Symptome, Behandlung, Operation und Heilungschancen
Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfall - Schematischer Darstellung

Bandscheibenvorfall – Schematische Darstellung (Abb.: CLIPAREA l Custom media | Shutterstock)

Der Bandscheibenvorfall gehört zu häufigsten Wirbelsäulenerkrankungen. Er bezeichnet eine, meist schmerzhafte Verengung des jeweiligen Wirbelkanals. Bei dieser Verengung ist der sogenannte Faserknorpelring in Mitleidenschaft gezogen und wird teilweise oder ganz zerrissen. Bandscheibenvorfälle müssen nicht immer mit Schmerzen verbunden sein. Die dauerhafte Veränderung der Bandscheibe geschieht in einem schleichenden Prozess, der häufig unbemerkt bleibt.

Röntgenaufnahme eines Bandscheibenvorfalls

Röntgenaufnahme eines Bandscheibenvorfalls (Foto: LaCameraChiara | Shutterstock)

Die Bedeutung der 23 Bandscheiben der Wirbelsäule werden den meisten Menschen erst dann bewusst, wenn die Beweglichkeit durch einen Bandscheibenvorfall eingeschränkt ist. Sie sorgen für die Elastizität der Wirbelsäule. Gleichzeitig fungieren sie als kleine Pufferzonen zwischen den einzelnen Wirbeln. Bei einem schwerwiegenden Bandscheibenvorfall tritt der Gallertkern aus dem schützenden Faserring aus. Die Folge sind Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Durch die Verlagerung kann es zur Einklemmung des Rückenmarks oder der Spinalnerven kommen.

Bandscheibenvorfall Symptome

Die typischen Symptome eines Bandscheibenvorfalls
Rückenschmerzen (oft in Arme und Beine ausstrahlend)
Gefühlsstörungen
Krämpfe
Lähmungen
Inkontinenz
Taubheitsgefühle
Kribbeln
Schulterschmerzen
Muskelschwäche
häufiges Stolpern ohne Anlass
Unvermögen, sich auf die eigenen Zehenspitzen zu stellen
Blasenfunktionsstörungen
Darmbeschwerden
durch Husten oder Niesen verstärkte Schmerzen

Schmerzen im Rücken können viele Ursachen haben. Eine häufig gestellte Diagnose bei plötzlich auftretenden und bei chronischen Rückenschmerzen ist ein Bandscheibenvorfall. Bei diesem Krankheitsbild ist die Bandscheibe, die sich als Puffer zwischen zwei Wirbelkörpern der Wirbelsäule befindet, durch zu großen Druck, eine Fehlbelastung oder durch ein altersbedingtes Nachlassen der Elastizität geschädigt worden. Der feste Faserring der Bandscheibe wird dabei verletzt. Die gallertartige Substanz, die die Bandscheibe im Inneren ausfüllt, kann austreten und auf die umliegenden Nervenstrukturen drücken.

Symptome bei einem Bandscheibenvorfall

Die Beschwerden, die ein Bandscheibenvorfall auslösen kann, sind davon abhängig, wo sich die Verletzung der Bandscheibe befindet und wie stark die Vorwölbung des Nucleus pulposus, also des Gallertkerns der Bandscheibe, ausgeprägt ist. Schmerzen, Taubheitsgefühle oder ein unangenehmes Kribbeln in den Armen oder Beinen werden dann ausgelöst, wenn der Austritt aus der Bandscheibe auf Nerven oder auf Nervenwurzeln drückt. Am häufigsten tritt ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbel auf.

Schmerzen durch einen Bandscheibenvorfall

Durch die Komprimierung von Nerven oder Nervenwurzeln kann es zu heftigen stechenden Schmerzen kommen. Bewegt sich der Betroffene, verstärken sich meist die Beschwerden. Allein durch Niesen oder Husten können sich die Schmerzen verschlimmern. Bei einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule kommt es zu dem typischen „Ischias“ oder „Hexenschuss“, die Schmerzen in der Region der Lendenwirbelsäule verursachen können. Die schmerzhaften Beschwerden können jedoch auch über das Gesäß bis hinunter in das gesamte Bein ausstrahlen. Kommt es zu einem Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbel, kann es zu Rückenschmerzen, Schmerzen im Nacken und in den Armen kommen.

