Schwangerschaft
Alkohol in der Schwangerschaft – wirklich tabu?

Alkohol schadet dem ungeborenen Kind, soviel ist klar. Aber ist wirklich jeder Tropfen tabu? Oder geht das gelegentliche Glas Rotwein am Abend noch in Ordnung?

Alkohol in der Schwangerschaft - auch kleine Mengen schaden

Alkohol in der Schwangerschaft – auch kleine Mengen schaden (Foto: Valua Vitaly | Shutterstock)

Die 4.000 bis 10.000 Kinder, bei denen in Deutschland jedes Jahr alkoholbedingte Gesundheitsprobleme diagnostiziert werden, haben diese Symptomatik nicht durch eigenes Verschulden verursacht. Zwischen 1.500 und 4.000 von Ihnen tragen sogar schwere Behinderungen davon, die daraus resultieren, dass werdende Mütter die zerstörerische Wirkung des Alkoholkonsums in der Schwangerschaft erheblich unterschätzt haben. Die sogenannte Dunkelziffer der betroffenen Kinder wird in medizinischen Studien Jahr für Jahr auf 11.000 bis 16.000 Fälle geschätzt.

Die Folgen des „Tröpfchen in Ehren“

Oft werden die Folgen des sogenannten „Tröpfchens in Ehren“ erst im Schuleintrittsalter festgestellt, da die typischen Anzeichen für das fetale Alkoholsyndrom, der häufigsten Erkrankung, die durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft entsteht, größten Teils erst viel später erkannt werden. Die Frage, ob da nicht ein Gläschen am Abend und in netter Gesellschaft bei der werdenden Mutter in Ordnung geht, stellt sich da schon längst nicht mehr. Es ist absolut tabu, da bereits kleinste Mengen Alkohol vom Kreislauf der Schwangeren in das kindliche Blut übertragen werden und somit zu einer durchaus vermeidbaren Ursache für Gehirnschädigungen, Fehlbildungen von Organen und sogar erheblichen seelischen Störungen bei Neugeborenen gehören.

Wie viel Alkohol in der Schwangerschaft ist noch okay?

Eine quasi unschädliche Alkoholdosis gibt es nach übereinstimmender Meinung von Medizinern aller Fachdisziplinen nicht und welche verantwortungsvolle Mutter möchte schon später von ihrem behinderten Kind mit der Frage nach dem „Warum“ konfrontiert werden. Die Gefährdung, die vom Alkohol für das ungeborene Leben ausgeht, ist zum Beginn der Schwangerschaft unglücklicherweise besonders hoch, weil die werdende Mutter oft noch gar nichts von ihrem Glück weiß. Spätestens bei der Planung des Kinderwunsches sollte nicht nur eine konsequente Mäßigung, sondern ein genereller Verzicht auf den Genuss von alkoholischen Getränken einsetzen, der auch die oft verharmlosten Alcopops beinhaltet. Mehr noch als die Mutter ist das Kind durch den Alkohol sogar der doppelten Gefahr ausgesetzt. Er wird direkt über die Blutbahn und zusätzlich noch über die Plazenta befördert und benötigt dort einen viel längere Abbauzeit als bei einem bereits entwickelten menschlichen Organismus.

Der Verzicht auf Alkohol fällt leichter, wenn der Partner auch verzichtet

Der Verzicht auf Alkohol fällt leichter, wenn der Partner auch verzichtet (Foto: EduardSV | Shutterstock)

Was ist mit Alkohol im Essen?

Ein kleiner Trost für alle, die während der neun Schwangerschaftsmonate dennoch nicht ganz auf den Alkoholgeschmack verzichten können oder wollen: Kleinstmengen von ein bis zwei Esslöffeln Hochprozentigem in der Bratensoße oder dem Schokoladenkuchen richten keinen Schaden an, wenn danach für mindestens 15 Minuten im Temperaturbereich oberhalb von 70 °C gearbeitet wird. Damit der Alkohol restlos verdunsten kann, muss allerdings auf den Deckel des Kochtopfs verzichtet werden. Am besten funktioniert es aber, wenn zur künftigen Mutter auch der werdende Vater das gewohnte „Gläschen am Abend“ oder die „Weinbrandbohne danach“ aus Solidarität während der Schwangerschaft völlig vermeiden.

Bist Du schwanger oder hast Du bereits eine Schwangerschaft hinter Dir? Hast Du komplett auf Alkohol verzichtet oder bist Du schwach geworden? Was sind Deine Tipps, wenn man Lust auf Wein oder Bier bekommt? Was kann man tun, um sich abzulenken? Schreib uns Deine Meinung, Fragen und Erfahrungen! Wir freuen uns über Dein Feedback – direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren. Du hilfst damit auch anderen Lesern.

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