Die typischen Anzeichen
Borderline Symptome

Borderline - Die Symptome verunsichern häufig die Angehörigen

Borderline – Die Symptome verunsichern häufig die Angehörigen (Foto: lightpoet | Bigstock)

Das Borderline-Syndrom, auch als Borderline-Störung bekannt, bezeichnet eine sogenannte Persönlichkeitsstörung. Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang von einer Unterform der „emotional instabilen Persönlichkeitsstörung“ (kurz: BPS). Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch unangemessene und instabile Reaktionen eines Menschen in verschiedenen sozialen und persönlichen Lebenslagen. Freunde, Kollegen und Angehörige erleben die sichtbaren Symptome oftmals als erschreckend. So reicht manchmal der kleinste Anlass aus, damit ein Borderline-Patient heftig reagiert, extrem wütend wird oder in Tränen ausbricht. Mögliche Konsequenzen werden dabei nicht berücksichtigt.

Borderline Symptome

Die typischen Anzeichen der Borderline-Störung
starke Stimmungsschwankungen
Impulsivität
häufige Wutausbrüche
selbstverletzendes Verhalten (bspw. Ritzen)
Suizidgedanken, Suidzidversuche
fehlendes Ich-Bewusstsein ("Ich weiß nicht, wer ich bin.")
Gefühl der Leere
chronische Langeweile
starke Verlustängste
paranoide Fantasien
Angst, allein zu sein
Realitätsverlust
negatives Selbstbild ("ich bin böse / schlecht")
Verzweiflung
ausgeprägte Ängste
leichte Erregbarkeit
niedrige Reizschwelle
Rücksichtslosigkeit gegen sich und andere
selbstgefährdendes Verhalten (Alkohol, Drogen, kriminelle Handlungen)
erhöhte Risikobereitschaft (riskanter Sex, Extremsport)
permanente Angespanntheit
wechselnde Partnerschaften
plötzliche unbegründete Traurigkeit
Neigung zur Sucht

Der Begriff Borderline (Grenzlinie) bedeutet, dass sich die Symptome der Erkrankung weder dem Bereich der Psychosen noch dem Bereich der Neurosen zuordnen lassen. Die Betroffenen bewegen sich im Grenzbereich zwischen Neurose und Psychose. Allerdings wird die Störung in ihrer Gesamtheit den Persönlichkeitsstörungen zugeordnet. Die Borderline-Störung tritt häufig zusammen mit anderen Persönlichkeitsstörungen auf. Als Ursache gelten sowohl genetische Faktoren als auch frühere traumatische Erfahrungen wie Missbrauch, emotionale Vernachlässigung und ein soziales Umfeld, welches von Betroffenen überwiegend als demütigend, gefährdend oder fremd erlebt wurde.

Etwa drei Prozent der Bevölkerung leiden unter dem Borderline-Syndrom. Dabei ist der überwiegende Teil der betroffenen Patienten weiblich. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung tritt in der Regel zwischen dem 18. und dem 30. Lebensjahr auf. Häufig wird das Borderline-Syndrom von anderen psychischen Störungen begleitet. Dazu zählen unter anderem Depressionen, Aufmerksamkeits-Defizit-Störungen (wie ADHS) oder bipolare Störungen.

Borderline Syndrom

Borderline Syndrom – ein Wechselbad der Gefühle (Foto: Kamira | Bigstock)

Borderline Symptome im Detail

Betroffene werden zu Opfern ihrer eigenen, zum Teil heftigen Stimmungsschwankungen. Gefühle lassen sich nicht mehr steuern, was zu innerlichen Anspannungen führt. Um diese extremen Anspannungen zu verringern, setzen viele Betroffene auf selbstschädigende Verhaltensweisen. Sie ritzen (schneiden) sich selbst mit einer Rasierklinge oder einem Messer in den Unterarm, schlagen sich selbst oder drücken brennende Zigaretten auf ihrer Haut aus.

Nicht wenige Patienten schädigen oder gefährden sich auf andere Weise. Sie praktizieren gefährliche Sportarten oder enthemmten Sex, trinken exzessiv Alkohol, nehmen Drogen, fahren zu schnell mit dem Auto oder balancieren waghalsig auf Brückengeländern. Häufig berichten Betroffene von Selbstmordgedanken und -versuchen, da ihnen aufgrund der anhaltenden Stimmungs- und Gefühlsschwankungen die Sicherheit fehlt und sie eine innerliche Leere empfinden. Mitunter kommt es bei Borderline-Patienten zu gravierenden Essstörungen wie zum Beispiel einer Bulimie. Dabei dienen die regelmäßigen „Fressattacken“ dem Spannungsabbau. Dieses unkontrollierte Essverhalten kann zu Übergewicht mit all seinen gesundheitlichen Folgen wie Hormon- und Stoffwechselstörungen führen.