Die Nervenschmerzen werden durch den Druck verursacht, den der ausgetretene Kern der Bandscheibe ausübt. Beeinträchtigt die Vorwölbung den Nerv sehr stark, kann es zu Störungen bei der nervalen Tätigkeit und damit zu neurologischen Symptomen kommen. Das bedeutet, dass im Bereich des Rückens, der Arme und der Beine Taubheitsgefühle, ein unangenehmes Kribbeln, das sogenannte „Ameisenlaufen“, oder ein pelziges Gefühl in den Extremitäten auftreten kann. Bei stark beeinträchtigten Nerven kann es zum vollkommenen Ausfall der Nervenfunktion und damit zu Lähmungserscheinungen kommen. Betroffene können auch über Sensibilitätsverluste klagen. Das bedeutet, dass die Patienten in bestimmten Hautsegmenten weder Schmerz noch Temperatureinflüsse spüren können. Bei Lähmungserscheinungen und bei auftretender Harn- oder Stuhlinkontinenz, die durch einen schweren Bandscheibenvorfall plötzlich ausgelöst werden, handelt es sich um einen medizinischen Notfall. Die beeinträchtigten Nerven müssen umgehend durch einen operativen Eingriff entlastet werden.

Durch die Reaktion der Schmerzrezeptoren im Gewebe, die entzündlichen Begleiterscheinungen im Bereich der Bandscheibe und der komprimierten Nerven kommt es zu Muskelverhärtungen. Betroffene nehmen häufig eine Schonhaltung ein, um den Schmerz zu lindern. Die Muskulatur, die die Wirbelsäule umgibt und stützt, blockiert und versteift sich. Dadurch wird das Schmerzempfinden nach einem Bandscheibenvorfall zusätzlich verstärkt.

Lage der Bandscheiben im menschlichen Körper

Lage der Bandscheiben im menschlichen Körper (Foto: Sebastian Kaulitzki | Shutterstock)

Trotz Bandscheibenvorfall keine Beschwerden

Durch bildgebende Verfahren werden immer wieder zufällig Bandscheibenvorfälle festgestellt. Die betroffenen Patienten weisen jedoch keine krankhaften Symptome auf, die durch den Bandscheibenvorfall verursacht werden. Wenn keine Nerven durch die Vorwölbung des Gallertkerns der Bandscheibe beeinträchtigt sind, kann der Bandscheibenvorfall auch vollkommen schmerzfrei und ohne neurologische Ausfälle verlaufen.

Zusammenfassung

Ein Bandscheibenvorfall kann äußerst schmerzhaft sein. Die Symptome lassen sich allerdings ohne ärztliche Untersuchung nicht immer richtig zuordnen. Verursacht werden die Symptome durch die auf das Rückenmark drückende Bandscheibe. Das empfindliche Nervensystem reagiert darauf mit Signalen in unterschiedlicher Intensität. Dazu zählen Schmerzen und Taubheit in verschiedenen Körperregionen.

Schmerzen

Wo die Schmerzen auftreten, ist davon abhängig, wo der Bandscheibenvorfall lokalisiert ist. Häufig ist der Lendenwirbelbereich betroffen, auch im Halswirbel- und Brustbereich können sich Schmerzen bemerkbar machen. Diese treten manchmal plötzlich auf und verschwinden, sobald die Körperhaltung geändert wird. Daneben können Schmerzen in den Kopf, die Arme und die Beine ausstrahlen.

Taubheit

Drückt die betroffene Bandscheibe direkt auf eine Nervenbahn, können neben den Schmerzen Taubheitsgefühle, meist in den Armen oder Beinen, auftreten. Dies kann in schweren Fällen bis hin zu Lähmungserscheinungen führen. Aufgrund der Beschwerden wird meist eine Schonhaltung eingenommen, die zu Verspannungen führt. Diese können mit weiteren Schmerzen verbunden sein.

Kategorisierung und Einordnung

Synonyme: Bandscheibenvorfall, Bandscheibenprolaps, Diskusprolabs, Diskopathie, Diskushernie, Nucleus pulposus-Prolaps
ICD-10: M51.2
Kategorie: Erkrankungen der Wirbelsäule
Fachgebiet: Orthopädie, Neurologie

Häufigkeit und Verbreitung

Bei etwa einem Drittel der 30-Jährigen lässt sich unter Bildgebung (CT/MRT) mindestens ein Bandscheibenvorfall finden. Allerdings verursachen nur die wenigsten davon Beschwerden.

