Symptome, Ursachen, Diagnose und BehandlungBlinddarmentzündung

Das wichtigste über die Blinddarmentzündung – wodurch sie verursacht wird, wie sie behandelt wird und mit welchen Symptomen sie sich äußert.

Blinddarmentzündung

Blinddarmentzündung (Foto: CLIPAREA l Custom media | Shutterstock)

Bei einer Blinddarmentzündung, auch Appendizitis genannt, kommt es zu einer Entzündung des Appendix vermiformis, des Wurmfortsatzes. Der Begriff „Blinddarmentzündung“ ist irreführend, da bei einer Appendizitis lediglich der Wurmfortsatz entzündet ist, jedoch nicht der Blinddarm selbst.

Der Appendix vermiformis ist ein Anhängsel des Blinddarmes und hat für den menschlichen Körper keine wichtige Funktion. Da sich der Wurmfortsatz im rechten Unterbauch befindet, sind Schmerzen in diesem Bereich charakteristisch für eine Appendizitis. Eine Blinddarmentzündung tritt statistisch bei 100 von 100 000 Menschen auf. Besonders häufig tritt eine Appendizitis im Kindes- und Jugendalter bzw. bei jungen Erwachsenen auf. Erwachsene und ältere Personen sind seltener betroffen.

Ursachen

Eine Blinddarmentzündung kann verschiedene Ursachen haben. In vielen Fällen ist es den Ärzten auch gar nicht möglich eine eindeutige Ursache festzustellen. Am häufigsten kommt es zu einer Appendizitis, wenn der Wurmfortsatz verlegt ist. Das bedeutet, dass sich das Dickdarmanhängsel in seiner Position verschiebt, sodass sich Nahrungsbrei und Kotrückstände darin ansammeln. Es gibt auch Menschen, bei denen der Wurmfortsatz natürlicherweise leicht eingenickt ist, wodurch die Ansammlung von Rückständen erheblich erleichtert wird.

Da der Appendix vermiformis lediglich eine Ausstülpung ist, also nur auf einer Seite eine Öffnung zum Darm hin aufweist, verbleiben die Rückstände meist in ihm und können nicht auf natürlichem Weg entfernt werden. Sammelt sich Kot im Wurmfortsatz an, so dickt dieser ein und es bilden sich so genannte Kotsteine.

Eine Appendizitis kann auch durch das Verschlucken von Fremdkörpern hervorgerufen werden. In manchen Fällen bleiben verschluckte Obstkerne im Wurmfortsatz zurück und entzünden ihn. Selten kann auch eine Krebserkrankung des Darmes eine Blinddarmentzündung auslösen. Auch das Vorliegen bestimmter Wurmerkrankungen kann das Risiko einer Appendizitis erhöhen.

Blinddarmentzündung: Schmerzen im rechten Unterbauch sind das typischste Symptom

Blinddarmentzündung: Schmerzen im rechten Unterbauch sind das typischste Symptom (Foto: Iakov Filimonov | Shutterstock)

Symptome

  • Bauchschmerzen, vor allem im rechten Unterbauch, wandern häufig
  • druckempfindlicher Bauch
  • Übelkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Erbrechen
  • Fieber
  • Verstopfung, teilweise auch Durchfälle
  • Schweißausbrüche
  • beschleunigter Puls
  • Blähungen

Das charakteristischste Symptom einer Blinddarmentzündung sind Bauchschmerzen im rechten Unterbauch. Allerdings müssen die Bauchschmerzen nicht auf diese Region beschränkt sein. Häufig leiden Betroffene auch unter Magenschmerzen bzw. verspüren einen stechenden Schmerz rund um den Bauchnabel. Besonders zu Beginn der Erkrankung sind die Schmerzen häufig diffus und nicht klar lokalisiert.

Schreitet die Entzündung weiter fort werden die Unterbauchschmerzen stärker. Betroffene empfinden in diesem Stadium bereits leichte Berührungen als sehr schmerzhaft. Das Gehen bzw. gerade Sitzen führt meist zu einer Verstärkung der Schmerzen. In vielen Fällen kommen zu den Unterbauchschmerzen auch noch Symptome wie Unwohlsein, Übelkeit und Erbrechen hinzu. Im weiteren Verlauf tritt häufig Fieber auf.

Grundsätzlich sollte beachtet werden, dass eine Blinddarmentzündung auch untypische Symptome aufweisen kann. Bei manchen Menschen ist die Lage des Wurmfortsatzes zum Beispiel verschoben, sodass die Schmerzen nicht im rechten Unterbauch auftreten. Wichtig ist, dass bei Verdacht auf eine Appendizitis sofort ein Arzt aufgesucht wird. Darüber hinaus sollte keine Nahrung mehr aufgenommen werden. Es besteht zwar die Möglichkeit, dass die Entzündung ohne Probleme von selbst ausheilt, in vielen Fällen ist jedoch eine Operation notwendig.