Menschen mit Borderline-Syndrom erleben ständig ein Wechselbad der Gefühle. Normalität gibt es nicht. Sie schwanken dauerhaft zwischen gefühlsmäßigen Extremen. Betroffene in einer Partnerschaft können es kaum ertragen, allein zu sein. Sie sind ständig verzweifelt darum bemüht, ihren Partner nicht zu verlieren. So lösen minimale Verspätungen oder ein vergessener Anruf bereits starke Ängste aus und werden vom Betroffenen als bedrohlich empfunden. Weiterhin wird der Partner so lange idealisiert, wie er die Bedürfnisse des Borderline-Patienten befriedigt. Kommt es zu Zurückweisungen oder Enttäuschungen, wird der Partner abgewertet, ohne ihn dabei zu verlassen. Das manipulierende Verhalten eskaliert. Der Borderliner zeigt sich nunmehr hilflos, schwach und neigt zu Masochismus oder Hypochondrie.

Zwischenmenschliche Beziehungen von Borderlinern sind häufig extrem intensiv und zugleich extrem instabil. Liebe und Hass liegen eng beieinander. So reicht mitunter ein falsches Wort, um die Gefühlswelt aus den Fugen zu bringen. Es folgen Aggressionen, Wutausbrüche, Angst, Panikattacken und völlige Verzweiflung. Dieses Verhalten wirkt auf Mitmenschen irritierend und befremdlich. So werden Borderliner als unberechenbar, aggressiv und launisch wahrgenommen.

Das sog. Ritzen ist typisch für Borderliner

Das sog. Ritzen ist typisch für Borderliner (Foto: Olga Sweet | Bigstock)

Außerdem können Menschen mit Borderline ihre eigene Person nicht eindeutig wahrnehmen oder einschätzen. Dies zeigt sich nicht selten in einem häufigen Wechsel der Wertvorstellung. Betroffene sehen sich selbst als böse. Insbesondere, wenn sie denken, dass sie verlassen wurden, empfinden sie das Gefühl, gar nicht zu existieren.

Auch ein übermäßiges Streben nach Perfektion und der häufige Wunsch das Beruf- und Privatleben zu ändern sind Anzeichen für das Borderline-Syndrom. So fehlt vielen Betroffenen ein konstantes und klares Identitätsgefühl. Selbstachtung und Selbstwertgefühl basieren auf aktuellen Erfolge und der Rückmeldung durch Dritte. Borderlinepersönlichkeiten empfinden meist ein chronisches Gefühl innerlicher Leere und Langeweile. Diese intensiven Emotionen sind oft mit körperlichen Empfindungen wie Spannung in der Brust oder Druck im Kopf verbunden. Als Folge werden die belastenden Emotionen mit selbstschädigenden Handlungen kompensiert.

Bei den Symptomen ist zu berücksichtigen, dass nicht jeder Borderline-Patient unter allen Symptomen leiden muss. Auch sind die Anzeichen bei jedem Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt.

Dipl.-W.Inf. Sebastian Fiebiger
Medizinjournalist

Leidest Du unter einer Borderline-Störung oder kennst Du jemanden, der darunter leidet? Wie lange hat es von den ersten Symptomen bis zur sicheren Diagnosen gedauert? Bei welchen Ärzten warst Du? Welche Untersuchungen wurden veranlasst? Wie wirst Du behandelt? Schlägt die Therapie an? Hast Du Tipps zum Umgang mit der Erkrankung? Schreib uns Deine Erfahrungen, Ergänzungen und Fragen – direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren. Du hilfst damit auch anderen Betroffenen.

1 Interview mit einer Borderline-Betroffenen
2 Borderline – Was ist mit den Angehörigen?
3 Dr. Proll – Hoffnung für Borderliner
4 Femokratie: Droht eine Borderline-Gesellschaft?