Lokalisation

Rund 90 Prozent der Bandscheibenvorfälle ereignen sich im Lendenwirbelbereich, knapp 10 Prozent im Halswirbelbereich. Sehr selten sind Bandscheibenvorfälle der Brustwirbesäule.

Ursachen

Eine dauerhaft unzureichende Flüssigkeitszufuhr ist ein Mitverursacher für Bandscheibenvorfälle. Denn der Gallertkern benötigt täglich ausreichend Flüssigkeit, um sich aufzufüllen und die Wirbel zu schützen. Auch Bewegungsmangel und langes Sitzen können über einen langen Zeitraum hinweg einen Bandscheibenvorfall begünstigen. Mit zunehmendem Alter verlieren die Bandscheiben die Fähigkeit der nächtlichen Regeneration und zeigen Verschleißerscheinungen. Wird die Wirbelsäule jetzt nicht durch eine trainierte Muskulatur gestützt, ist ein Vorfall der Bandscheiben früher oder später wahrscheinlich. Eine Verbesserung der Trinkgewohnheiten sowie regelmäßige Bewegung können die Situation verbessern und eine Operation verzichtbar machen.

Auch Fehl- und Überbelastungen der Wirbelsäule gelten als ursächlich für Bandscheibenvorfälle. Eine permanente Überlastung der Wirbelsäule kann auch durch starkes Übergewicht entstehen. Kurzfristige Überlastungssituationen sind bspw. Sprünge aus großer Höhe, schnelle Drehbewegungen – etwa beim Golfen – und das Heben schwerer Lasten. Schwangere haben – wegen der zusätzlichen Belastung durch das Kind – ein erhöhtes Risiko, einen Bandscheibenvorfall zu erleiden.

Phasen des Bandscheibenvorfalls

Phasen des Bandscheibenvorfalls (Abb.: Designua | Shutterstock)

Risikofaktoren

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für einen Bandscheibenvorfall:

  • Bewegungsarmut
  • Flüssigkeitsdefizit durch zu geringe Trinkmenge
  • Heben schwerer Lasten
  • hohes Lebensalter
  • langes Sitzen
  • schnelle Körperdrehungen (bspw. beim Golf spielen)
  • Schwangerschaft
  • Sprünge aus großer Höhe
  • Übergewicht
  • untrainierte Rückenmuskulatur

Diagnose: Was macht der Arzt?

Der Arzt wird zunächst ein ausführliches Patientengespräch (Anamnese) führen, um das Beschwerdebild möglichst genau einschätzen zu können. Sichergestellt wird die Diagnose durch Bildgebung (MRT oder CT). Zusätzlich werden i.d.R. neurologische Untersuchungen veranlasst.

Differentialdiagnosen

  • degenerative Veränderungen der Wirbelsäule
  • diverse neurologische Erkrankungen
  • Einklemmung des Spinalnervs
  • Entzündung des Spinalnervs
  • Entzündungen der Wirbelgelenke
  • Muskelverspannungen im Rückenbereich
  • Wirbelbruch
  • Wirbelsäulentumore

Behandlung und Therapie

Sofortmaßnahmen bei akuten Schmerzen:

Der Patient wird auf eine harte Unterlage in ein Stufenbett gelegt. Zusätzlich kann die betroffene Region mit Wärme behandelt werden, um für eine Schmerzlinderung zu sorgen. Auch Schmerzmedikamente werden i.d.R. in Akutsituationen verabreicht. Die Schmerzmittel werden dabei häufig per Spritze injiziert.

Treten die Schmerzen im Bereich der Halswirbel auf, wird der Bereich mit einer „Halskrause“ entlastet.

Nach Abklingen der Schmerzen wird man oft zunächst versuchen, den Bandscheibenvorfall konservativ zu behandeln. Dazu bekommt der Patient eine spezielle Krankengymnastik verordnet und wird angeleitet, die Rücken- und Bauchmuskulatur zu stärken. Auch eine Verbesserung der Körperhaltung steht im Fokus des konservativen Therapieversuchs.