Bei einer unbehandelten Blinddarmentzündung können schwere Komplikationen auftreten. Auch Blinddarmentzündungen, die von selbst abheilen, bedürfen ärztlicher Behandlung, da in diesen Fällen Narben zurückbleiben können, welche eine erneute Entzündung zu einem späteren Zeitpunkt begünstigen. Durch die Narbenbildung kann es in weiterer Folge auch zu einer Einschränkung der Darmtätigkeit oder sogar zum Darmverschluss kommen.

Die gefährlichste Komplikation bei einer Appendizitis ist die Perforation. Dabei bricht das Gewebe des Darmanhängsels durch und der Inhalt entleert sich mit den darin enthaltenen Bakterien sowie einem Teil des Darminhalts in die Bauchhöhle. Ein Blindarmdurchbruch führt zu akuten, sehr starken Bauchschmerzen. Wird der Blinddarmdurchbruch nicht sofort behandelt, breitet sich die Entzündung auf die Bauchhöhle- bzw. das Bauchfell aus, was lebensbedrohlich ist. Treten Eiterherde und Entzündungen im Bauchraum auf, führt dies nicht selten zu einer Sepsis, die im schlimmsten Fall zum Tod des Patienten führt.

Diagnose

Die Diagnose einer Blinddarmentzündung ist nicht immer einfach. Besonders im Anfangsstadium der Erkrankung sind die Symptome häufig nicht eindeutig, wodurch auch andere Krankheiten bei der Diagnosestellung in Betracht gezogen werden müssen. Bei Frauen können zum Beispiel bei einer Eierstockentzündung oder einer Eileiterschwangerschaft ähnliche Symptome wie bei einer Appendizitis auftreten.

Um eine Blinddarmentzündung zu diagnostizieren, führt der behandelnde Arzt nach dem Patientengespräch eine körperliche Untersuchung durch. Dabei tastet er den Bauch des Patienten ab und achtet auf die für eine Blinddarmentzündung typische Druckempfindlichkeit im rechten Unterbauch. Zur genauen Abklärung ist meist eine Ultraschalluntersuchung notwendig, dabei kann der entzündete Appendix vermiformis sichtbar gemacht werden.

Sind die Ergebnisse dieser Untersuchung nicht eindeutig, empfiehlt sich bei weiblichen Patienten eine zusätzliche gynäkologische Untersuchung, um andere Krankheiten als Ursache ausschließen zu können. Häufig entnimmt der behandelnde Arzt dem Patienten auch Blut, um die Entzündungsparameter zu bestimmen.

Lage des Wurmfortsatzes

Lage des Wurmfortsatzes (Appendix) im menschlichen Körper (Abbildung: dr OX | Shutterstock)

Behandlung

In seltenen Fällen heilt eine Appendizitis unter der Gabe von Antibiotika von selbst aus. Meist ist eine operative Entfernung des entzündeten Materials jedoch unumgänglich. Eine Blinddarmoperation ist ein kleiner Eingriff und gehört zu den Standardeingriffen, die allgemein mit wenigen Komplikationen einhergehen.

Bei der klassischen Blinddarmoperation wird durch einen Schnitt von wenigen Zentimetern Länge der Unterbauch eröffnet. Danach entfernt der Chirurg den Wurmfortsatz und schließt die zurückbleibende Öffnung in der Darmwand. Es besteht auch die Möglichkeit einer laparoskopischen Appendektomie. Dabei wird durch einen kleinen Schnitt am Bauchnabel ein Endoskop eingeführt. Das Endoskop ermöglicht es dem behandelnden Chirurgen einen Blick in die Bauchhöhle zu werfen und sich ein klares Bild über die Situation zu verschaffen. Danach werden über zwei weitere kleine Hautschnitte die Instrumente zur Entfernung des Wurmfortsatzes eingeführt. Der behandelnde Chirurg entfernt den Wurmfortsatz und vernäht im Anschluss die drei Schnitte.

Sowohl die klassische Blinddarmoperation als auch der laparoskopische Eingriff dauern in der Regel nicht länger als eine halbe Stunde. Nach dem Eingriff leiden Betroffene meist unter Schmerzen, diese vergehen jedoch rasch und können mit Schmerzmitteln gut behandelt werden. Risikoreicher gestaltet sich die Operation, wenn ein Blinddarmdurchbruch vorliegt. In diesem Fall muss nicht nur der entzündete Wurmfortsatz entfernt werden, sondern auch die Bauchhöhle mit steriler Lösung gespült werden. Auf diese Weise können die in den Bauchraum durchgebrochenen Rückstände entfernt werden. Eine Appendizitis kann in der Regel effizient und komplikationsarm behandelt werden.

Vorbeugung

Eine Entzündung des Wurmfortsatzes kann nicht durch gezielte Maßnahmen vorgebeugt werden. Um Komplikationen zu vermeiden, sollten anhaltende Bauchschmerzen jedoch stets ernst genommen werden.

Patientenerfahrungen?

Dipl.-W.Inf. Sebastian Fiebiger
Medizinjournalist

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