Therapien
Krampfadern

Krampfadern (medizinisch Varizen) sind erweiterte, meist knotig veränderte Venen. Es handelt sich um ein Volksleiden – ca. 35% der Erwachsenen haben nachweisbare Venenschäden. Der Erkrankungsbeginn ist meist um das 30. Lebensjahr, Frauen sind besonders häufig betroffen. In der Regel ist das oberflächliche System betroffen (vor allem die Vena saphena magna, seltener die Vena saphena parva). Nach einer Beinvenen-Thrombose kann im Rahmen eines postthrombotischen Syndroms auch das tiefe System betroffen sein.

Nicht selten sind zusätzlich Seitenäste, Verbindungsvenen zwischen tiefem und oberflächlichem System (Perforans-Venen) oder kleine Hautvenen („Besenreiser“) betroffen. Ästhetisch störende Besenreiser sollten Anlass geben, nach einer Schwäche im weiteren Venensystem zu suchen (Indikatorfunktion).

Entstehung & Ursachen

Die häufigere oberflächliche Varikosis entsteht meist primär, d.h. ohne ursächliche Vorerkrankung. Risikofaktoren sind sitzende oder stehende Tätigkeiten, Bindegewebsschwäche (genetisch bedingt, bei fast allen Betroffenen vorhanden), Übergewicht und Schwangerschaft.

Symptome

Symptomatisch wird die Venenschwäche meist durch ein Schwere- und Spannungsgefühl in den Beinen, auch Wassereinlagerungen (Ödeme) sind typisch. Später kommen Wunden (typischerweise an der Innenseite des Unterschenkels) und Hautverfärbungen durch die gestörte Durchblutung dazu.

Bei starker Belastung der Beine können Betroffene unter geschwollenen und müden Beinen leiden. Bei besonders starken Krampfadern kann es zu einer eingeschränkten Blutzirkulation kommen und die Adern färben sich blau.

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Behandlung

Eine Therapie sollte bei entsprechendem Befund zeitnah erfolgen, da im schlimmsten Fall eine Thrombose mit Lungenembolie droht. Bei den meisten nicht invasiven Verfahren wird die Innenschicht der erkrankten Vene zerstört, so dass die Krampfader aus dem Blutkreislauf ausgeschaltet wird.

Minimal-invasive Methoden

Das kann thermisch (Laser, Radiofrequenztherapie) oder toxisch-chemisch (Sklerosierung) erfolgen. Die erkrankte Vene wird bei den Verfahren nicht entfernt. Auch ein Abbinden der einzelnen Krampfaderäste (Ligatur) ist möglich, diese so genannte CHIVA-Methode hat sich hierzulande allerdings noch nicht durchgesetzt.

Stripping und Crossektomie

Erst an zweiter Stelle stehen die offenen operativen Verfahren, z.B. das Ziehen (Stripping) der Haupt-Krampfader mit Entfernung des insuffizienten Venensterns (Crossektomie). Geschwächte Seitenäste müssen zusätzlich entfernt werden, um ein Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern. Das Stripping kann über verschiedene Methoden erfolgen, am bekanntesten ist das Entfernen der Vene mit einer so genannten Babcock-Sonde. Schonende Verfahren (z.B. das Kryo-Stripping mit Kältesonde) setzen sich jedoch immer mehr durch.

Veröden: Behandlung kleiner Krampfadern

Veröden von Krampfadern

Veröden von Krampfadern (Foto: Vasily Smirnov | Shutterstock)

Bei kleineren Krampfadern im Unterschenkelbereich und den so genannten Besenreisern ist eine Verödung sinnvoll. Diese Behandlung wird ambulant durchgeführt und ist nahezu schmerzfrei. In die betroffene Vene wird ein Mittel gespritzt, welches eine Entzündung der Vene auslöst. Unmittelbar danach wird eine Bandage am Bein angelegt, welche das Zusammendrücken und Verkleben der Vene unterstützt. Diese Bandagen sind bis etwa drei Wochen nach dem Eingriff zu tragen. Um die Behandlung wirkungsvoll zu unterstützten, sollte man sich viel bewegen.

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Operation

Stark ausgeprägte Krampfadern werden meist operativ entfernt. Hierfür ist ein etwa einwöchiger Krankenhausaufenthalt notwendig. Zunächst wird der Mediziner mittels Röntgen oder Ultraschall die Durchgängigkeit der tiefen Beinvenen prüfen. Unter Vollnarkose werden im Anschluss kleine Einschnitte am Fußknöchel, an der Kniekehle und in der Leistenbeuge vorgenommen, so dass sich die Vene komplett entfernen lässt. Mittels Stripping können Teile der Krampfadern entfernt werden, hierfür wird eine Sonde in die Vene eingeführt.

Als besonders schonend erweist sich die Chiva-Methode. Die kranken Venen werden mittels Ultraschall aufgespürt und nach einem kleinen Einschnitt in die Haut gezielt abgebunden. Einzelne Abschnitte lassen sich von innen veröden – durch die Laser- und Radiowellentherapie. Nach dem operativen Eingriff wird ein Druckverband angelegt, um Blutungen zu verhindern. Wenn möglich sollte man unmittelbar am Operationstag mit ersten Laufübungen beginnen, um der Bildung eines Blutgerinnsels vorzubeugen.

