scharlach Erregers und verbreiten sich schnell im Körper und auf der Haut. Der Ausschlag betrifft vor allem den Achsel- und Leistenbereich. Die kleinen roten Flecken oder Punkte können sich aber auch über den ganzen Körper ausbreiten. Meist bleiben jedoch der Mund und die Kinn-Region verschont. Die Gesichtspartie wirkt meist blass und weiß und wird daher als „Milchbart“ bezeichnet. Meist verschwindet der Ausschlag nach kurzer Zeit wieder und hinterlässt eine gereizte Haut.

Im weiteren Verlauf können ein bis zwei Wochen später Schuppungen der Haut auftreten. Die Haut der Finger und Zehen oder die gesamten Hand- und Fußflächen können betroffen sein.

Scharlach Symptome im Kindesalter

Kinder mit Scharlach Symptomen müssen umgehend einem Arzt vorgestellt werden

Kinder mit Scharlach Symptomen müssen umgehend einem Arzt vorgestellt werden (Foto: Andreea Pirvu | Shutterstock)

Starkes Fieber mit oder ohne Schüttelfrost, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und eine belegte Zunge sind erste Anzeichen für eine Scharlacherkrankung. Später verfärbt sich die Zunge himbeerrot. Auch Kopf- und Gliederschmerzen, Herzrasen sowie Erbrechen zählen zu den Symptomen. Am zweiten beziehungsweise dritten Tag der Erkrankung sind Hautausschläge, beispielsweise im Bereich der Achselhöhlen und der Leiste, möglich. Diese treten aber nicht in allen Fällen auf.

Während Kopf- und Gliederschmerzen sowie hohes Fieber auch auf einen grippalen Infekt oder eine Erkältungskrankheit hinweisen können, zeigt spätestens die rote Zunge eine Scharlacherkrankung an. Diese Krankheit ist aber durch einen vom Kinder- oder Hausarzt durchzuführenden Speicheltest schon wesentlich früher nachweisbar. Eine Blässe im Mund-Nasen-Bereich deutet ebenfalls auf eine Scharlachinfektion hin.

Erkrankung im Erwachsenenalter

Auch im Erwachsenenalter ist eine Infektion mit Scharlach möglich. Diese kommt zwar sehr selten vor, geht aber mit den gleichen Symptomen wie bei Kindern einher. Sollten Sie also unter gleichzeitig hohem Fieber und eventuell Schüttelfrost, starken Schluckbeschwerden, einer erst einmal weiß belegten Zunge, Herzrasen und Gliederschmerzen leiden, ist ein Gang zum Hausarzt anzuraten. Vor allem dann, wenn auch Ihre Kinder kurz zuvor unter einer Scharlach-Erkrankung litten. Auch wenn nur einige der hier erwähnten Symptome auftreten, sollte ein Scharlachtest durchgeführt werden.

Häufigkeit und Verbreitung

Scharlach gehört mit 40.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland zu den häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. Der Schwerpunkt der Neuerkrankungen liegt in den Wintermonaten.

Man geht davon aus, dass in den Wintermonaten 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung Keimträger (Streptokokken A) sind, aber keine Symptome zeigen. Die symptomlos Infizierten sind jedoch infektiös – können also andere Menschen anstecken.

Inkubationszeit

Scharlach hat eine kurze Inkubationszeit von 2 bis 7 Tagen. Als Inkubationszeit wird der Zeitraum zwischen der Infektion und dem Auftreten erster Symptome bezeichnet. Sie gilt als besonders tückisch, da der Infizierte in diesem Zeitraum unbemerkt andere Menschen infizieren kann.

Diagnose

Die Diagnose wird i.d.R. direkt nach Inaugenscheinnahme und einer körperlichen Untersuchung des Patienten auf Basis der typischen Symptomatik gestellt. Der Arzt wird i.d.R. den Mund- und Rachenraum untersuchen und die Kieferlymphknoten auf Schwellungen abtasten. Ein eventuell bereits vorhandener Ausschlag wird ebenfalls inspiziert.

Es sind auch Antikörper-Tests verfügbar. Soll ein bestimmtes Antibiotikum verwendet werden, weil etwas eine Penicillin-Allergie besteht, kann der Keim angezüchtet und identifiziert werden.

Differentialdiagnosen

Es gibt einige Krankheiten mit einem ähnlichen Beschwerdebild, die insbesondere von Laien mit dem Scharlach verwechselt werden können:

  • infektiöse Mononukleose
  • Masern
  • Röteln
  • Windpocken

Behandlung und Therapie

Scharlach wird mit Antibiotika behandelt. Diese kommen vor allem deshalb zum Einsatz, weil man gefährliche Komplikationen (Nierenentzündung, Gelenksentzündungen, rheumatisches Fieber, diffuse Glomerukonephritis) und Folgeschäden vermeiden will. In den meisten Fällen heilt Scharlach aber auch ohne medikamentöse Therapie folgenlos aus.

Zusätzlich können Schmerzmittel und Fiebersenker zum Einsatz kommen. Den Patienten wird Bettruhe verordnet.

Impfung

Eine Schutzimpfung gegen Scharlach ist Gegenstand medizinischer Forschung. Derzeit ist jedoch kein Impfstoff verfügbar. (2018) Es gab in der Vergangenheit bereits mehrere Impfstoff-Kandidaten, die für eine Zulassung infrage kamen. Da sich Scharlach aber i.d.R. mit Antibiotika sehr gut therapieren lässt, wurden diesen Ansätze nicht weiterverfolgt.

