Der wachsende Markt der Online-PsychotherapieOnline-Psychotherapie – Chancen, Probleme und Angebote

Wie sich Onlinetherapien in der Psychotherapie etablieren, welche Probleme das mit sich bringt und welche Chancen die neuen Therapieformen bieten.

Onlinetherapien liegen im Trend

Onlinetherapien liegen im Trend (Foto: Rocketclips, Inc. | Shutterstock)

Gerade in ländlichen Regionen mangelt es an Psychotherapeuten. Die Kassensitze sind knapp und der steigenden Nachfrage nach Therapien kann häufig nicht zufriedenstellend entsprochen werden. Termine werden daher weit im Voraus vergeben, was in akuten Fällen zur großen Belastung für Patienten werden kann. Daher haben sich zunehmend weitere Therapieformen entwickelt, etwa ein online-gestützes Vorgehen. Dieses gehört aber noch nicht zu den von Krankenkassen standardmäßig erstatteten Verfahren.

Psychotherapie vs. Beratung

Psychologen, Heilpraktiker oder Psychologische Berater und Coaches nutzen zunehmend die Möglichkeiten des Internets, um Klienten zu helfen und diese bei Problemen zu unterstützen. So werden Beratungen etwa per Mail, per Chat oder auch telefonisch angeboten. Betroffene können so den Kontakt mit dem Berater aufnehmen, eine Anfrage stellen oder ein Angebot anfordern. Ein bekanntes Beispiel ist etwa dieonlinepsychologen.de. In vielen Fällen sind die Leistungen kostenpflichtig und es wird nach einem festgelegten Minutenpreis oder einer Pauschale für schriftliche Beratungen abgerechnet, die der Fragesteller bezahlt. Einige Portale bieten auch kostenlose Hilfe bei Problemen und finanzieren sich etwa über Werbeeinblendungen oder Spenden.

Eine richtige Psychotherapie ist hier meistens nicht beinhaltet, da es sich eher um einen einmaligen Kontakt handelt und keine längerfristige Begleitung vorgesehen ist. Als Bestandteil einer Psychotherapie kann der Online-Austausch aber durchaus in das Therapieprogramm einbezogen werden. Dies ist etwa dann der Fall, wenn sich Therapeut und Patient auch außerhalb der regulären Therapiesitzungen webbasiert austauschen und dabei etwa die Übertragung des Gelernten in den Alltag besprochen wird. Eine akute Verschlechterungen der Problematik kann so ebenfalls abgefangen werden.

Integration von Online-Medien in die Psychotherapie

Eine klassische Psychotherapie mit Einzel- und Gruppensitzungen kann durchaus von Online-Elementen profitieren. Patienten mit ausgeprägten sozialen Ängsten haben etwa häufig Schwierigkeiten, sich dem Therapeuten in einem ersten Gespräch anzuvertrauen oder überhaupt erst persönlich Kontakt aufzunehmen. Auch Betroffene mit einer Agoraphobie, also der ständigen Sorge, im Falle einer Panikattacke nicht schnell genug Hilfe zu erhalten und nicht aus der Situation fliehen zu können, profitieren von einer Online-Therapie. Denn hier können sie von ihrer vertrauten Umgebung aus – der eigenen Wohnung – Kontakt zum Therapeuten aufnehmen und mit diesem onlinebasiert erste Aspekte ihres Problems bearbeiten. Ist dieser initiale Schritt erst einmal getan, fällt es leichter, später den realen Kontakt aufzunehmen.

Onlinetherapien

Onlinetherapien: Chance vs. Risiko (Foto: Pressmaster | Shutterstock)

Probleme der Online-Therapie

Viele Psychologen und Therapeuten sind für Patienten auch außerhalb der eigentlichen Therapiesitzungen per Mail erreichbar und haben somit in gewisser Weise Aspekte einer Online-Therapie in ihr Vorgehen integriert. Reine Online-Therapien hingegen haben noch einen Sonderstatus und gehören darüber hinaus nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Dennoch gibt es bereits Überlegungen, genau diesen Katalog anzupassen und Online-Formen der Therapie in die Krankenkassenleistungen aufzunehmen – schließlich können so ebenfalls die bei einer Präsenztherapie vergleichsweise hohen Kosten eingespart werden.

Für Therapeuten hingegen bedeutet die Online-Therapie einen zunächst verminderten Kontakt zum Patienten. Dies kann das Entstehen einer unterstützenden therapeutischen Beziehung erschweren. Auch können Expositionsübungen, bei denen Patienten unter Anleitung bestimmte Übungen durchführen, ohne direkten Kontakt zum Patienten oftmals weniger effektiv durchgeführt werden.

Dipl.-W.Inf. Sebastian Fiebiger
Medizinjournalist

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