Postoperativ, prophylaktisch (vor allem, wenn über den Tag viel gestanden wird) aber auch therapeutisch bei leichten Formen von Krampfadern ist das Tragen von Kompressionsstrümpfen zu empfehlen. Diese sollten in einem Fachhandel individuell angepasst werden.

Linderung verschaffen können zusätzlich kalte Güsse (wirken venentonisierend, stärken also den Muskelmantel des Gefäßes), Salben mit Rosskastanie und kühle Umschläge. Auch sollten müde Beine öfter hochgelegt werden, um den Blutstau zu lösen.

Sinnvoll ist eine Anbindung an einen Venenfacharzt (Phlebologen) oder an ein Venenzentrum. Dort lässt sich die Therapie individuell abstimmen, verschiedene Ansätze können so sinnvoll ergänzt und Komplikationen frühzeitig erkannt werden.

Vorbeugen

Krampfadern: Etwa die Hälfte aller Frauen und ein Viertel aller Männer leiden unter ihnen. Zwar treten sie erst ab einem bestimmten Lebensalter auf, die Anlage dazu tragen betroffene Menschen allerdings schon seit der Geburt, denn Krampfadern sind erblich. Trotzdem muss man sich seinem „Schicksal“ nicht kampflos ergeben. Es gibt zahlreiche Faktoren, die die Entstehung von Krampfadern begünstigen. Ebenso gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, dem Fortschreiten einer Venenschwäche vorzubeugen. Wer seine Risiken minimiert und einen aktiven Beitrag zu seiner Venengesundheit leistet, hat gute Chancen, auf gesunden Beinen durchs Leben gehen zu können.

Begünstigende Faktoren

Begünstigt werden Krampfadern durch wenig körperliche Bewegung sowie durch langes Stehen oder Sitzen. Auch hormonelle Veränderungen innerhalb des Organismus können Krampfadern begünstigen. Die Einnahme der Pille bzw. eine Schwangerschaft erhöhen das Risiko, an einem Venenleiden zu erkranken. Ein weiterer Risikofaktor ist Übergewicht. Und auch falsche Kleidung kann die Bildung von Krampfadern fördern, beispielsweise hohes, unbequemes Schuhwerk, enge Hosen oder ein zu enger Sockenbund, der den venösen Blutstrom behindert. Wer diese Faktoren kennt, kann entsprechend handeln und vorbeugen.

Bewegung hilft

Regelmäßige, ausgewogene Bewegung sorgt dafür, dass das Blut gut aus den Venen abfließen kann. Gleichzeitig hilft Bewegung auch, eventuelles Übergewicht zu reduzieren. Nach dem Spaziergang oder dem Sport darf man die Beine ruhig einmal hochlegen und bewusst entspannen. Auch kaltes Abduschen der Beine wirkt sich positiv auf das Venensystem aus.

Grundsätzlich gilt: Alles, was die Gefäße weitet, sollte gemieden werden. Dazu gehört der Besuch der Sauna ebenso wie zu lange und intensive Sonnenbestrahlung. Alles, was den Kreislauf anregt und speziell die Wadenmuskulatur aktiviert, wirkt sich positiv auf die Venen aus.

Wer einen sitzenden oder stehenden Arbeitsplatz hat, kann regelmäßig kleine Übungen in den Alltag einbauen. Es gibt spezielle Gymnastikübungen für die Venen, die problemlos im Arbeitsleben ausgeführt werden können. Das Wippen auf den Zehenspitzen beispielsweise oder das kräftige Auf- und Abbewegen des Fußes im Gelenk. Wer diese Übungen bewusst ausführt, wird die Spannung in der Wadenmuskulatur bemerken. Die Anspannung der Muskulatur wirkt sich stützend auf die Venen aus und das venöse Blut kann besser abfließen. Auch das Tragen von Kompressionsstrümpfen hilft den Venen, ihre Funktion richtig auszuüben. Und wer möchte, kann selbst im Schlaf etwas für seine Beine tun: Nachts das Fußende des Bettes zwei bis fünf Zentimeter hochstellen, das entlastet die Beine und begünstigt den Fluss des Blutes.

Fazit: Auch bei erblicher Vorbelastung – mit viel Bewegung und einer gesunden Lebensweise kann man Krampfadern erfolgreich vorbeugen!

Ergänzungen?

Hast Du Krampfadern? Was hast Du schon dagegen unternommen? Warst Du schon beim Arzt? Bei Spezialisten? Was hat der Dir geraten? Wurdest Du bereits behandelt? Wie? Mit Erfolg?

Weißt Du etwas über Krampfadern, das hier noch fehlt? Schreib uns Deine Meinung, Ergänzungen und Fragen – direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren. Du hilfst damit auch anderen Lesern.

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Foto: Krampfadern (Foto: zlikovec | Shutterstock)