Wie hoch ist das Risiko für eine Infektion?
HIV & Oralverkehr

Oralverkehr: Das HIV-Risiko

Oralverkehr: Das HIV-Risiko ist gering aber nicht Null (Foto: Mayer George | Shutterstock)

Die einfache Antwort vorweg: Ja, auch durch Oralverkehr können sich beide Partner – also sowohl der aktive als auch der passive Part – mit HIV infizieren.

Allerdings ist das Risiko deutlich geringer als bspw. beim vaginalen Verkehr oder bei Analsex. Der Grund dafür ist einfach. Die Mundschleimhaut ist als klassische Eintrittspforte für Krankheitserreger auch gegen das HI-Virus deutlich resistenter. Außerdem werden eintretende Flüssigkeiten sofort durch Speichel verdünnt und von der Schleimhaut isoliert.

Risikofaktoren

Wie hoch das Risiko einer HIV-Übertragung beim Oralverkehr konkret ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Menstruation: Ist die Frau „Empfängerin“ der oralen Stimulation kann Menstruationsblut das Risiko für den Mann erhöhen.
  • Verletzungen: Infektionen über Verletzungen im Mundraum des stimulierenden Partners erhöhen das Risiko für diesen. Zu den Risikofaktoren gehören bspw. auch Herpes, Pilzbefall und Zahnfleischentzündungen.
  • Lusttropfen: Ob die Aufnahme des so genannten „Lusttopfens“ zu einer HIV-Infektion führen kann, ist umstritten. Die Studienlage ist nicht eindeutig. Eine Infektion ist aber aufgrund der – im Vergleich zum Ejakulat – geringeren Viruslast eher unwahrscheinlich.
  • Scheidenflüssigkeit: Auch die Aufnahme von Vaginalsekret mit dem Mund führt mutmaßlich nicht zu einer Infektion mit HIV. Auch hier ist die Studienlage noch nicht eindeutig.
  • Phase: Entscheidend für das Risiko der Übertragung ist auch die Phase, in der sich der infizierte Partner befindet. Am Anfang und in der Endphase der Erkrankung ist die Viruslast besonders hoch. Frisch Infizierte sind also besonders infektiös.
  • Schlucken: Die Aufnahme des Spermas mit dem Mund und das Schlucken erhöhen die Infektionsgefahr.

Wer beim Oralverkehr auf „Nummer Sicher“ gehen will, nutzt Kondome bzw. Dental Dams. Das empfiehlt sich vor allem deshalb, weil andere Infektionskrankheiten wie Syphilis durchaus oral übertragen werden.

Risiko Oralsex

Das Risiko einer HIV-Übertragung bei einmaligem Oralverkehr mit einem infizierten Partner:

Oralsex: 0 – 0,04 Prozent
Oralsex ohne Ejakulation: 0 – 0,005 Prozent
Oralsex aktiv: 0,01 Prozent
Oralsex passiv: 0,005 Prozent

Die Werte stammen aus verschiedenen Studien. Daher sind teilweise Spannenwerte angegeben.

Oralverkehr ohne Kondom und ohne Aufnahme von Ejakulat gilt als „Safer Sex“ Praxis. Vor allem für den Partner, dessen Mund nicht am oralen Liebesspiel beteiligt ist, gilt das Risiko als äußerst gering. Bislang ist kein Fall bekannt, bei dem auf diese Weise HIV übertragen wurde.

Speichel gilt aufgrund seiner sehr geringen Viruslast nämlich nicht als infektiöse Flüssigkeit. Um die für eine Infektion nötige Virusmenge zu erreichen bräuchte man mehrere Liter Speichel.

HIV Risiko Oralverkehr

Wer auf das Schlucken verzichtet, hält das Risiko gering (Foto: Piotr Marcinski | Shutterstock)

Sofort-Maßnahmen

Hat man versehentlich doch Sperma oder Blut mit dem Mund aufgenommen, sollte man:

  1. Es sofort ausspucken
  2. Den Mund gründlich spülen
  3. Die Spülflüssigkeit ausspucken

Teilweise wird eine Spülung mit desinfizierendem Mundwasser und Zahnpasta empfohlen. Auf sofortiges Zähneputzen sollte man verzichten, weil dadurch kleine Verletzungen entstehen können, die eine Übertragung wahrscheinlicher machen.

PEP

Ist der Partner bekanntermaßen HIV-positiv oder besteht der Verdacht, kann eine PEP (Postexpositionsprophylaxe) beim Arzt eingeleitet werden, um eine Infektion zu verhindern. Die meisten Ärzte raten – aufgrund des geringen Risikos beim Oralverkehr – allerdings davon ab.

Autor Dipl.-W.Inf. Sebastian Fiebiger MedizinjournalistDipl.-W.Inf. Sebastian Fiebiger (42)
Medizinjournalist

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