Selbstmedikation, Hausmittel und Naturheilkunde

Da Scharlach lebensgefährliche Komplikationen auslösen kann, gehört die Erkrankung immer in die Behandlung eines Arztes. Naturheilkundliche Behandlungen und Hausmittel sollten nur therapiebegleitend und in Absprache mit dem behandelnden Arzt eingesetzt werden.

Hausmittel zur Linderung der Beschwerden:

  • Eis lutschen
  • Fiebersenker / Schmerzmittel (bspw. Ibuprofen, Paracetamol)
  • flüssige oder breiige Nahrung
  • kalte Halswickel
  • Lösungen zum Gurgeln
  • Lutschtabletten
  • viel trinken

Heilpflanzen:

  • Kapuzinerkresse
  • Merrettichwurzel

Homöopathie:

  • Belladonna
  • Lachesis
  • Lycopodium
  • Thallium

Mögliche Komplikationen und Folgeerkrankungen

Es gibt eine ganze Reihe von Komplikationen, die durch Scharlach hervorgerufen werden können. Darum sollte jeder Scharlach ärztlich begleitet werden:

  • Abszessbildung um die Gaumenmandel (Peritonsillarabszess)
  • Blutvergiftung (Sepsis)
  • Gelenkentzündungen
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
  • Nierenentzündung (Glomerulonephritis, intersitielle Nephritis)
  • rheumatisches Fieber / Chorea Minor
  • rheumatische Herzentzündung (Karditis)

Fragen und Antworten?

Ist man immun, wenn man bereits einmal an Scharlach erkrankt ist?

Nein. Es gibt mehrere Varianten des auslösenden Bakteriums und man ist nur gegen diejenige immun, an der man bereits erkrankt ist. Die Anzahl der Erreger-Varianten ist aber begrenzt. Man geht heute davon aus, dass maximal drei oder vier Erkrankungen pro Patient möglich sind.

Wie wird Scharlach übertragen?

Der auslösende Erreger wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Dazu müssen durch Husten oder Niesen entstehende feinste Tröpfchen eingeatmet werden oder auf die Schleimhäute der Augen gelangen. Ansteckend können auch Personen sein, die gar keine Symptome zeigen.

Wie lange ist ein Scharlachpatient infektiös?

Ein untherapierter Patient kann bis zu drei Wochen ansteckend sein. Unter Antibiose verkürzt sich diese Zeit auf nur ein bis zwei Tage.

Updates und Ergänzungen

Zunahme der Scharlach-Infektionen

Seit dem Ende der 1980er Jahre ist weltweit eine Zunahme der Streptokokken-Infektionen zu beobachten. In Großbritannien kam es seit 2014 zu mehreren Scharlach-Epidemien. Auch in Nordostasien – und ganz besonders in Hongkong – ist die Erkrankung wieder auf dem Vormarsch. Da Scharlach in Deutschland nicht meldepflichtig ist, existieren nur Schätzzahlen zur Verbreitung von Scharlach. Gesundheitsexperten vermuten aber auch hierzulande einen Anstieg der Erkrankungshäufigkeit.

Die Ursache der steigenden Infektionszahlen ist bislang unbekannt. Zunächst vermutete man einen neuen, aggressiveren Bakterienstamm. Diese These konnte jedoch widerlegt werden. Die Infektionen verteilten sich auf verschiedene Stämme.

Man geht inzwischen davon aus, dass es am ehesten nicht-bakterielle Einflussfaktoren gibt, die die Menschen anfälliger für das Scharlach auslösende Bakterium machen. Dafür kommen etwa veränderte Lebensbedingungen oder Umwelteinflüsse in Frage.

Literatur

Kinderkrankheiten – Wie Sie Krankheiten erkennen, Was Sie selbst tun können, Dr. med Romanus Röhnelt, Trias Verlag, 1. Auflage 2017, ISBN 978-3-432-10141-5, Seiten 378-381 (K001)
Kinderkrankheiten – Das Standardwerk für Kinder von 0 bis 16 Jahren, Dr. med. Jörg Nase, Beate Nase, GU Gräfe und Unzer Verlag, 3. Auflage 2017, ISBN 978-3-8338-2909-3, Seiten 166-167 (K002)
Das Kinder Gesundheitsbuch – Kinderkrankheiten ganzheitlich vorbeugen und heilen, Dr. med. van Vagedes, Georg Soldner, GU Gräfe und Unzer Verlag, 7. Auflage 2017, ISBN 978-3-8338-0416-8, Seiten 175-182

Patientenerfahrungen und Ergänzungen?

Sebastian Fiebiger: Bist Du oder Dein Kind an Scharlach erkrankt? Schreib uns Deine Geschichte! Wir sind neugierig auf Deine Erfahrungen und Learnings. Du hilfst damit auch anderen Betroffenen.

Du weißt etwas über Scharlach, das hier fehlt und unbedingt ergänzt werden sollte? Dann ab damit in den Kommentare! Die findest Du direkt unter diesem Artikel. Das Schreiben und Lesen funktioniert auch ganz ohne lästige Anmeldung.

Kommentieren? 21.08.2018
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