Übertragung, Behandlung und LangzeitfolgenHIV

Die wichtigsten Informationen über HIV – wie es übertragen wird, welche Behandlungsmethoden Erfolg versprechen und welche Langfristfolgen auftreten.

HIV

HIV (Abbildung: RAJ CREATIONZS | Shutterstock)

Eine Infektion mit HIV (Human Immunodeficiency Virus) ist eine Retrovirusinfektion, die mehrere Phasen durchläuft und über einen Zeitraum von 9 – 15 Jahren vom Immunsystem in Schach gehalten werden kann. Erste Symptome nehmen einen ähnlichen Verlauf wie eine Grippeinfektion oder werden überhaupt nicht wahrgenommen. Die T-Zellen, Schlüsselzellen für die Immunabwehr, werden im Laufe der Zeit vom Virus angriffen und dazu benutzt, weitere Viruskopien anzulegen, um sie anschließend zu zerstören. Erst wenn das Immunsystem zusammengebrochen ist, wandelt sich eine HIV-Infektion im letzten Stadium zu AIDS, dem „Erworbenen Immundefizit-Syndrom“.

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Übertragung

Für eine Übertragung scheinen generell die Blutmenge, die Anzahl der Erreger, die Häufigkeit ungeschützter Sexualkontakte sowie eine nicht intakte Hautbarriere entscheidend zu sein. Das kann bedeuten, dass eine mangelhafte Immunabwehr bei einem einzigen Kontakt zur Infektion führt oder jahrelange Wiederholung ohne Folgen bleibt. Die höchsten Konzentrationen an HI-Viren finden sich bei Infizierten in Blut, Muttermilch, Samenflüssigkeit, Vaginalsekret und auf der Oberfläche der Darmschleimhaut. HIV kann nicht durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Speichel oder Tränenflüssigkeit als Übertragungsmaterial scheiden durch die geringe Viren-Konzentration in den meisten Fällen aus.

Behandlung

Ein antiretroviraler Medikamenten-Mix ermöglicht es seit geraumer Zeit, mit einer HIV-Infektion ein fast normales Leben zu führen. Ziel der Therapie ist es, in einem Zeitraum von drei bis maximal sechs Monaten nach Erstdiagnose ein Absinken der Viruslast von unter 50 Viruskopien/ml (Nachweisgrenze) zu erreichen. Es kann zu Therapieversagen kommen, wenn dem Therapiebeginn eine andere antivirale Therapie vorangegangen ist, eine chronische Infektion beispielsweise mit Hepatitis C vorliegt und Wechselwirkungen während der Therapie zur Resistenz führen. Eine regelmäßige Einnahme und Resistenzkontrolle der antiviralen Medikamente – noch bevor es zu einem Ausbruch von AIDS kommt – lassen sogar die Erfüllung eines Kinderwunsches zu. Etwa 75 % aller Infizierten in Deutschland sind zwischen 20 und 40 Jahren alt. Die allgemeine Lebenserwartung HIV-Infizierter erreicht mittlerweile fast die von Nicht-Infizierten.

Langzeitfolgen

Auf der körperlichen Ebene stellen sich jedoch häufig Nebenwirkungen durch die Medikamenteneinnahme ein. Es lagern sich unter Umständen durch eine Veränderung des Stoffwechsels Fettpolster ein. Auch die Entwicklung eines Diabetes wird unter der retroviralen Therapie beobachtet. Mit einer angemessenen Lebensführung, Überwachung und Diät lassen sich diese unangenehmen Nebenwirkungen allerdings mildern. Zu den neurologischen Störungen gehört die HIV-assoziierte Demenz, die ähnliche Symptome wie das Alzheimer-Krankheitsbild entwickelt. Bei Langzeitüberlebenden (mehr als zehn Jahre) kann es im Laufe des physiologischen Alterungsprozesses zu entzündlichen Veränderungen des Zentralen Nervensystems und zu schmerzhaften Neuropathien (Erkrankungen des peripheren Nervensystems) kommen. Weitere neurologische Erkrankungen werden unter Umständen von Alkohol- und Drogenmissbrauch, psychiatrischen Erkrankungen und Koinfektionen begünstigt. Eine psychotherapeutische Begleitung, besonders in den ersten Phasen der Erkrankung, ist ein entscheidender Teil des Therapieplans zur Bewältigung der Erkrankung.

Pozzen

Als „Pozzen“ wird die absichtliche Ansteckung mit dem HI-Virus bezeichnet. Seit 2003 ist dieses Phänomen immer wieder Gegenstand von Medienberichten. Als Motiv hinter dieser absurden Praxis steht offenbar der Reiz, etwas „Verbotenes“ zu tun und sich bewusst einer hohen Gefahr auszusetzen. Auch die permanente Angst vor einer HIV-Infektion und der Wunsch unbefangen ungeschützten Geschlechtsverkehr mit HIV-Positiven haben zu können, gehören den Berichten zufolge zu den Hintergründen des Pozzens. Es aber strittig, ob dieses Phänomen jenseits von Einzelfällen überhaupt existiert bzw. relevant ist.

Updates

1 Auseinandersetzung mit AIDS-Leugnern

Erfahrungsberichte und Patientenerfahrungen

2 Umgang mit einem HIV-positiven Fußballer

Rechtliches

3 Kündigung wegen HIV-Infektion ist unzulässig
4 Symptomlose HIV-Infektion ist Behinderung im Sinne des AGG

Sebastian Fiebiger: Hast Du Informationen über HIV, die hier fehlen? Kannst Du einen persönlichen Erfahrungsbericht beitragen? Schreib uns Deine Erfahrungen, Ergänzungen und Fragen – direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren. Du hilfst damit auch anderen Lesern.

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