Operation

Ist mit konservativen Mitteln keine Besserung zu erreichen, muss der Bandscheibenvorfall meist operiert werden. Treten neurologische Störungen auf, wird man auf den konservativen Therapieversuch verzichten und sofort operieren, um eine nachhaltige Nervenschädigung zu verhindern. Dabei ist das primäre Ziel der Operation, störendes, den Nerv einengendes Gewebe zu entfernen. Das Operationsverfahren richtet sich nach dem Ausmaß des Bandscheibenvorfalls. Heute kommen aber meist minimalinvasive Verfahren zum Einsatz. Offene Operationen sind selten geworden.

Derzeit gibt es unter Medizinern kontroverse Diskussionen über das Operieren von Bandscheibenvorfällen. In Studien gibt es erste Anhaltspunkte dafür, dass die Operation der konsequent durchgeführten konservativen Behandlung nicht überlegen ist. Zieht man dabei auch die Risiken einer Operation mit in die Betrachtung ein – so die Kritiker – lässt sich eine Operation eigentlich nur in solchen Fällen rechtfertigen, wo Folgeschäden – etwa der Nerven – zu erwarten sind.

Bandscheibenprothesen

Inzwischen sind erste Bandscheibenprothesen aus Metall und Kunststoff auf dem Markt. Ob diese einen medizinischen Vorteil gegenüber der bisherigen Behandlung bieten, ist Gegenstand intensiver Forschung.

Vorbeugung

Wer einem Bandscheibenvorfall vorbeugen will, sollte insbesondere die Risikofaktoren meiden. Neben einer ausreichenden Trinkmenge kommt der körperlichen Bewegung besondere Bedeutung zu. In den meisten Städten gibt es spezialisierte Kurse für Rückentraining / Rückenschule. In diesen Kursen lernen die Teilnehmer, wie sie Rücken- und Bauchmuskulatur gezielt aufbauen, um Rückenprobleme zu vermeiden. Auch das richtige Tragen, Heben und Sitzen wird unterrichtet.

Heilungschancen und Prognose

Bandscheibenvorfälle sind gut therapierbar. Mehr als 90 Prozent der Patienten sind bereits nach der konservativen Therapie schmerzfrei. Bei Patienten, bei denen eine Operation nötig wird, führen etwa 90 Prozent davon zu einem mindestens zufriedenstellenden Ergebnis.

Fachbegiffe

Anulus Fibrosus – der Faserring, der den Gallert-Kern der Bandscheibe umschließt
Nucleus Pulposus – der Gallertkern im Inneren der Bandscheibe

Fragen und Antworten?

Muss jeder Bandscheibenvorfall operiert werden?

Nein. Wenn der Vorfall der Bandscheibe keine neurologischen Störungen verursacht, kann er konservativ behandelt werden. Für den Erfolg der konservativen Behandlung ist deren konsequente Durchführung entscheidend. Da sich Muskeln im menschlichen Körper ohne Belastung schnell zurückbilden (atrophieren), müssen die Übungen lebenslang durchgeführt werden, um die Wirbelsäule zu stabilisieren.

Wichtiger Hinweis

Neurologische Störungen: Treten in Verbindung mit Rückenschmerzen neurologische Störungen – wie Lähmungen, Taubheitsgefühle, Gefühlsstörungen, Muskelschwäche, Inkontinenz – auf, handelt es sich um einen medizinischen Notfall. Suchen Sie in diesem Fall unverzüglich einen Arzt auf oder verständigen Sie den Notruf. Es drohen bleibende Nervenschäden, die bei rechtzeitiger Behandlung meist vermeidbar sind. Eingeklemmte Nerven müssen innerhalb von wenigen Stunden neurochirurgisch versorgt werden. Sonst drohen dauerhafte Schäden.

Patientenerfahrungen?

Sebastian Fiebiger: Hast Du den Verdacht, dass Du unter einem Bandscheibenvorfall leidest? Welche Symptome liegen vor? Warst Du schon beim Arzt? Oder hast Du bereits einen diagnostizierten Bandscheibenvorfall? Mit welchen Symptomen hat er sich geäußert? Wie wurde er behandelt? Mit Erfolg? Schreib uns Deine Erfahrungen, Ergänzungen und Fragen – direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren. Du hilfst damit auch anderen Betroffenen.

Kommentieren? 20.08.2018 Wichtige Hinweise
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