2 Kommentare Wichtige Hinweise
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
4,00 von 1-511 Stimmen
Loading...

Weitere Artikel zum Thema:
Kommentare:
Diskutieren, Fragen & Erfahrungsaustausch:
Zu diesem Beitrag gibt es erst 2 Kommentare. Schreib uns Deine Meinung!
  • 🕝 Samira

    Borderline (weibl. 51 Jahre)
    Von den ersten Symptomen bis zur Diagnose dauerte es ca. 20 Jahre (Ritzen, sexuelle Ausschweifungen, Alkohol, dissoziatve Zustände, gefährliche Situationen herausfordern, Psychosen, kein Selbstgefühl, suizidale Gedanken…..). Es waren gute Jahre dazwischen (lieben Ehemann gehabt), bis der völlige Zusammenbruch, aufgrund der Belastung nach dem fünften Kind, kam. Darauf habe ich die Ehe zerstört.
    Therapien habe ich alle abgebrochen, weil ich mir teilweise so albern vorkam. Malen, Basteln, Wandern…. nicht so wirklich meins. Auch nicht durch Räume laufen und „ich“ rufen 😯
    Die Wechseljahre haben mir letztes Jahr nochmal schwer zu schaffen gemacht, da habe ich das volle Programm noch einmal im Schnelldurchlauf gehabt. Teilweise nur Glück, dass ich noch lebe.
    Momentan habe ich das Gefühl in ruhigere Fahrwasser zu kommen! Das Auf und Ab des Zykluswechsels ist weg. Damit auch die heftige Migräne! Mit meinem jetzigen Mann bin ich seit über 10 Jahren zusammen. Irgendwie passt es, bei ihm ist auch vor über 20 Jahren eine Borderline Diagnose gestellt worden 😅.
    Es ist eine Beziehung mit viel emotionaler Bewegung. Immer mal wieder rutscht einer von uns ziemlich rechts oder links weg, aber wir finden immer wieder einen Weg zusammen. Wir wissen ja, dass auf schwierige Phasen auch wieder bessere Phasen kommen.
    Voll arbeitsfähig bin ich nicht. Durch die hohe psychische Belastung brauche ich viel zu lange, selbst für einfachste Dinge. Einkaufen kann durchaus zum Horrortrip werden, wenn ungeplant Situationen auf mich zukommen.
    Alles nicht einfach, aber auch schöne und lustige Erinnerungen.

  • 🕝 Borderline, w, 23 Jahre

    Bei mir wurde die Diagnose vor 4 Jahren gestellt, vermutet wird allerdings, dass ich schon viel länger damit rumlaufe.
    Es gibt unzählige Hinweise und Beweise, dass ich in der Kindheit schon die ersten Anzeichen hatte, wobei meine schwere Jugend mir dann den letzten Rest gegeben hat.
    Ich war in den letzten 5 Jahren 8 Mal stationär in verschiedenen Kliniken.
    Meist habe ich mich selbst eingewiesen, da ich den innerlichen Druck und die negativen Gedanken nicht mehr unter Kontrolle hatte.
    Ich bin jetzt gerade auch wieder stationär in Behandlung.
    Allerdings ist es diesmal keine Akutaufnahme gewesen, sondern mein Wunsch das DBT-Programm mitzumachen.
    Diese Therapieform ist extra für Borderline entwickelt und dauert 10 Wochen.
    Ich bin gerade in der 8. Woche und muss sagen, ich bin mehr als froh über diesen Schritt.
    Es ist eine verdammt harte und anstrengende Therapie, aber sehr effektiv.
    Ich bereue es keinesfalls und empfehle es immer wieder weiter.
    Die letzten Jahre waren gefühlt die schwersten meines ganzen Lebens.
    Seitdem ich die Therapie mache, sehe ich das Leben mit anderen Augen.
    Klar habe ich noch oft das Verlangen mich selbst zu verletzen, mich mit Alkohol zu betäuben oder auch Selbstmordgedanken.
    Allerdings ist es nicht mehr so häufig wie vor der Therapie, weil man hier lernt mit sich umzugehen, seine Gefühle besser unter Kontrolle zu haben und seine Problemverhalten vorzubeugen.
    Natürlich habe ich tierisch Angst vor der Zeit nach der Klinik.
    Zuhause ist nochmal alles anders.
    Aber mir ist bewusst, dass das große Lernen Zuhause erst anfängt und dass es auch nicht von jetzt auf gleich funktioniert.
    Es kann Monate/Jahre dauern bis man sich selbst gut im Griff hat.
    Übung macht den Meister!
    Aber ich nehme die Herausforderung an und stelle mich dem Leben.
    Auch, wenn hin und wieder Rückschläge kommen, bin ich bereit.
    Ich hab meine Unterlagen, meinen „Skillskoffer“ und die Notfallnummer meiner Psychologin immer bei mir.
    Man muss nur wollen!
    Und vor allem akzeptieren.
    Akzeptierst du dich und deine Erkrankung, bist du schon auf dem richtigen Weg!

Dein Kommentar:
« Vitamin B12 Mangel
» Parkinson